Trump "verdiente" schon als Dreijähriger 200.000 US-Dollar im Jahr

Bild: Weißes Haus

New York Times entzaubert wohl endgültig Donald Trumps selbstgestrickten Mythos vom Selfmade-Milliardär

Die New York Times hat einen Kracher gelandet. Die Zeitung hat Steuerrückzahlungen der Trump-Familie zugespielt bekommen, die allerdings schon älter sind. Sie sollen zeigen, dass schon Trumps Vater mit allen Tricks gearbeitet hat, um möglichst wenig Steuern zu zahlen. Donald Trump, der gerne von sich behauptet, nur durch einen Kredit seines Vaters über eine Million US-Dollar zum Milliardär geworden zu sein, hat von diesem aber mindestens 413 Millionen US-Dollar geerbt, die großenteils aus Steuertricks, teilweise auch aus Steuerbetrug stammen sollen.

Alle Kinder von Fred Trump erhielten demnach mehr als eine Milliarde US-Dollar. Dafür wären 550 Millionen US-Dollar nach den damaligen Sätzen der Erbschaftssteuer fällig gewesen, gezahlt an Erbschaftssteuern hatten die Trumps aufgrund von Steuertricks, beispielsweise durch eine Scheinfirma, aber nur 52,2 Millionen, also gerade einmal ein Zehntel. So wurden 25 Immobilien 1995 mit einem Wert von nur 41 Millionen gegenüber dem Finanzamt angegeben, 2004 schätzten Banken den Wert auf fast 900 Millionen. Und Donald Trump, damals in finanziellen Nöten, verscherbelte 2004 die Immobilien gerade einmal für 177 Millionen US-Dollar, was absolut kein guter Deal gewesen wäre.

Kurz vor den Wahlen den US-Präsidenten, der sich als Selfmade-Mann darstellt und als Milliardär angeblich auch der Mann des Volkes gegen die Elite spielt, derart bloßzustellen, ist natürlich ein harter Schlag und soll Trump und den von ihm unterstützten Kandidaten schaden. Die NYT fährt seit geraumer Zeit wie die Washington Post und andere Medien einen scharfen Anti-Trump-Kurs, spiegelbildlich kämpft Trump fast täglich gegen die großen Medien und versucht, sie als Fake-News-Schleudern zu entwerten. Das kommt bei seiner Anhängerschaft an, könnte aber nun schwieriger werden, da aufgrund der NYT-Veröffentlichung die Steuerbehörden den Vorwürfen nachgehen wollen, auch wenn diese in der Regel wohl verjährt sein werden.

Allerdings schreibt die NYT, Trump habe wochenlang nicht auf Fragen geantwortet, weswegen der Artikel nun ohne Stellungnahme von ihm und passend vor den Wahlen veröffentlicht wurde. Nur ein Anwalt schrieb, es habe keine Steuerhintergehungen und keinen Steuerbetrug gegeben. Trump habe damit sowieso nichts zu tun gehabt, so will man ihn wohl entlasten, die mit Steuern zusammenhängenden Aufgaben seien Verwandten und Steuerexperten zugewiesen worden. Da auch die Familienmitglieder keine Steuerexperten seien, hätten sie diese Aufgaben ebenfalls delegiert. Robert Trump, Donalds Bruder, sagte in einer Stellungnahme, es seien alle Steuern gezahlt worden.

Die NYT will nicht nur Trumps Selbstdarstellung als erfolgreicher Geschäftsmann, der praktisch von unten seinen Reichtum erworben hat, untergraben, sondern zeichnet mit dem Verhalten der Trump-Familie auch ein Bild der reichen Kaste der USA, die nicht nur gierig sind, sondern ihren Beitrag an die Allgemeinheit mitunter auch mit Betrug zu mindern suchen, um ihren Reichtum zu mehren. Reich wird man, wenn man schon reich ist. Dafür steht Trump, also gerade nicht für den amerikanischen Traum.

Dabei kam es zu irrwitzigen Konstruktionen, die allerdings auch zeigen, dass die Steuerbehörden nicht auf Trab sind oder lieber die Augen verschlossen haben. Das bestätigt auch die NYT. Die Reichen können mit ihren Steuerexperten nicht nur alle möglichen Steuerschlupflöcher ausfindig machen, das Finanzamt lässt sie auch gewähren, schließlich ist es einfacher, von den Angestellten die Steuer einzutreiben. So hat Donald schon als Dreijähriger jährlich 200.000 US-Dollar verdient. Mit acht Jahren war er schon Millionär, in den 1950er Jahren erhielt er bereits mehrere Millionen jährlich von seinem Vater. Der Reichtum wurde ihm also bereits leistungslos als Erbe in die Wiege gelegt.

