US-Arbeitnehmer hangeln sich von Gehalt zu Gehalt durch

Sparen und Altersvorsorge fällt oft unter den Tisch, am wenigsten würden die Menschen trotz Geldsorgen auf das Internet und das Smartphone verzichten wollen

In den USA reicht das Geld vielen Angestellten nur gerade so zum Leben. Die Mehrheit lebt von der letzten Gehaltszahlung bis zur nächsten. Nach einer Umfrage, die Harris Poll im Auftrag der internationalen Online-Stellenbörse CareerBuilder, die sich Karrierenetzwerk nennt, unter Personalmanager und Vollzeitangestellten in der US-amerikanischen Privatwirtschaft durchgeführt hat, scheint sich die Geldknappheit zu verstärken. Hatten 2016 noch 75 Prozent gesagt, sie wären auf das nächste Gehalt angewiesen, waren es jetzt bereits 78 Prozent, davon allerdings 38 Prozent, dass es ihnen manchmal so ergehe.

Das scheint auch in der Mittelschicht so zu sein. Auch unter denjenigen, die 100.000 US-Dollar oder mehr verdienen, kommen 9 Prozent gerade so bis zum nächsten Gehalt, überdies sind 59 Prozent verschuldet. Je weniger die Menschen verdienen, desto mehr sind verschuldet und können nichts zurücklegen. 70 Prozent derjenigen, die zwischen 50.000 und 99.000 US-Dollar im Jahr verdienen, sind verschuldet, 28 Prozent leben von Gehalt zu Gehalt, bei denjenigen, die weniger als 50.000 verdienen, sind es 73 bzw. 51 Prozent.

25 Prozent der Arbeitnehmer können nichts zurücklegen. Insgesamt sind 71 Prozent verschuldet, 85 Prozent davon sagen, dass sie wohl nie aus den Schulden herauskommen werden. Mehr als ein Drittel nimmt nicht an einem Rentenplan teil, 19 Prozent geben an, sie hätten letztes Jahren Rentenzahlungen gekürzt und/oder ihre Sparprojekte. 26 Prozent haben im letzten Jahr nichts beiseitelegen können, was allerdings bei Niedrigzinsen auch wenig Sinn macht. 56 Prozent legen höchstens 100 US-Dollar beiseite oder an, allerdings 10 Prozent auch mehr als 1000 US-Dollar.

Interessant ist, was die Menschen trotz finanzieller Bedenken nicht aufgeben wollen. An erster Stelle wird ein Internetzugang genannt (54%), an zweiter Stelle ein mobiles Gerät wie ein Smartphone oder ein Tablet (53%). Auf Autofahren wollen 48 Prozent nicht verzichten. Viel eher können sich die Menschen vorstellen, auf Restaurantbesuche, Reisen, Bildung, Geschenke für Freunde und Alkohol zu verzichten.

Letzteres ist vielleicht nicht ganz ernst zu nehmen. Ebenso wahrscheinlich nicht, wenn 83 Prozent der Personalmanager angeben, dass sie dieses Jahr den Mindestlohn in ihrem Unternehmen anheben wollen. Erstaunlich ist hingegen, dass 81 Prozent der befragten Arbeitnehmer sagten, sie hätten schon einmal einen Job mit Mindestlohn gehabt. 71 Prozent davon habe der Lohn nicht bis zum Monatsende gereicht, mehr als die Hälfte musste daher mehr als einen Job haben.

Die Deutschen sparen nach Umfragen mehr. 86 Prozent sollen regelmäßig oder gelegentlich Geld zurücklegen - in der Regel für die Altersvorsorge. Die meisten sparen allerdings weniger als 100 Euro im Monat, das in der Regel auf dem Girokonto oder dem Sparbuch, schon weniger häufig auf einem Tagesgeldkonto angelegt wird, was alles derzeit wenig Sinn macht.

Deswegen horten 42 Prozent der Deutschen nach Umfragen Bargeld bei sich Zuhause. Das soll ihnen ein Gefühl der Sicherheit geben. Durchschnittlich sollen es 1.100 Euro sein, woraus man schließen kann, dass zum Teil relativ hohe Summen in den Wohnungen und Häusern lagern. Das beliebteste Versteck soll der Kühlschrank sein, gefolgt vom Kleiderschrank, wo die Scheine zwischen Unterwäsche oder Pullovern versteckt werden. Manche machen sich auch die Mühe, das Geld im Spülkasten der Toilette aufzubewahren. Auch andere Verstecke sind ziemlich nachvollziehbar für Diebe. (Florian Rötzer)

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