URL-Hijacking und die Gefahr der Linkpopularität

Nicht jeder Link wirkt sich positiv aus

Es ist nichts neues, dass Suchmaschinen im Internet eine wichtige Rolle spielen. Webseitenbetreibern liegt viel daran, in den obersten Suchergebnissen mit ihrer Internetpräsenz platziert zu sein. Wer bei Suchanfragen auf den ersten Ergebnislisten zu finden ist, nutzt eine sehr kostengünstige Möglichkeit der Werbung, bzw. des Vertriebs. Da kaum ein Nutzer den Suchergebnissen jenseits der ersten 20 Suchtreffer Beachtung schenkt, gilt es einen dieser ersten 20 Plätze mit dem eigenen Internetauftritt zu belegen. Je weiter oben, desto besser.

Um bei den großen Suchmaschinen wie Google, Yahoo oder MSN möglichst weit vorn zu stehen, konzentrieren sich Webseitenbetreiber bei der Suchmaschinenoptimierung auf zwei Dinge: Zum einen wollen sie dem Besucher nützliche und interessante Inhalte anbieten, die auch die Suchmaschine mitbekommt und unter diesen Stichworten listet und zum anderen versuchen sie für eine möglichst hohe "Linkpopularität" zu sorgen.

Unter Linkpopularität versteht man die Anzahl und die Qualität der Links, die auf eine Internetpräsenz verweisen. Je mehr qualitative Links eine Internetpräsenz erhält, umso besser wird sie in den Suchmaschinen platziert. Als ein qualitativer Link ist jener einzuordnen, der entweder selbst über eine hohe Linkpopularität verfügt, also bereits eine gute Position in den Suchergebnissen belegt oder jener Link, der mit dem Thema der eigenen Internetpräsenz in Zusammenhang steht.

Internetpräsenzen, die die bereits angesprochenen nützlichen und interessante Inhalte bieten, erhöhen meist allein dadurch die Linkpopularität, da sie bereitwilliger von anderen Webseitenbetreibern sowie von Webverzeichnissen verlinkt werden. Alternativ kann man die Internetpräsenz auch selbst in eine Vielzahl von Webverzeichnissen eintragen. Dies erhöht zum einen die Linkpopularität, die wie gesagt wichtig ist, um bei den großen Suchmaschinen die obersten Plätze zu belegen, zum anderen erhält man dadurch zwangsläufig mehr Besucher.

Doch auch bei Eintragungen in Webverzeichnissen ist Vorsicht geboten. Nicht jedes Webverzeichnis hat eine ausschließlich positive Wirkung. Durch einen Bug bei Google wurden viele Internetseiten aus den Suchergebnissen von Google verbannt und stattdessen durch die verlinkenden Seiten ersetzt. Dieses Thema wird momentan in vielen Foren unter dem Stichwort "URL-Hijacking" (deutsch auch "Domainentführung" genannt und nicht mit Domain-Hijacking oder gar Reverse-Domain-Hijacking zu verwechseln!) diskutiert. Einige sind dabei der Meinung, dass dieser Fehler inzwischen behoben wurde. Dem widerspricht aber die Tatsache, dass gerade letzte Woche einer der größten deutschen Webkataloge durch URL-Hijacking aus Google verschwunden war und erst nach Löschung der Weiterleitung wieder gelistet wurde.

Hierbei ist eine Domain, die womöglich seit mehreren Jahren Platz 1 in den Suchtreffern belegte, plötzlich verschwunden und wurde bei ihren Suchbegriffen durch eine andere Domain ersetzt. Die neue Domain hat sich dabei die Inhalte der eigentlichen Domain zu Eigen gemacht und erscheint nun an deren Stelle in den Suchergebnissen. Die Unterseiten der eigentlichen Domain werden daraufhin teils bedeutend schlechter positioniert bzw. verschwinden ganz aus den Suchergebnissen – sehr ärgerlich vor allem für kommerzielle Webangebote, da diese dadurch erhebliche Umsatzeinbußen haben können. Ursache der Domainentführung ist eine Weiterleitung (meta refresh oder 302 redirect) von einer stark verlinkten Domain – oft mit hohem Pagerank – auf die eigentliche Domain. Ein dauerhafter 301 redirect löst dies im Gegensatz zum 302 nicht aus.

Um solchen Ärger zu vermeiden, sollte man zunächst einmal überprüfen, ob man wegen einst umgezogener Seiten selbst einen solchen Redirect gesetzt hat: Ist die alte URL bei Google noch bekannter als die neue, so würde dies sonst für alle Zeiten auch so bleiben. Auch sollte man auf Eintragungen in Webverzeichnisse verzichten, die automatisch eine Weiterleitung auf die eingetragenen Webseiten setzen.

Diese so genannten dynamischen Webverzeichnisse erkennt man an den Links, die auf die eingetragenen Internetpräsenzen verweisen. Wenn Sie über den Link eines bereits vorhandenen Eintrags navigieren, erkennen Sie einen dynamischen Link in der Statuszeile des Browsers (links unten). Dieser sieht z.B. so aus: http://www.muster.de/jump.php?=763110. Das hat den Vorteil für den Verzeichnisbetreiber, dass er so die Beliebtheit des Links messen kann – typischerweise arbeiten daher im Erotikbereich beliebte Toplists mit solchen dynamischen Links oder auch Online-Zeitungen.

Da dynamische Links im schlimmsten Fall die eigene Internetpräsenz entführen und unauffindbar machen sowie keinerlei positive Effekte in Bezug auf die Linkpopularität haben, sollte man auf einen Eintrag in diese Verzeichnisse verzichten. Mitunter tritt der Effekt auch verzögert auf, weil der Pagerank des anfangs völlig unbekannten Verzeichnisses mit der Zeit gestiegen ist und erst jetzt die Übernahme-Falle zuschlägt.

Links, die einen positiven Effekt in Bezug auf die Erhöhung der Linkpopularität haben und völlig ungefährlich in Sachen "Domainentführung" sind, sind die so genannten statischen Links. Statische Links sind jene Links, wie sie sicherlich jeder kennt, also z.B. http://www.muster.de/link.html. Diese erkennt man ebenfalls in der Statuszeile, wenn man über einen Link navigiert.

Problematisch ist es, wenn man von einem populären Online-Angebot ohne eigenes Zutun dynamisch verlinkt wird. Das muss nicht einmal bösartig erfolgt sein, meist denkt der Verlinkende sogar, dem Verlinkten etwas Gutes zu tun. Zunächst einmal bekommt dieser ja auch mehr Besucher – über die Verlinkung. Langfristig aber weniger, weil Google Interessenten nun nicht mehr zu ihm schickt, sondern zur verlinkenden Seite.

Es scheint aber auch bösartige Fälle zu geben. So führt beispielsweise in einem aktuell diskutierten Fall selbst eine explizite Google-Suche nach www.12shopping.de eben nicht auf www.12shopping.de, sondern auf einen Link, der zwar scheinbar zu www.12shopping.de führt, in Wirklichkeit jedoch über den Befehl META HTTP-EQUIV='Refresh' Content=0;URL='' " den Browser in einer Endlosschleife festhält. Die Startseite und auch alle Unterseiten des Shopping-Portals verschwinden so komplett aus Google. Normal ist dagegen zumindest eine Weiterleitung. Voraussagbar ist der Effekt nicht, doch von Google bisher offensichtlich auch nicht behebbar.

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