US-Botschafterin Nikki Haley: "Wir werden dieses Mal schlau sein"

Operation Dominic. Bild: US-Regierung

Donald Trump sieht seine Nordkorea-Politik als erfolgreich, die US-Gesundheitsbehörde CDC führt eine Unterrichtung über Vorkehrungen bei einem nuklearen Angriff durch

US-Präsident Donald Trump sagt, die jetzt eingeleitete Annäherung zwischen Nord- und Südkorea sei seiner Politik, also seinen Drohungen, Nordkorea auszulöschen, oder seinen Wortduellen mit Kim Jong-un zu verdanken. So hatte er kürzlich erklärt, sein roter Knopf auf seinem Schreibtisch sei größer als der von Kim Jong-un.

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Der Präsident, der sich selbst für ein Genie hält, betrachtet alles, was gerade gut läuft, als sein Verdienst. Er hatte auch schon angekündigt, er wisse, wie das Nordkorea-Problem zu lösen sei. Seine Vorgänger hätten es immer wieder vergeblich mit Reden versucht.

Am 4. Januar twitterte Trump, nachdem Kim Jong-un in seiner Neujahrsrede zwar weiter den USA drohte, aber das Gesprächsangebot Südkoreas annahm und sagte, nordkoreanische Sportler könnten an den Winterspielen in Pyeongchang teilnehmen, das sei letztlich ihm zu verdanken. Auch wenn alle gescheiterten "Experten" sich eingeschaltet hätten, glaube doch niemand, "dass genau jetzt Gespräche und Dialog zwischen Nord- und Südkorea beginnen, wenn ich nicht fest, stark und bereit gewesen wäre, unsere totale 'Macht' gegen Nordkorea einzusetzen. Dummköpfe, aber Gespräche sind etwas Gutes!"

Obgleich Kim Jung-un keineswegs Gespräche angeboten hat, drängelte sich nun Trump am Samstag vor und sagte, er sei "absolut" bereit, mit Kim Jong-un zu sprechen. Überdies hoffe er, dass Nord- und Südkorea diese Woche über mehr als die Teilnahme an den Winterspielen reden werden. In Nordkorea erwidert man dieses Zugehen nicht, sondern bleibt auf Distanz gegenüber den "imperialistischen, von den USA geführten Kräften".

Das Lob, das sich Trump zollt, richtet man in Pjöngjang natürlich auf die eigene Position der Härte und der nuklearen Aufrüstung: "Die von den USA geführte ungerechte internationale Ordnung ist nun durch unsere Republik erschüttert worden, die sich als neuer strategischer Staat gezeigt hat, der imstande ist, für das US-Territorium eine wirkliche nukleare Gefahr darzustellen."

Nikki Haley, die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen und als Scharfmacherin bekannt, versuchte allerdings Trumps Worte herunterzuspielen. Es habe keine Wende gegeben, Trump habe nur gesagt, es könne eine Zeit geben, um mit Nordkorea zu sprechen, aber davor müssten eine Menge Dinge geschehen. Das hatte Trump allerdings gerade nicht gesagt.

Nordkorea müsse zuerst, so Haley, die Tests beenden und bereit sein, über ein Verbot seiner Atomwaffen zu sprechen. Sie versprach, darin ihrem Chef ähnelnd, es besser zu machen, als es in den vergangenen 25 Jahren geschehen sei: "Wir werden dieses Mal schlau sein. Wir werden sicherstellen, dass alles, was geschieht, die USA sicherer machen, und wir werden sicherstellen, dass die Halbinsel von Atomwaffen befreit ist."

Es sei trotzdem eine "gefährliche Situation". Man dürfe Kim Jong-un nicht "so arrogant werden lassen, dass er nicht mehr realisiert, was geschehen könnte, wenn er einen Atomkrieg beginnt". Deswegen sei auch die Äußerung von Trump richtig gewesen, einen größeren roten Knopf als Kim Jong-un zu besitzen: "Wir wollen sie immer erinnern, dass wir euch zerstören können. Daher seid sehr vorsichtig und sorgfältig mit euren Worten und was ihr macht."

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Bei den Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die für den nationalen Gesundheitsschutz zuständig sind und die auch - ironisch? - über Vorkehrungen für eine Zombie-Apokalypse (Preparedness 101: Zombie Apocalypse) informiert, vertraut offenbar dem Frieden bzw. Donald Trumps Genie nicht. Die Gesundheitsbehörde kündigte für den 16. Januar eine Unterrichtung über die möglichen Vorkehrungen bei einer "atomaren Explosion" an. Vorausgeschickt wird, eine Atombombenexplosion sei unwahrscheinlich, aber sie würde verheerende Folgen haben: "Trotz der Angst, die von solch einem Ereignis ausgeht, können Planung und Vorbereitung Krankheit und Tode vermindern."

So würden die meisten Menschen nicht daran denken, dass der Aufenthalt an einem Ort für mindestens 24 Stunden Leben retten und die Aussetzung an die Strahlung reduzieren könne. Den Menschen soll beigebracht werden, so der Titel des Vortrags des stellvertretenden CDC-Direktors, sich auf das Undenkbare vorzubereiten.

Ein CDC-Sprecher sagte Scientific American, die Veranstaltung sei schon lange geplant gewesen, im Grunde angeblich seit April 2017, als CDC-Mitarbeiter an der Übung Operation Gotham Shield der Federal Emergency Management Agency (FEMA) teilgenommen haben. Die Teilnehmer hätten das Gefühl gehabt, es sei gut, die Vorbereitung mit Bundesstaaten und anderen Partnern zu diskutieren.

Dort war es um die Simulation einer Atombombe in einem Auto am Eingang zum Lincoln-Tunnel in New York City gegangen, deren Folge Hunderttausende von Toten und 1 Million Menschen gewesen seien, die vor dem Fallout flüchten. Man ging davon aus, dass Infrastruktur in einem Umkreis bis zu 5 km total zerstört sei. Bei einem "ground burst" sei der Fallout sehr viel stärker als bei einer Atombombe, die in der Luft explodiert.

Das Szenario war also noch ein Terroranschlag, keine nordkoreanische Atombombe, die mit einer Langstreckenrakete über den USA niedergeht. Die CDC versieht aber ihre Ankündigung mit einer Atombombenexplosion, also doch mit einer Anspielung auf die nordkoreanische Gefährdung. Letztlich aber scheint der Rat nicht mehr dahin zu gehen, sich wie im Kalten Krieg notfalls hinter einer Aktentasche vor der Strahlung zu schützen, sondern sich 24-48 Stunden in einem festen Gebäude aufzuhalten, bis die Strahlung abnimmt, und die Ausgabe von Mitteln wie Kaliumiodid (Iodtabletten) oder Berliner Blau. Aber die Veranstaltung ist kein herausragendes Ereignis, auf ähnliche Weise wird über Herzerkrankungen, Impfungen oder Hepatitis informiert. (Florian Rötzer)

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