Trump wird dieses Mal stärker gegen Syrien zuschlagen müssen

Der Zerstörer USS Porter bei Schussübungen am 5. April 2018. Bild: US Navy

Vermutlich werden die USA und Frankreich gemeinsam handeln, Trump hat sich unter Zugzwang gesetzt, die Frage wird sein, wie Russland sich dieses Mal verhalten wird

US-Präsident Donald Trump hat sich in eine Situation manövriert, in der er nun militärisch gegen Syrien handeln muss, will er sein Gesicht nicht verlieren. Und das ist etwas, was Trump kaum zulassen wird. Er hatte bereits Barack Obama vorgeworfen, nicht auf die Überschreitung der roten Linie entsprechend reagiert zu haben. Hätte er dies, so könnte der Syrien-Konflikt bereits beendet worden sein, spekulierte er. Das bedeutet, er glaubt an eine militärische Lösung, zumindest reitet er auf dieser herum.

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Kaum denkbar, dass in ein paar Stunden handfeste Beweise dafür vorlegen werden, wer den Angriff ausgeführt hat und ob es sich wirklich um Chlorgas handelt. Trump meint, es bestehe kaum Zweifel daran, dass die syrische Armee dafür verantwortlich sei, die "Generäle werden es herausfinden".

Er hatte schon angekündigt, der Verantwortliche werde einen "hohen Preis" zahlen müssen. Gestern erklärte er gegenüber Journalisten: "Wir haben viele Optionen militärisch, und wir werden Sie das wissen lassen, wahrscheinlich nachdem dies geschehen ist." Dass Assad im Visier steht, ist auch deswegen klar, weil er diesen als "Tier" bezeichnet, das man dann jagt und tötet.

Donald Trump gestern in der Kabinettssitzung. Bild: Weißes Haus

Zudem ist Trump gerade unter Druck, nachdem das FBI gestern das Büro und die Wohnung seines langjährigen persönlichen Anwalts Michael Cohen durchsucht haben, der 130.000 US-Dollar Schweigegeld an die Pornodarstellerin Stormy Daniels gezahlt haben soll, um zu unterbinden, dass sie von ihrer Affäre mit Trump im Wahlkampf berichtet. Die Durchsuchung ließ Trump offenbar vor Wut schäumen. Das Ganze erinnert an Bill Clinton, der auf dem Höhepunkt des Lewinsky-Skandals 70 Tomahawk-Raketen auf Ziele im Sudan und in Afghanistan abfeuern ließ, die mit Osama bin Laden in Verbindung gebracht wurden. Der hatte zuvor den Krieg bzw. den Dschihad gegen die USA erklärt (Die USA schlagen zurück - Wag the Dog?).

Nikki Haley, Trumps UN-Botschafterin und Scharfmacherin, ließ ganz deutlich werden, dass ein Angriff erfolgen muss, nachdem Russland "seine Hände im Blut von Kindern wäscht". Die USA würden handeln, sagte sie, auch wenn der UN-Sicherheitsrat daran scheitert, die syrischen Menschen zu schützen: "Die Geschichte werde sich an diesen Augenblick erinnern", so Haley dramatisch, die den Verantwortlich für den mutmaßlichen Angriff mit Chemiewaffen als "Monster" bezeichnet:

We are beyond showing pictures of dead babies. We are beyond appeals to conscience. We have reached the moment when the world must see justice done. History will record this as the moment when the Security Council either discharged its duty or demonstrated its utter and complete failure to protect the people of Syria. Either way, the United States will respond.

Nikki Haley

Rätselraten herrscht, was Trump sein Militär machen lassen wird und mit wem er einen Militäranschlag ausführen wird. Es werden Gespräche mit den Alliierten geführt, man munkelt, dass die USA am ehesten mit Frankreich zuschlagen werden, da es im Fall von Großbritannien zu lange brauchen würde, weil hier eine parlamentarische Zustimmung erfolgen müsste. Der französische Präsident Macron hat bereits am Sonntag mit Trump gesprochen und will offensichtlich Großbritannien beiseite drängen, um Frankreichs Position zu stärken. Das Ergebnis des Telefongesprächs war, dass man gemeinsam handeln werde.

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Ein Krieg gegen Damaskus zum Sturz des Assad-Regimes - Regime Change - nach dem Vorbild des Irak-Kriegs ist ausgeschlossen, schon alleine deswegen, weil russische Truppen im Land sind. Noch einmal einen punktuellen und symbolischen Angriff mit Tomahawk-Rakete auf einen syrischen Stützpunkt, auf dem sich keine russischen Truppen befinden? War möglicherweise der Angriff der aller Wahrscheinlichkeit nach israelischen Kampfflugzeuge auf den syrischen Militärflughafen eine Probe?

Für einen Angriff mit Raketen könnte sprechen, dass nach Berichten die US Navy einige Kriegsschiffe mit Tomahawk-Raketen in der Region hat. So hat der mit Tomahawk-Raketen ausgerüstete Zerstörer Donald Cook gestern von Zypern abgelegt haben und soll Richtung Syrien fahren. Der Zerstörer Porter könnte auch schnell vor Ort sein, schreibt das Wall Street Journal. USS Porter war auch schon letztes Jahr beteiligt, als der syrische Flughafen angegriffen wurde.

Vermutlich wird sich Trump, wahrscheinlich darin bestärkt von seinem neuen Sicherheitsberater Bolton, für dieses Mal für einen schwerwiegenderen Angriff entscheiden, der das Assad-Regime empfindlich treffen soll. Ob dabei eine direkte Konfrontation mit Russland angezielt wird, ist eher unwahrscheinlich, die Risiken wären einfach zu hoch, selbst für das Gespann Trump-Bolton. Denkbar wäre ein Angriff auf den Sitz der syrischen Regierung, den Präsidentenpalast oder Orte, an denen sich Assad aufhalten könnte.

Die große Frage wird sein, ob sich Russland auch dieses Mal wieder zurückhalten wird. Moskau hat Washington bereits vor einem erneuten Angriff gewarnt. Möglich wäre, dass Moskau gegen amerikanische Raketen seine Luftabwehrsysteme einsetzen wird. Allerdings bestünde dann auch die Gefahr, dass vor allem das Luftabwehrsystem S-400, derzeit ein begehrtes Exportprodukt, versagen könnte. Russland preist es als besser an als die amerikanischen Systeme. (Florian Rötzer)

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