US-Antidrohnen-Panzer werden in Deutschland getestet

CMIC-Stryker-Schützenpanzer wird zum Transport nach Deutschland verladen. Bild: DoD

Das US-Militär reagiert auf die bewaffneten Drohnen des Islamischen Staats

Die Angriffe mit bewaffneten Drohnen vorerst nur in Syrien und dem Irak haben deutlich gemacht, dass ferngesteuerte Systeme, allen voran kleinere, zu Waffen umfunktionierte Drohnen, vermutlich bald auch anderswo eingesetzt werden.

Noch scheinen die mit Sprengstoff beladenen oder mit kleinen Bomben ausgestatteten Drohnen - die "Luftwaffe des kleinen Mannes" - für das Militär nicht besonders gefährlich zu sein, aber hier findet eben bereits ein Wettrüsten statt. Und wenn Schwärme von bewaffneten Drohnen gegen Ziele gesteuert werden, sind die bislang verwendeten Antidrohnensysteme wie der offensichtlich von US-Militärs im Irak verwendete DroneDefender nicht mehr sonderlich wirkungsvoll. Dass die Drohnengefahr sehr ernst genommen wird, zeigt auch, dass das Pentagon eilig israelische Drohnenabwehrsysteme, vermutlich Drone Guard von ELTA bestellt hat, die bis Ende Juli geliefert werden sollen (Minidrohnen verbreiten Angst).

Letztes Jahr wurde von der US-Army ein Prototyp einer neuen Antidrohnenwaffe (C-AUS: combat unmanned Aerial Systems) entwickelt und getestet. Verwendet wurden dafür schon vorhandene Systeme, die aber zur Erkennung und Abwehr von Drohnen umfunktioniert wurden. Die C-UAS Mobile Integrated Capability (CMIC)-Systeme werden auf Fahrzeugen bzw. Panzer angebracht, die bereits mit den Feuerleitsystemen Q-50 Counterfire Radar System und Lightweight Laser Designator Rangefinder (LLDR) ausgestattet sind.

Dazu kommt das Venom-System von Northrop Grunman, das zur optischen Abstandsmessung LLDR benutzt, um kleine Drohnen zu identifizieren, zu verfolgen und mit Präzisionsmunition abzuschießen. Zunächst sollten damit Granaten erkannt werden. CMIC ist verbunden mit dem Führungssystem (command and control system) im Panzer, so dass ein Soldat entscheiden kann, ob und mit welcher Waffe die Drohne abgeschossen werden soll. Neu ist neben der Kombination und die Software zur Kombination der Systeme auch die Ausrichtung der Optik auf kleine Objekte. In der Vergangenheit sei "Panzergröße" die normale Einstellung gewesen, sagt Scott McClellan, Chef der Fires Support Branch in Fort Sill, wo das CMIC seit 2014 entwickelt und getestet wurde. Jetzt sei es aber notwendig, auch kleine Objekte aufzuspüren, die man oft kaum mit dem menschlichen Auge sehen könne.

Ende Februar wurden zwei mit dem CMIC aufgerüstete Stryker-Radschützenpanzer nach Deutschland geflogen, um die Systeme in einer "aktiven Einheit" zu testen. Die US Army Europe habe die Systeme angefordert, heißt es in der Pentagon-Mitteilung. "Wir wissen, dass unser Feind diese Kapazitäten nutzt", erklärte Major Russell Micho. "Die Bedrohung existiert. Der IS setzt Drohnen ein. Der Feind bringt Bomben an Drohnen an und wirft sie auf befreundete Streitkräfte und Zivilisten ab. Diese Bedrohung gab es vor 5 Jahren noch nicht."

Die CMIC-Schützenpanzer werden in eine Stryker-Einheit integriert und sind überdies mit neuer Technik wie Funksystemen, Computer, 3-D-Mapping, Vollbewegungs-Videogeräten und anderen elektronischen Kapazitäten ausgestattet. Es müsse nun erst der Umgang mit dem CMIC-System trainiert werden, bevor sie in der Einheit als Drohnenabwehrsysteme getestet werden. Insgesamt sollen sie 180 Tage in Deutschland bleiben. (Florian Rötzer)

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