Türkei lässt deutschen Autor in Spanien festnehmen

Festnahme des Kölner Schriftstellers Dogan Akhanli in Grenada löst heftigen Protest aus

In den frühen Morgenstunden klopfte die Polizei im spanischen Grenada an die Tür des Hotelzimmers von Dogan Akhanli und nahm ihn fest. Anlass war ein über Interpol lancierter Haftbefehl der Türkei, dem eine Dringlichkeitsnote beigefügt war. Es ist der zweite derartige Fall binnen kurzer Zeit. Erst am 11. August nahm die spanische Polizei in Barcelona den schwedisch-türkischen Journalisten Hamza Yalcin fest.

"Die jetzigen Festnahme zeigt den Versuch Erdogans, seine Macht über die Grenzen seines Landes hinaus auszudehnen und weltweit gegen unliebsame und kritische Stimmen vorzugehen.", sagt Akhanlıs deutscher Rechtsanwalt Ilias Uyar. "Der Haftbefehl ist eindeutig rechtsmissbräuchlich. Ich fordere die sofortige Freilassung meines Mandanten." Uyar ist mit der deutschen Botschaft in Barcelona in Kontakt. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Mützenich setzt sich für Akhanli ein. Er wolle sich mit Außenminister Sigmar Gabriel in Verbindung setzen, sagt er. Gabriel ist heute in Barcelona, um sich nach dem verheerenden Terroranschlag vom Donnerstag solidarisch zu zeigen.

Dogan Akhanli war Anfang der neunziger Jahre nach mehreren Jahren Haft in einem Istanbuler Militärgefängnis aus der Türkei nach Deutschland geflüchtet und lebt seit 1992 in Köln, wo er eine feste Größe im Kulturleben ist. Er hat zahlreiche Bücher und Theaterstücke verfasst. In seinem Roman "Der Richter des Jüngsten Gerichts" befasst er sich mit dem Genozid an den Armeniern; zuletzt brachte er in Köln ein Theaterstück auf die Bühne, das die gesellschaftliche Spaltung in der Türkei thematisiert. Er wurde mehrfach mit renommierten Kulturpreisen geehrt.

Zuletzt 2010 hatte ihn die türkische Polizei bei der Einreise am Istanbuler Atatürk-Flughafen festgenommen. Der nach Ansicht von Beobachtern politisch motivierte Prozess endete mit einem Freispruch, der allerdings 2013 wieder aufgehoben wurde. Genau weiß aber bislang auch sein Anwalt Ilias Uyar nicht, was Akhnli vorgeworfen wird, da er noch keinen Kontakt zu seinem Mandanten bekommen hat.

Auch die SPD-Politikerin Lale Akgün zeigt sich entsetzt. "Ich kenne Dogan seit vielen Jahren, er ist ein friedfertiger Mensch. Dass er nun schon wieder festgenommen wird, ist absurd." Heftige Kritik übt sie auch an den spanischen Behörden. Es dürfe nicht sein, dass ein EU-Land ungeprüft türkische Haftbefehle anwende. Reporter ohne Grenzen hatte dieses Vorgehen im Fall Yalcin als Missbrauch der Polizeizusammenarbeit bezeichnet. Akgün vermutet, dass Erdogan austesten will, wie weit über die Türkei hinaus er seine Kritiker verfolgen kann. "Außerdem versucht er jetzt, so viele EU-Bürger wie möglich in die Hände zu kriegen. Er hofft, sie als Druckmittel nutzen zu können und später einen Austausch gegen vermeintliche Putschisten und Gülen-Anhänger zu erzwingen." (Gerrit Wustmann)

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