Sein Vater hat Donald nach der NYT auch weiterhin kräftig unterstützt. Das kleine Darlehen, auf dem Donald Trump seinen Mythos des Selfmade-Manns aufbaute, soll immerhin 60 Millionen US-Dollar betragen haben. Zurückgezahlt hat Donald Trump davon kaum etwas. Mit einem solchen väterlichen "Sicherheitsnetz" lassen sich relativ leicht Geschäfte im großen Stil machen. 295 Mal soll nach den Belegen der Vater Donald Trump mit Geld versorgt haben, auch der Trump Tower wurde mit Vaters Hilfe finanziert. Gleichwohl verkauft sich Trump als jemand, der anderen Ratschläge geben kann, wie man reich werden kann.

Gerade verkündete Donald Trump: "Amerika wird immer eine Nation der großen Bauherren sein, weil wir in Amerika Arbeit, Mut, Handwerk, weil wir Männer und Frauen ehren, die Träume mit ihren eigenen, schönen zwei Händen realisieren." Bei Trump haben die Hände aus vielen Millionen US-Dollar seines Vaters bestanden.

Trump, der zur Präsidentschaftswahl seine Steuererklärung nicht, wie üblich, vorlegen wollte, hielt sich für seine Verhältnisse bislang zurück. Er setze bislang nur den Tweet ab: "Die zusammenbrechende New York Times machte etwas, was ich nie zuvor gesehen habe. Sie benutzten das Konzept des "Zeitwerts des Gelds", um eine sehr alte, langweilige und oft erzählte Angriffsgeschichte zu erzählen. Zusammengefasst sind 97 Prozent ihrer Geschichten über mich schlecht. Sie haben sich nie von der schlechten Wahlempfehlung erholt." Die Geschichten sind schlecht (bad), aber offenbar nicht falsch.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, nannte den Artikel über Steuertricks- und -betrügereien einen "total falschen Angriff, der auf alten recycelten Nachrichten basiert", und "sehr langweilig". Auch sie stritt die Inhalte nicht ab. Sie als "langweilig" wie Trump zu bezeichnen, ist aber eine Strategie, die nach hinten losgehen kann, wenn der Präsident seinen Reichtum tatsächlich auch über Steuerbetrug erreicht hat. Nach Sanders sei an dem Artikel nur richtig, dass Donalds Vater großes Vertrauen in ihn gehabt habe: "Sie machten zusammen viel Geld. Er sagte weiterhin, dass alles, was (Donald) berührte, sich in Gold verwandelte." Dann kann es den USA ja nur gut gehen. Nach Sanders hat Donald Trump weiterhin nicht vor, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen, was nun aber noch verdächtiger erscheint. Achja, Trump wird sein Präsidentengehalt des zweiten Vierteljahres für die Veteranen stiften.

Schön auch die Leistungsbilanz, die Donald Trump von sich verbreitet. Hier in einer Rede vom 2. Oktober:

We’ve ended the war on clean, beautiful, Pennsylvenle [Pennsylvania] — hey — your clean, beautiful, Pennsylvania coal. Right? It’s beautiful. It’s clean. What they can do with coal today is incredible. And we have more of it than anybody in the world and we’re producing energy-rich Pennsylvania shale.

To get you more contracts and more jobs, we’ve slashed a record number of regulations. And we’ve approved immediately — like first day, first week — the Keystone XL Pipeline and the Dakota Access Pipelines. That’s 48,000 jobs in one day. Boom, boom. Had to sign something.

Those companies have never had it so good. That was dead. Both of them were dead. And I came along. I think it could’ve been my first day, Rick. Right? But close. And we signed it — 48,000 jobs immediately. And better than riding it on top, on the railroads. Better environmentally. You know, they talk about the environment.

And right now, our air is record clean. And our water is crystal clear. And that’s what we want. But we don’t want stopping jobs. We don’t want to do what some people wanted us to do — mostly, our foreign competitors.

(Florian Rötzer)

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