US-Botschafter Huntsman: Entlarvende Charakterisierung der US-Diplomatie

Übung der US-Flugzeugträgerverbände im Mittelmeer. Bild: US Navy

Während zwei US-Flugzeugträgerverbände im Mittelmeer üben, sprach Huntsman gegenüber Russland von "100.000 Tonnen internationaler Diplomatie"

Gerade findet im Mittelmeer eine gemeinsame Übung der amerikanischen Flugzeugträgerkampfgruppen (CSG) John C. Stennis Carrier und Abraham Lincoln statt. Seit 2016 sei dies wieder das erste Mal, dass sich zwei amerikanische Flugzeugträger zur selben Zeit im Mittelmeer befinden, hebt die Navy in einer Mitteilung hervor.

Es sei eine gute Gelegenheit für die Flugzeugträgerverbände zusammen mit wichtigen Alliierten und Partnern im Einsatzgebiet der Sechsten US-Flotte, die ihren Stützpunkt in Neapel hat. Man könne so, ließ Vizeadmiral Lisa Franchetti, die Kommandeurin der Sechsten Flotte, mitteilen, die "Flexibilität und Skalierbarkeit der Seestreitkräfte zur Bildung einer gemeinsamen Streitkraft" vorführen und gleichzeitig "unseren gepanzerten Einsatz für die Stabilität und Sicherheit der Region zeigen".

Mit den Alliierten und Partnern will man in einer "herausfordernden Umgebung" die kollektive Kampfbereitschaft und Interoperabilität verbessern. Die Show ist nach Franchetti erstmals an die ganze Welt gerichtet, schließlich soll damit sichergestellt werden, dass "unsere Streitkräfte besser vorbereitet sind, alle Missionen zu jeder Zeit und an jedem Ort auf der ganzen Welt auszuführen".

Montag und Dienstag hatte US-Botschafter für Russland, Jon Huntsman, den Marinestützpunkt in Neapel besucht, um mit Admiral James Foggo, Kommandeur der U.S. Naval Forces Europe-Africa (CNE-A), und mit Lisa Franchetti sowie anderen Offizieren die Lage im Mittelmeer zu diskutieren, wie es heißt. Dabei ging es natürlich um Russland und darum, "wie die US Navy mit Alliierten und Partnern" - das ist immer ganz wichtig, auch wenn sie nicht verraten werden - "daran arbeiten, die russische Aggression abzuwehren und das Engagement für die Region zu bekräftigen".

Man suche ja eigentlich nach besseren Beziehungen mit Russland, sagte Huntsman ausgerechnet angesichts der Marineübungen im Mittelmeer, "aber das nur geschehen, wenn Russland sein aggressives Verhalten beendet und Raum für einen produktiven Dialog schafft." Die militärische Präsenz der USA auf der ganzen Welt soll nach der Mitteilung der Navy die "gobalen Commons" vor der Bedrohung durch "große Machtkonkurrenten" schützen. Dann wird es ein bisschen genauerer: "Wenn erforderlich sollen diese Herausforderungen besiegt, das amerikanische Heimatland verteidigt und der ökonomische Wohlstand geschützt werden, indem die Arterien des Handels in den Ozeanen der Welt offen gehalten werden".

Verhandeln von der "Position der strategischen Stärke"

Foggo erklärte, die US Navy habe seit mehr als 200 Jahren zur Wahrung des Friedens und zum Schutz der nationalen Interessen und, natürlich, von dem der Alliierten und Partner beigetragen. Es sei entscheidend, "unseren zivilen Führern Optionen und die Möglichkeit zu verschaffen, von einer Position der strategischen Stärke aus zu verhandeln", auf Deutsch also: mit der Waffe in der Hand und mit Kriegsdrohung.

Dann wurde wieder auf Russland verwiesen, das während der letzten Jahre versucht habe, Grenzen durch Gewalt zu verändern, militärisch im Nordatlantik, im Schwarzen Meer und im östlichen Mittelmeer stark aufgerüstet habe, eine andauernde Aggression in Georgien, der Ukraine, im Asow-Meer und in Kaliningrad zeige mit Interventionen in Syrien, Libyen und Venezuela dieses Gebiete destabilisiere. Wenn es nicht so ernst wäre, müsste man über solche einseitigen Darstellungen schmunzeln, ebenso darüber, dass es nur um Abschreckung und Verteidigung, "um die Verhinderung und nicht die Provokation eines Konflikts."

Jon Huntsman, der US-Botschafter in Russland, in der Mitte mit Navy-Offizieren in Neapel. Bild: US Navy

Den Vogel schoss allerdings der Botschafter ab. Er sagte, als er mit Foggo am Dienstag die Flugzeugträgerverbände beobachtete: "Jeder der Flugzeugträger, der jetzt im Mittelmeer operiert, stellt 100.000 Tonnen internationaler Diplomatie dar." Und die Tonnen sind gegen Russland gerichtet: "Diese Schiffe stellen diplomatische Kommunikation und Dialog verbunden mit einer starken Verteidigung bereit und zeigen Russland, dass es, wenn es wirklich bessere Beziehungen mit den USA suchen will, seine destabilisierenden Aktivitäten auf der Welt beenden muss." (Florian Rötzer)

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