US Army hilft Saudis gegen Schiiten aus dem Jemen

Green Berets. Foto: US Army

Ein Dutzend Green Berets sind seit dem letzten Jahr mit dem Aufspüren von Raketenbasen beschäftigt

Die New York Times hat von nicht namentlich genannten amerikanischen Behördenmitarbeitern und europäischen Diplomaten erfahren, dass die US Army - anders als vorher vom Pentagon dargestellt - Saudi-Arabien im Jemenkrieg nicht nur mit dem bereits während der Präsidentschaft Barack Obamas begonnenen Auftanken von Flugzeugen und dem Teilen von Geheimdienstinformationen hilft (vgl. USA: Parteiübergreifende Initiative zum Krieg im Jemen), sondern seit Dezember 2017 auch Soldaten entsandt hat, die sich daran beteiligen.

Dabei handelt es sich um etwa ein Dutzend Angehörige der aus dem gleichnamigen John-Wayne-Film bekannten Green Berets. Sie haben die Aufgabe, Raketenstellungen im Jemen aufzuspüren, in denen schiitische Huthi-Milizen auf saudische Städte wie Chamis Muschait, Nadschran oder Riad zielen, wo ihre Geschosse mehrmals Häuser trafen. Die Grenze zum Jemen müssen sie dazu angeblich nicht überschreiten, weil ihre Überwachungsflugzeuge die Stellungen auch von Saudi-Arabien aus aufspüren können.

Zumindest theoretisch. Denn praktisch lassen sich die nicht allzu großen Waffen in Gräben verstecken und so schnell verlagern, dass sie anscheinend oft schon weg sind, wenn man sie beseitigen will. Zumindest gelangen den Huthis in den ersten vier Monaten des Jahres 2018 mit etwa 30 Raketenangriffen ungefähr so viele wie in den ersten vier Monaten des Jahres 2017, als die Green Berets noch nicht halfen.

Eigentlich hatten die Saudis ihre Bombardements im Jemen unter anderem damit gerechtfertigt, dass sie alte sowjetische Raketen zerstören müssten, weil die Huthis damit sonst saudische Städte bedrohen könnten. Bei den Bombardements kamen nach UN-Schätzungen bislang mehr als 10.000 Menschen ums Leben, darunter viele Zivilisten. Außerdem verschlechterte sich die Versorgungslage für einen großen Teil der Bevölkerung des Landes deutlich (vgl. Jemen: Saudische Blockade sperrt auch humanitäre Hilfe aus).

Dass es trotzdem zu Raketenangriffen auf saudische Städte kommt, erklärt das Wahhabitenkönigreich damit, dass der Iran den Huthis angeblich neue Raketen liefert (was Teheran bestreitet). US-Außenminister Mike Pompeo schenkt dieser Erklärung Glauben und bezeichnete den Iran am Sonntag als "Waffenhändler der Huthis".

Die Huthis verbrennen zwar gerne und häufig amerikanische und israelische Flaggen und betonen immer wieder, wie sehr sie diese beiden Staaten verabscheuen - als ernsthafte Bedrohung für die USA gelten sie aber bislang unter anderem deshalb nicht, weil den Fünfer-Schiiten eine größere Diaspora fehlt, die Anschläge im Westen verüben könnte. Dass US-Präsident Donald Trump zu ihrer Bekämpfung US-Soldaten entsandte, obwohl er bei den Amerikanern vor den Wahl den Eindruck erweckte, sich aus solchen Konflikten herauszuhalten, könnte der New York Times nach damit zu tun haben, dass er den Saudis Waffen verkaufen will, die in den USA Arbeitsplätze sichern.

Die Luftschläge, die die USA im Jemen selbst durchführten, galten bislang nicht den Huthis, sondern salafistischen Terrorgruppen, die für Anschläge im Westen bekannt sind: Dem Islamischen Staat (IS), der im letzten Jahr zehnmal angegriffen wurde, und der al-Qaida, die im Südjemen ein größeres Areal besetzt hielt und etwa 120 Angriffe ab bekam (vgl. Al-Qaida erobert al-Mukalla).

Außer gegen sie und die Huthis (die auch nach drei Jahren Krieg den ehemaligen Nordjemen weitgehend halten) kämpft die von den Saudis gestützte Sunnitenallianz von Abed Rabbo Mansur Hadi seit Anfang dieses Jahres auch gegen die vorher mit ihr verbündeten südjemenitischen Separatisten des al-Majlis al-Āntaqālī l-Janūbiyy, des "Übergangsrats des Südens" (englisch abgekürzt: STC). Diese Bewegung rief der ehemalige Gouverneur von Aden aus, nachdem er von Hadi abgesetzt wurde.

Sie stützt sich auch darauf, dass der Jemen ein Staat ist, von dem man häufig sagt, dass es nur eins gibt, was seine Bürger verbindet: Die Droge Kath, die ein Großteil der Männer dort täglich kaut. Der Südjemen, den die Separatisten wiederherstellen wollen, war von 1967 bis 1990 ein unabhängiger Staat, der sich im Kalten Krieg an die Seite der Sowjetunion geschlagen hatte. Vorher war er das britische Protektorat Aden, aus der den ursprünglichen Plänen der Kolonialmacht nach eigentlich eine den Vereinigten Arabischen Emiraten ähnliche "Föderation Südarabien" werden sollte.

Die Guerillagruppen, die 1967 die Macht übernahmen, entschieden sich stattdessen für den Namen Südjemen - was dazu beitrug, das ihre Nachfolger nach dem Ende der Geldflüsse aus dem Ostblock in einer Vereinigung mit dem nördlichen Nachbarn eine neue Existenzgrundlage suchten. Bereits vier Jahre später waren viele Südjemeniten mit dem, was dabei herauskam, so unzufrieden, dass sie eine erste militärische Wiederabspaltung versuchten (vgl. Südjemenitische Separatisten erobern halb Aden) (Peter Mühlbauer)

Anzeige