Trump und Kim: Phallische Machtspiele

Militärparade zum "Tag der Sonne". Bilder aus dem nordkoreanischen Staatsfernsehen

Nach dem Vorführen der "Mutter aller Bomben" zeigt Nordkorea sein Waffenarsenal

Weltpolitik scheint einmal wieder auf die Demonstration zuzulaufen, wer den größten Phallus zu bieten hat. Eingeleitet hat das jüngste Machtposieren Nordkorea mit mehreren Raketentests, der Ankündigung eines baldigen Tests einer Langstreckenrakete und offensichtlichen Vorkehrungen, auch wieder einen Atomwaffentest durchzuführen.

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Donald Trump, der, wie auch an seiner Architektur zu sehen ist, große Gesten liebt, drohte und bombardierte erst einmal Syrien aufgrund einer nicht gesicherten Erkenntnislage und mit einer bewusst provozierenden Verletzung des Völkerrechts mit 59 Tomahawk-Marschflugraketen. Auch das galt als Drohgebärde gegenüber Nordkorea, aber auch als Zeichen gegenüber Russland und China, dass die USA unter Trump mit den besten Soldaten und der tödlichsten Technik allen anderen Staaten überlegen ist und willens ist, die Rolle des Platzhirsches bzw. der einzigen Supermacht zu verteidigen.

Das funktionierte einigermaßen, auch innenpolitisch, allerdings drohte Nordkorea weiter, bei einer Provokation auch Atomwaffen einzusetzen. Also schickte Trump mit dem Kampfgeschwader des Flugzeugträgers eine "Armada" Richtung Nordkorea und ließ es in Afghanistan noch einmal richtig symbolisch krachen, indem er die "Mutter aller Bomben" über ein Höhlen- und Tunnelsystem in Afghanistan abwerfen ließ, das vermutlich noch aus den Zeiten stammt, als die USA al-Qaida und die Taliban als "Rebellen" gegen die Russen unterstützten.

Der große Bumms, der einige Kämpfer des Islamischen Staats getötet haben soll, verändert allerdings die Lage in Afghanistan ebenso wenig wie die 59 Tomahawk-Raketen dies in Syrien getan haben. Das Vorzeigen der größten Rakete - mit dem parallelen Flugtest einer modernisierten B61-Atomrakete - beeindruckte allerdings Nordkorea augenscheinlich nicht sonderlich. Auch ausgestreute Gerüchte einer möglichen Operation von amerikanischen Spezialeinheiten, die in Nordkorea eindringen könnten, um Kim Jong-un zu beseitigen, haben eher dazu geführt, dass dieser sich auffällig oft in der Öffentlichkeit zeigte.

Auch heute war er bei der Militärparade zum größten Feiertag Nordkoreas, dem "Tag der Sonne", dem 105ten Geburtstag seines Großvaters und Staatsgründers Kim Il-sung. Wie immer werden nicht nur diszipliniert auftretende Menschenmengen mit mechanischen Ornamentbildungen vorgeführt, was die bedingungslose Unterwerfung unter die Macht bezeugt, sondern nach der amerikanischen Phallus-Vorführung wurde Kim Jong-un, dem Volk und der Welt auch die militärische Macht vor Augen geführt. Im nordkoreanischen Fernsehen wurde gesagt, es seien "die mächtigsten und modernsten Angriffs- und Verteidigungsmittel in unserem eigenen Stil", sie würden vorgeführt, um "die von den Imperialisten beanspruchte militärische Suprematie zu beenden".

Natürlich waren neben Kampfflugzeugen, Panzern und anderen imponierenden Militärfahrzeugen viele Raketen zu sehen, auch einige neue, von denen allerdings nicht gewiss ist, ob sie in der Entwicklung sind, als Attrappen vorgeführt werden oder einsatzfähig wären. Hauptsache groß. So wurde eine riesige Rakete auf einem gewaltigen Lastwagen vorgefahren, die vermutlich die neue Interkontinentalrakete sein soll, die Nordkorea bald testen will und die auch die USA erreichen soll. Zudem wurden Marschflugraketen vorgeführt, die von U-Booten abgeschossen werden. Ebenso wurde die erst im Februar angeblich erfolgreich getestete Mittelstreckenrakete Pukguksong-2 gezeigt. Sie soll 500 km weit geflogen sein. (Florian Rötzer)

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