Türkei: Wasser als Waffe

"Sicherheitsstaudämme" und Talsperren zur Aufstandsbekämpfung

Hinter Cizre, entlang der irakischen Grenze werden insgesamt elf Staudämme auf Flüssen und Bächen in den bergigen Provinzen Şırnak (kurd.: Şirnex) und Hakkari (kurd.: Colemêrg) gebaut, die die Bewegungsmöglichkeiten der kurdischen Guerilla, die seit vielen Jahren mit der türkischen Armee in militärischen Auseinandersetzungen steht, eingrenzen sollen.

Das staatliche Wasseramt der Türkei (DSI) nennt in ihrem Jahresbericht 2007 die Staudämme als wichtig für die Sicherheit der Grenzen. Die Staumauern der "Sicherheitsstaudämme" sollen eine Höhe von 35 bis 80 m haben.

Hintergedanke aus Sicht des Staates ist, dass die Flusstäler von der Guerilla gern als Korridore für das "Einsickern" in das türkische Staatsgebiet genutzt werden. Diese Durchgangsstrecke aus dem irakischen Staatsgebiet könnte nun mit Dämmen und Mauern und anschließenden Stauseen an mehreren Stellen versperrt werden. Weiterhin könnten dieser Logik nach viele von den HPG (PKK, Anm. d. Autorin) genutzte Höhlen und Verstecke überflutet werden. Der dritte "Sicherheitsaspekt" wäre, dass ein großer Stausee auf mehreren (oder gar dutzenden) Kilometern ein Hindernis bei der Überquerung des entsprechenden Flusses darstellen würde. Denn zu Tag und Nacht könnte von Beobachtungspunkten auf Hügeln bzw. Bergen aus durch das Militär die große glatte Seefläche gut observiert werden.

"Die Rückkehr des Krieges in die Politik"

Aber nicht nur die PKK ist von den Staudämmen betroffen. Die Flüsse, an denen die elf Staudämme liegen, fließen südlich der irakisch-türkischen Grenze alle weiter direkt oder indirekt in den Tigris. Ist der Türkei die Politik z.B. der kurdischen Autonomieregion von dem nicht gewählten, aber noch amtierenden Präsident Barsani nicht genehm, kann sie ihm das Wasser abdrehen. Dies hätte dann Auswirkungen bis in die weiter flussabwärts gelegenen Gebiete.

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