US-Außenpolitik: Doch Business as usual?

Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley. Screenshot, Youtube

Israel wird kein Blankoscheck für den Ausbau der Siedlungen im Westjordanland ausgestellt; agressive Aktionen Russlands werden verurteilt

Der neue SPD-Kanzlerkandidat Schulz zeigt sich im Spiegel-Interview entsetzt Trump spiele mit der Sicherheit der Welt. Jüngste Stellungnahmen der US-Regierung deuten allerdings darauf hin, dass sie sich auf einen ähnlichen Kurs einpendelt wie die alte: Israel wird kein Blankoscheck für den Ausbau der Siedlungen im Westjordanland ausgestellt, Russland wird wegen "aggressiver Aktionen" in der Ostukraine scharf verurteilt und Iran stehen neue Sanktionen bevor.

Vor wenigen Tagen haben Außenminister Tillerson und Verteidigungsminister Mattis ihre Posten bezogen, und mit dem jordanischen König Abdullah II wurde der erste Gast aus dem Nahen Osten angehört: Seither gibt es offizielle Äußerungen und Vorhaben, die am Kurs und den Ritualen der Vorgängerregierung anknüpfen. Von Disruption kann erstmal keine Rede sein.

Nach den Lautsprecheransagen Trumps und den lauten Gegenreaktionen bekommen Nuancen wieder Raum. So ist das Statement des Weißen Hauses zum geplanten Bau neuer Wohnungen und der Ausweitung bereits bestehender Siedlungen im Westjordanland zwar eine Zurechtweisung von israelischen Politikern wie Naftali Bennett, der sich in einer neuen Ära sieht und die Souveränität Israels auf das ganze Westjordanland ausdehnen will. Aber es enthält, anders als dies bei Obama der Fall war, zugleich Formulierungen, die eine grundlegende Sympathie für den Siedlungsbau bekunden.

"Wir sind nicht der Auffassung, dass die Existenz von Siedlungen ein Hindernis für den Frieden darstellt", ist in dem Statement zu lesen. Unter Obamas Präsidentschaft war das Einfrieren des Siedlungsbaus als Grundbedingung für den Friedensprozess, der ihm jedoch nicht glückte; die Siedlungen blieben ein fortdauernder Streitpunkt.

Die Regierung Trump will sich Handlungsspielraum bewahren: Die Ausweitung der Siedlungen über ihre gegenwärtigen Grenzen hinaus, sei "möglicherweise nicht hilfreich" angesichts des Ziels, Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu schließen.

Das ist diplomatisch, aber bestimmt formuliert. Netanjahu und Lieberman hatten ihn jüngster Zeit den Bau von 5.500 Wohnungen in umstrittenen Gebieten versprochen oder angekündigt, wohl im Vertrauen darauf, dass alles für eine Unterstützung der neuen US-Regierung spricht.

Doch hatte Trump schon kurz nach seinem Amtsantritt Netanjahu über Berater zu verstehen gegeben, dass er "keine voreiligen Kopfsprünge" wünscht (siehe dazu: "Israel first": Minister drängen auf Ausbau der Siedlungen). Die israelische Regierung solle sich mit neuen Ankündigungen zum Siedlungsbau gedulden, bis Trump und Netanjahu miteinander gesprochen haben. Das Treffen soll am 15. Februar stattfinden.

Obama und Netanjahu gingen schon bei ihrem ersten Treffen auf Konfrontationskurs. Das wird bei Trump höchstwahrscheinlich nicht der Fall sein. Allerdings kommen aus der US-Regierung Signale, dass man dort an der Zwei-Staaten-Lösung festhält und Trump unterscheidet sich in einem Ziel nicht von seinen Vorgängern. Wie so ziemlich alle US-Präsidenten der letzten Jahrzehnte will er einen Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern ausarbeiten und das funktioniert nicht, wenn nur eine Seite berücksichtigt oder überhaupt nur wahrgenommen wird.

Sehr wahrscheinlich hat das Treffen Trumps mit dem jordanischen König Abdullah II das Hinterland zum Friedensplan etwas ausgeleuchtet. Auch die USA unter Trump brauchen Partner unter den arabischen Staaten. Dass saudi-arabische Staatsbürger von der neuen Einreiseregelung zur Verhinderung der terroristischen Gefahr ausgenommen wurden, obwohl das Land hier eine eindeutige Vorgeschichte hat, war schon ein Zeichen dafür, dass Trump traditionelle Partner wichtig bleiben. Dazu zählt in jedem Fall auch Jordanien, Ägypten und die Golfstaaten.

Also musste Trumps Regierung zeigen, dass es die Siedlungspolitik Israels unter Kontrolle hat, ansonsten müssten sich die Regierungen in den genannten Ländern auf einigen Unmut unter den Stämmen und auf der Straße gefasst machen. Dazu kommt, dass Trump Unterstützung von arabischen Ländern nötig hat wegen seiner Äußerungen, die von vielen als anti-muslimisch verstanden werden. Damit zündelte er. Nun wird versucht, die Effekte unter Kontrolle zu bringen.

Der Spielraum eines US-Präsidenten sei nicht so groß, dass er eine "Kursänderung um 50° Grad" ("you can't turn 50 degrees") bewerkstelligen könne, sagte Obama in einem Interview 2015. Gesellschaften würden sich nicht so schnell ändern, das gilt auch für die Außenpolitik und für den US-Präsidenten Trump.

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