US Army lässt Microsoft Datenbrille mit Gesichtserkennung entwickeln

Soldaten trainieren mit dem Integrated Visual Augmentation System. Bild: DoD

In das Integrated Visual Augmentation System sollen möglichst alle verfügbaren visuellen Daten integriert, die Leistung der Soldaten überwacht und die Zielgenauigkeit optimiert werden

Das vor einem Jahr gegründete Army Futures Command will die US-Armee mit neuen Techniken ausstatten. Ende des Monats will es voll einsatzfähig sein und Entwicklungen und Anschaffungen außerhalb der üblichen Wege beschleunigen. Kritik kam aber schon vom GAO, dass nicht ausreichende kleine Firmen einbezogen werden. Es geht um KI-Anwendungen, autonome Fahrzeuge und Roboter, 3D-Drucker, neue Waffen, neue Raketen wie die Precision Strike Munitions, die mit angeblichen 499 km gerade noch eine INF-kompatible Reichweite haben sollen. Am Mittwoch stellte sich das Kommando mit seinen Projekten Pressevertretern vor.

Schon länger trainieren US-Soldaten in kleinen Einheiten mit einer neuen Brille für erweiterte Realität (augmented reality). Das auf der HoloLens-Technik Integrated Visual Augmentation System (IVAS) wird von Microsoft im Rahmen eines mit 480 Millionen US-Dollar ausgestatteten Programms entwickelt. Gegen das Vorhaben gab es Widerstand von einigen Microsoft-Mitarbeitern, die einen Protestbrief "HoloLens For Good, Not War" an das Management schrieben, aber nichts bewirkten.

Im Rahmen des Programms Next Generation Squad Weapon (NGSW), bei dem es um Ersatz des leichten Maschinengewehrs M249 und des Sturmgewehrs M4 Carbine geht, kam der Wunsch nach einem verbesserten Head-up-Display (HUD) auf, das als Brille getragen werden kann und mit einer Kamera und einem Minicomputer verbunden ist.

Die Brille, die fast alles können soll

Viel wird erwartet von der neuen Technik. Letztlich wird IVAS, das bis 2020 als Prototyp realisiert werden soll, möglichst viele Funktionen in ein Gerät integrieren, das mitsamt Brille, Batterien, Kamera, Sensoren etc. nicht mehr als 1 kg schwer sein soll. Jedes IVAS ist über Funk oder WLAN mit den Brillen der übrigen Soldaten der Einheit verbunden, bei Bedarf auch mit Cloud Computing. Die Soldaten sehen, wo sich die übrigen befinden, und können Gegner oder Objekte markieren. Es soll Nachtsicht und Wärmebild bieten und auch als Kompass und Navigationsgerät dienen. Und es lassen sich zum Trainieren Szenarien und Videos einfügen.

Letztlich sollen die Brillen mit Sensoren und KI auch die Soldaten und ihre Leistungsbereitschaft überwachen. So sollen Augenbewegungen, Pupillenerweiterung, Atmung, Mündungsrichtung und Reaktionszeiten registriert werden, um die Leistung der Einheit einschätzen und besser trainieren zu können: "Man hofft, mit der Messung des Verhaltens und biometrischer Daten Schwachstellen bei einzelnen zu identifizieren. Die KI soll mit der Zeit genügend Daten sammeln, um Ratschläge zur besten Formation einer Einheit, zu den benötigten Waffen und der Ausrüstung für eine bestimmte Mission zu geben", schreibt die Army Times.

Ganz wichtig ist der Army die Optimierung des Schießens. Dabei geht es nicht nur um bessere Zielerkennung, -markierung und -verfolgung, sondern es soll auch mit der Waffe um die Ecke und aus Verstecken gerichteten Waffe, aber mit geschütztem Körper oder durch Nebel bzw. Rauch geschossen werden können. Die Soldaten können durch das Schussrohr sehen. Überdies sollen die Entfernung zum Ziel, die Wetterbedingungen und die ballistischen Eigenschaften der Waffe und der Munition beim Zielen und Feuern einberechnet werden.

Gesichtserkennung und Bilder der "persönlichen Drohnen"

Wie Patrick Tucker berichtet, hoffen Armeeoffiziere auf eine Wundertechnik. Bei einer Vorführung der neuesten Version kündigte Leutnant Chris Schneider, der Projektmanager von IVAS, an, dass mit der Brille "sehr, sehr bald" auch Personen mittels Gesichtserkennung identifiziert würden. Wenn man nach Personen sucht und herumgeht, "wird es diese sehr schnell identifizieren". Überhaupt will man alle verfügbaren Sensordaten integrieren.

So sollen die Brillen auch die Bilder von Minidrohnen wie der Black Hornet sehen lassen, die als "persönliche Drohne" bezeichnet wird, weil jeder Soldat mit einer solchen ausgerüstet werden könnte. Es ist die bislang weltweit kleinste Überwachungsdrohne mit einem Gewicht von 32 Gramm, einer Länge von 16,8 cm und einem Rotor mit einem Durchmesser von 12,3 cm. Die Reichweite beträgt 3 km, die Flugdauer bis zu 25 Minuten und die Höchstgeschwindigkeit 21,5 km/h. Die Black Hornets sollen kaum hörbar und bei Windgeschwindigkeiten bis 20 Knoten (37 km/h) fliegen (Minidrohnen für das US-Militär im Kampfeinsatz).