Trump will sich um Shadowbans auf Twitter kümmern

Matt Gaetz. Foto: Senior Airman Meagan Schutter, US Air Force

Kongressabgeordneter Matt Gaetz droht mit Medienaufsicht FCC

Gestern kündigte US-Präsident Donald Trump auf Twitter an, die Shadowban-Zensurvorwürfe gegen den Social-Media-Dienst untersuchen zu lassen. Die "vielen Beschwerden" auf die er sich dabei bezog, stammen unter anderem von konservativen Republikanern wie Trumps Berater Andrew Surabian, der Parteivorsitzenden Ronna McDaniel und einer Reihe von Kongressabgeordneten.

Ihnen hatte am Mittwoch ein Bericht in dem der Partei durchaus nicht nahestehenden Magazin Vice gezeigt, dass ihre Accounts nicht in der Autovervollständigung im Suchfeld angezeigt werden. Stattdessen kamen häufig Fake-Accounts. Bei den 78 Mitgliedern des "Progressive Caucus" der demokratischen Partei, mit denen der Vice-Autor Alex Thompson die Gegenprobe machte, kam das kein einziges Mal vor.

Gaetz: "Merkwürdig", dass das Phänomen eine Woche nach einer "hitzigen Auseinandersetzung" mit Twitter-Managern im Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses auftrat

Einer der betroffenen Kongressabgeordneten, Matt Gaetz, wurde nach eigenen Angaben nicht einmal angezeigt, wenn man seinen Accountnamen @RepMattGaetz vollständig eingab. Gaetz, der meinte es sei "merkwürdig", dass das Phänomen eine Woche nach einer "hitzigen Auseinandersetzung" mit Twitter-Managern im Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses auftrat, drohte deshalb mit einer offiziellen Beschwerde bei der US-Medienaufsicht FCC.

Die könnte untersuchen, ob Twitter durch Eingriffe rechtlich nicht mehr wie eine Plattform für fremde Inhalte, sondern wie ein Medium mit eigener Agenda behandelt werden muss (vgl. Facebook, Google und Twitter verweigern Erscheinen vor Zensurausschuss). Gaetz Meinung nach wirft eine heimliche Zensur, die ausschließlich Republikaner betrifft, darüber hinaus auch die Frage illegaler Quasi-Parteispenden an die Demokraten auf.

Twitter meinte darauf hin, es habe sich um keinen "Shadowban", sondern um einen "Fehler" gehandelt, der nun bei Gaetz' Account behoben sei. Um die anderen Accounts, bei denen er auftritt, werde man sich auch noch kümmern. Die "Qualitätsfilterung", die Twitter einräumt, geschieht nach Angaben des Unternehmens "nicht nach den Inhalten von Tweets, sondern nach dem Verhalten von Accounts". Für den Axios-Reporter Jonathan Swan ist diese Reaktion "inadäquat". Er verkündete öffentlich, bislang hatte er Shadowban-Vorwürfe für Verschwörungstheorien gehalten, was er nun "überdenke".

Test mit ShadowBan.eu

Wer feststellen will, ob er auf Twitter weniger sichtbar ist als andere, der kann das mit dem Tool ShadowBan.eu überprüfen. Warum das der Fall ist, kann er damit jedoch nicht herausfinden. Auch Anfragen an Twitter halfen hier bislang wenig, wie unter anderem die Il-Giornale-Reporterin Alessandra Bocchi feststellen musste. Bocchi hat nach eigenen Angaben niemals gegen die Nutzungsbedingungen von Twitter verstoßen.

Hätte sie das, hätte sie Twitter sperren können, wie das der Dienst letzte Woche mit Lisa Graves machte, die es mit ihrem Satireaccount "Godfrey Elfwick" in Mainstreammedien wie den Mirror und die BBC schaffte. Beide waren sich nicht sicher, ob dieser Elfwick-Account eine Parodie war, oder ob es tatsächlich einen Intersektionalisten gab, der derart groteske Positionen vertrat, wie man sie in den von Archive.is geretteten Kulturschätzen auch jetzt noch nachlesen kann.

In Deutschland sammelt die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer Material zum Missbrauch des Twitter-"Qualitätsfilters" (vgl. QFD: Qualitätsfilter oder Zensur?). Der Tageszeitung Die Welt sagte sie, es könne "nicht angehen, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen entscheidet, nach welchen Regeln sich öffentliche Debatten digital vollziehen". Nutzer müssten "die Chance behalten, an Kontroversen teilzunehmen", weshalb, ihnen die Wahl lassen solle, "selbst entscheiden zu können, ob [sie ihre] Timeline[s] und Suchergebnisse ungefiltert oder gefiltert sehen wolle[n]". (Peter Mühlbauer)

Anzeige