US-Army sucht nach neuen Stützpunkten in Deutschland

Blackhawk-Hubschrauber bei Ankunft am 11. Februar in Bremerhaven. Bild: DoD

Für eine möglicherweise kommende permanente Stationierung von US-Truppen wurden bereits Kasernen in Niedersachsen inspiziert

Im Januar war noch nach einer Entscheidung unter der Präsidentschaft von Barack Obama eine Panzerbrigade der US-Army - nicht unter Nato-Kommando - im Rahmen von Atlantic Resolve über Deutschland nach Europa verlegt worden. Nach Angaben des Pentagon: 3.500 Soldaten, 87 Panzer, 18 Paladin-Panzerhaubitzen, 419 Humvees, 114 Schützenpanzer (446 Kettenfahrzeuge, 907 Reifenfahrzeuge, 650 Anhänger).

Seit Februar wird auch die 10th CAB nach Europa verlegt: 2.200 Soldaten für einen neunmonatigen Einsatz von Februar bis November 2017 mit 12 CH-47 Chinook-Transporthubschraubern und 38 UH-60 Black Hawks, 12 HH-60 Black Hawks (MEDEVAC) und 24 AH-64 Apache-Kampfhubschrauber. Der Großteil der Soldaten und der Hubschrauber operiert vom US-Stützpunkt Illesheim (Bayern) aus (Pentagon verstärkt militärische Präsenz im Rahmen der Operation Atlantic Resolve). Im Oktober 2016 war noch die größte Munitionslieferung seit dem Ende des Kalten Kriegs über Deutschland nach Europa verschifft worden.

Nach einer Meldung sucht die US-Army, nachdem mit dem Ende des Kalten Kriegs in Europa stationierte Streitkräfte abgezogen und die Truppenpräsenz verkleinert wurde, derzeit wieder nach weiteren Stützpunkten. Deutschland bleibt für das Pentagon zentral für Stationierung und als Drehscheibe für die Verlegung.

So hat ein Team der US-Army Europe zwei Stützpunkte in Norddeutschland besucht, wo es, wie es heißt, bislang noch keine Truppenpräsenz gibt. In einer Erklärung wird von der Möglichkeit einer "permanenten" Stationierung von zusätzlichen Soldaten in Deutschland gesprochen: "Zur Zeit wurden noch keine Entscheidungen getroffen. Wir befinden uns nur in vorausschauender Planung."

Gedacht ist an die Stationierung von bis zu 4.000 Soldaten, was in etwa der Stärke einer Brigade entspricht. Vermutlich würde es eine weitere Panzerbrigade. Da nach der Nato-Russland-Grundakte eine dauerhafte Stationierung von US-Truppen an der Nato-Ostgrenze nicht möglich ist, weswegen die dorthin verlegten Truppen rotieren, ist Deutschland aus Sicht des Pentagon ein guter Stationierungsort, von dem aus die Rotation der Truppen in Osteuropa und den baltischen Ländern erfolgt. Bislang sind zwei US-Brigaden in Europa stationiert, das 2nd Cavalry Regiment in Vilseck (Bayern) und die 173rd Airborne Brigade in Vicenza (Italien).


Inspiziert wurden mögliche Stützpunkte in den niedersächsischen Städtchen Fallingbostel und Bergen, in deren Nähe liegt der Nato-Truppenübungsplatz Bergen, mit einer Fläche von fast 25.000 Hektar einer der größten in Europa. Die beiden Orte, Fallingbostel war bis vor kurzem Garnisonsstadt für die britische Armee, die leerstehenden Gebäude wurden 2015 zur Flüchtlingsunterkunft genutzt, liegen logistisch günstig, nicht weit entfernt von Bremerhaven. Der Hafen ist ein logistischer Knoten für die US-Army, über den auch die Panzerbrigade von den USA nach Deutschland transportiert wurde, um dann von dort aus weiter verlegt zu werden.

Panzer als Hartziel auf dem Truppenübungsplatz Bergen. Bild: Minderbinder/CC BY-SA-3.0

Der Verteidigungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Deutschen Bundestag und bergische Wahlkreisabgeordnete, Henning Otte (MdB) bestätigt, dass die amerikanischen Streitkräfte "eine zusätzliche Stationierung von Landstreitkräften und ihren Familien in Deutschland" prüfen. Er wirbt für die Stationierung ("hervorragende Wohn- und Lebensmöglichkeiten für die Familien der Soldaten") und sagt, dass er seit längerer Zeit mit dem Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, General Ben Hodges, in Kontakt stünde.

Da das US-Militär auch andere Standorte prüfe, müsse man die "Strategieüberlegungen konstruktiv" begleiten. Er verweist darauf, dass 2015 bereits das niederländisch-deutsche Panzerbataillon 414 am Standort Lohheide bei Bergen stationiert wurde. Damit sei "ein Leuchtturmprojekt in Europa entstanden. Der Nato-Truppenübungsplatz Bergen kann sich als größter Übungsplatz in Westeuropa somit weiter entwickeln zu einem NATO-Training Center of Excellenz."

Es ist aber weiterhin noch nicht klar, wie die Trump-Regierung den Konflikt mit Russland und die Truppenpräsenz in Europa regeln wird. Atlantic Resolve und die Aufstockung der Gelder für die Truppenpräsenz in Europa war noch eine Entscheidung des Pentagon unter Barack Obama. Donald Trump hat angekündigt, die Verteidigungsausgaben um 10 Prozent erhöhen und auch das Atomwaffenarsenal ausbauen zu wollen, während er die Beziehungen zu Russland zu verbessern wollte und sich in Wahlkampfzeiten skeptisch über die Nato geäußert hat. Inzwischen haben einige seiner Minister, darunter Verteidigungsminister Mattis, ein Bekenntnis zur Nato abgelegt.

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