Türkische Luftwaffe greift Şengal und Rojava an

Das Bild soll nach Kurdistan24 die Folgen eines Luftangriffs zeigen.

Mit den Luftangriffen zeigt die türkische antikurdische Politik eine neue Qualität militärischer Eskalationsbereitschaft

In der Nacht zum Dienstag hat die Türkei mit 26 Bombern eine Reihe von Luftangriffen auf die ezidische Şengal Region und Rojava durchgeführt. Die Angriffe dauerten in den Morgenstunden noch an, eine abschließende Bewertung ist noch nicht möglich. Angegriffen wurde unter anderem die Kommandantur der YPG/YPJ auf dem Berg Qereçox bei Derik.

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Die YPG spricht in einer Erklärung von Toten und Verletzten. Weiterhin wurde eine Radiostation bei Derik zerstört. Die Selbstverwaltung des Kantons Cizire erklärte dazu:

"Erdoğan und die AKP haben die Gebiete in Rojava und Nordsyrien wiedermal angegriffen um die Errungenschaften der Revolution von Rojava und Nordsyrien zu treffen. Das türkische Besatzerheer hat vor den Augen der Welt internationales Recht verletzt und die Nachbargrenzen überschritten. Wir rufen alle demokratischen Kräfte der Welt und alle Völker die für Demokratie kämpfen auf, die in Cerablus begonnene Besatzung, die Bombardierung von Dörfern in Afrin und die Angriffe auf unsere Bevölkerung von Afrin bis Şengal zu verurteilen."

Der Vorsitzende von Tev-Dem (Demokratische Bewegung) Aldar Xelil rief die Bevölkerung auf, zum Berg Qereçox zu kommen.

Es wurden darüber hinaus fünf Gebiete in der ezidischen Şengal Region im Nordirak angegriffen. Hier dauerten die Angriffe in den frühen Morgenstunden noch an. Unter anderem seien mehrere Dörfer und ein Hochzeitssalon angegriffen worden.

Mit dieser Welle von Luftangriffen hat die türkische antikurdische Politik eine neue Qualität militärischer Eskalationsbereitschaft gezeigt. Insbesondere der Angriff auf das Hauptquartier der YPG/YPJ stellt einen offenen Angriff auf die internationale Zusammenarbeit der YPG/YPJ mit der Anti-IS-Koalition dar. In der Region Şengal arbeitete die Türkei schon länger gemeinsam mit Barzanis KDP an einer Besetzung der Region und einer Zerstörung der Selbstverwaltung. Barzanis KDP hat politisch große Verluste in der Şengal-Region hinnehmen müssen, nachdem sich ein Großteil der KDP-Peschmerga im August 2014 aus der Region zurückgezogen hatten und die Bevölkerung des Şengal dem IS weitgehend schutzlos überließen. Die Angriffe der Türkei scheinen auch auf die immer stärker ins Zentrum rückende Ausrufung einer Autonomieregion Şengal zu zielen. (Michael Knapp)

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