US-Außenministerium droht Ägypten mit Sanktionen beim Kauf von russischen Su-35

Su-35. Bild: Aleksandr Markin. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Das afrikanische Land scheint mit den 2015 bestellten französischen Rafale nicht vollumfänglich zufrieden zu sein

Auf der am Sonntag eröffneten Dubai-Airshow 2019 hat R. Clarke Cooper, der amerikanische Assistenzaußenminister für "politisch-militärische Angelegenheiten", öffentlich bestätigt, dass seine Regierung die ägyptische Staatsführung vor Sanktionen warnte, wenn diese ihre Luftstreitkräfte mit russischen Su-35-Kampfflugzeugen ausstattet. Zusätzlich würden sich die Ägypter dadurch dem "Risiko des Rückgangs zukünftiger Akquisitionen" aussetzen".

Medienberichte über die Bestellung von etwa zwei Dutzend Su-35 für insgesamt rund zwei Milliarden US-Dollar, auf die sich Cooper damit bezog, wurde bislang weder von ägyptischer noch von russischer Seite offiziell bestätigt. Inoffiziell begründeten Angehörige der ägyptischen Staatsverwaltung das Geschäft der New York Times gegenüber mit einem langen amerikanischen Schweigen zum von den Ägyptern geäußerten Wunsch nach amerikanischen F-35-Kampfflugzeugen und mit dem zeitweisen Stopp der amerikanischen Militärunterstützung nach der Absetzung des Moslembrüderpräsidenten Mohammed Mursi.

Rafale ohne SCALP-Marschflugkörper

Das Land, so die Zeitungsinformanten, brauche jedoch bessere Kampfflugzeuge zur Bekämpfung der Islamisten auf der Halbinsel Sinai (vgl. Sinai: Ägyptisches Militär meldet 47 tote Islamisten und 158 Festnahmen).

Mit den französischen Rafale, die das Land 2015 bestellte, scheint man Medienberichten nach nicht unbedingt vollumfänglich zufrieden zu sein (vgl. Später Erfolg für einen Ladenhüter). Anfang des Jahres stürzte eine davon genau am Tag des Staatsbesuchs des französischen Präsidenten ab, der dem afrikanischen Land eigentlich mehr davon verkaufen wollte. Noch schwerer wiegen könnte, dass die Amerikaner den Franzosen angeblich verboten, die exportierten Rafale mit SCALP-Marschflugkörpern auszustatten, was ihren militärischen Wert deutlich herabsetzen würde.

Afghanistanerfahrung

Außer den bislang neun gelieferten Rafale verfügen die ägyptischen Luftstreitkräfte vor allem über ältere Kampfflugzeuge: Bei den aktiven führt die amerikanische F-16 zahlenmäßig mit 186 Maschinen, bei den eingelagerten die alte russische MiG-21 mit 300. Von den chinesischen MiG-Adaptionen Chengdu F-7 sind 27 in Betrieb und 150 im Abstellhangar. Hinzu kommen 14 aktive und 35 eingelagerte amerikanische Phantom II.

Die Su-35, die außer Russland auch China und Indonesien einsetzen, wäre angesichts dieses Bestandes eine Modernisierung: Der seit zehn Jahren in Serie produzierte "Super Flanker" ist zwar kein Tarnkappenjet wie die F-35 oder die SU-57, aber eine Weiterentwicklung der spätsowjetischen Su-27 mit modernerem Radar und leistungsfähigeren Triebwerken. Besonders hilfreich für den Kampf gegen die Islamisten im Sinai könnte die weiterentwickelte Avionik sein, die man nach den russischen Erfahrungen in Afghanistan heraus für Einsätze gegen Bodenziele optimierte. Von denen können nun mehrere gleichzeitig verfolgt und bekämpft werden.

F-21 als Konkurrenzprodukt?

Lässt sich Ägypten diese Flugzeuge liefern, dann könnte das die US-Staatsführung als Verstoß gegen den 2017 verabschiedeten "Countering Americas Adversaries Through Sanctions Act" (CAATSA) gesehen werden. Mit diesem Gesetz versuchte man allerdings bereits Indien und die Türkei erfolglos vom Kauf russischer Waffensysteme abzuhalten (vgl. USA wollen Kauf russischer S-400-Luftabwehrsysteme durch Indien verhindern und Erdoğan droht USA mit Boeing-Boykott).

Dass die CAATSA-Drohungen an die Türkei und Indien ohne Wirkung blieben, könnte auch damit zu tun haben, dass sich die US-Staatsführung versöhnlicher gibt, wenn ein Land neben einem Interesse am Kauf von russischen auch eines am Kauf von neuen amerikanischen Waffen zeigt: Im Fall der Türkei ist das das Patriot-Raketenabwehrsystem, im Fall Indiens die F-16-Weiterentwicklung F-21, die Lockheed Martin im Februar auf der Aero India präsentierte. Sie könnte nicht nur Indien, sondern auch anderen Ländern, in die man keine F-35 liefern will, als amerikanisches Konkurrenzprodukt zu den Su-35 angeboten werden. (Peter Mühlbauer)