Türkei greift in Syrien massiv Kurden an

Die türkische Regierung spricht auf der Propagandaseite für die Militäroperation "Schutzschild Euphrat" von angeblichen Angriffen auf 40 IS-Stellungen und 6 PKK/PYD Ziele in Nordsyrien.

Im irakischen Tikrit führt der "Islamische Staat" einen Entlastungsangriff, türkische Erdogan-Unterstützer rufen dazu auf, Milizen zu gründen und nach Mosul zu ziehen

Die türkische Regierung hat wieder einmal demonstriert, wer der wichtigste Feind in ihren Augen ist. Nicht der "Islamische Staat", der jahrelang an der Grenze geduldet und wahrscheinlich auch unterstützt wurde, sondern die Kurden im eigenen Land, in Syrien und die PKK im Irak. Nördlich von Aleppo haben im von der YPG kontrollierten Afrin türkische Kampfflugzeuge und Artillerie Stellungen bei Umm Hawsh und Um Qura sowie vielen anderen Orten angegriffen. Auch heute sollen wieder Luftangriffe auf kurdische Ziele stattgefunden haben.

Die Kurden sagen, sie hätten hier Fortschritte gegen den IS in Richtung al-Bab erzielt, aber die Türkei hilft offenbar lieber dem IS, als zuzulassen, dass die Kurden Geländegewinne machen. Vor allem will die Türkei selbst al-Bab einnehmen, um nach Dscharablus, das vermutlich nach Absprache mit dem IS "erobert" wurde, den bislang vom IS und "Rebellen" kontrollierten Korridor von der türkischen Grenze Richtung Aleppo zu sichern. Bei den Angriffen sollen viele kurdische YPG-Kämpfer, die Rede ist von bis zu 200, getötet worden sein. Dier YPG berichtet von 10 toten Kämpfern, aber auch von getöteten und verletzten Zivilisten. Zu vermuten ist, dass die Türkei den vom Rest der kurdisch kontrollierten Rojava-Gebiete isolierte Kanton Afrin im Nordwesten Syriens erobern will.

Eingeschaltet hat sich mittlerweile auch die syrische Armee, die gewarnt hat, dass sie türkische Flugzeuge, die in den syrischen Luftraum eindringen, "mit allen Mitteln" angreifen werde. Das ist zwar angesichts der neuen Kooperation zwischen Moskau und Ankara, vor allem aber deswegen unwahrscheinlich, weil die Türkei ein Nato-Land ist, zeigt aber, wie brüchig die verschiedenen Koalitionen sind, die im Kampf gegen den IS ihre partikularen geopolitischen Interessen durchsetzen wollen. Zudem wird der Türkei von der syrischen Armee vorgeworfen, ein "Massaker" in Afrin ausgeführt zu haben, bei dem 150 Zivilisten getötet wurden. Damit soll wohl seitens der Assad-Regierung auch dem Nato-Mitgliedsland das Vorgehen vorgeworfen werden, das die westlichen Staaten in Aleppo Syrien und Russland vorwerfen.

Syrische Hubschrauber haben über Aleppo Flugblätter abgeworfen und die Menschen aufgefordert, während der Waffenruhe die Korridore zur Flucht aus der Stadt zu benutzen. Verbreitet wird die Meldung, dass die "Rebellen" die Menschen auch mit Gewalt daran zu hindern suchen. Auch die Vereinten Nationen setzen darauf, zumindest Verletzte, Kranke und Hilfsbedürftige aus der Stadt während der Feuerpause evakuieren zu können. Seit Anfang Juli sind keine Hilfslieferungen mehr in die Stadt gebracht worden, die Vorräte gehen aus, warnt die UN. Währenddessen wiederholt der russische Außenminister Lawrow die Forderung an die USA, die vereinbarte strikte Trennung zwischen den "gemäßigten" Rebellen und terroristischen Gruppen wie al-Nusra durchzuführen. Auch daran war der bereits ausgehandelte Waffenstillstand gescheitert. Die Rebellen weigern sich allerdings, was auch zeigt, dass Washington hier nicht ausreichend Einfluss ausüben kann oder will und dass die Verbindungen der "Rebellen" mit den islamistischen Gruppen zu stark sind.

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