US-Farmer setzten vermehrt auf Technologie, weil mexikanische Erntehelfer fehlen

Pellenc Leaf Remover. Bild: Vine Tech Equipment

Auch in Deutschland stieg nach der Einführung eines Mindestlohns der Automatisierungsdruck in der Landwirtschaft

Ein zentrales Wahlversprechen des neuen US-Präsidenten Donald Trump lautete, die illegale Einwanderung aus Mexiko einzudämmen. Ein wichtiger Pull-Faktor für diese Einwanderung war in der Vergangenheit die US-Landwirtschaft, vor allem in den an Mexiko angrenzenden Bundesstaaten wie Texas und Kalifornien. Farmer, die in diesen Bundesstaaten in den letzten Jahrzehnten auf billige Arbeitskräfte von jenseits der Grenze bauten, überdenken jetzt ihre Geschäftsmodelle.

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CBS zufolge begann die Verknappung an billigen landwirtschaftlichen Arbeitskräften schon vor Trumps Amtsübernahme: Dem an der University of California in Davis forschenden Agrarwissenschaftler Edward Taylor nach ging die Zahl mexikanischer Erntehelfer in seinem Bundesstaat bereits in den Vorjahren um jeweils etwa 150.000 zurück, was er sich damit erklärt, dass auch illegale Zuwanderer inzwischen besser ausgebildet sind und lieber weniger schwere Arbeiten verrichten, wenn diese zur Verfügung stehen.

Der Winzer Brad Goehring aus Lodi sagte dem Sender in einem Interview, inzwischen würden auch Zeitungsanzeigen in Mexiko, Krankenversicherungen und Löhne, die mit 22 Dollar sieben Dollar über dem kalifornischen Mindestlohn liegen, nicht mehr ausreichen, um genug Arbeitskräfte für die Ernte zu finden. Bieten sie mehr, lohnt sich das Geschäft nicht mehr. Amerikanische Arbeitslose geben Farmern wie Joe Del Bosque aus Los Banos nach bei Arbeiten wie der Melonenernte schnell auf, weil sie solche Tätigkeiten bei 36 Grad Hitze nicht gewohnt sind.

Einige Farmer wollen deshalb einem Bericht der Los Angeles Times nach ihre Betriebe aufgeben. Andere steigen von arbeitsintensiven Produkten wie Weintrauben auf weniger arbeitsintensive wie Mandeln um, die sich mit verhältnismäßig wenig Personalaufwand züchten und ernten lassen. Und wieder andere investieren in neue Technologien wie den Pellenc Leaf Remover, mit dem sich den Herstellerangaben nach bis zu 35 Arbeiter einsparen lassen.

Landwirtschaftliche Technologie ist noch lange nicht am Ende angelangt - vor allem nicht, was die Entwicklung von Agrarrobotern betrifft. Im Juli soll beispielsweise der Feldtest für einen Gurkenernter beginnen, der Gerhard Schreck vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) zufolge nicht zuletzt deshalb entwickelt wird, weil die Politik in Deutschland den Automatisierungsdruck durch die Einführung eines Mindestlohns erhöhte. In dem Gerät sollen Multispektralkameras Gurken von Blättern unterscheiden können (obwohl beide die gleiche Farbe haben) und Robotergreifern sagen, wo sie pflücken müssen.

Beim Unkrautjäten, einem anderen arbeitsintensiven Bereich, will Joris Ijsselmuiden von der Universität Wageningen mit seinem Drohenenschwarmprojekt SAGA (Swarm Robotics for Agricultural Applications) den Entwicklungen am Boden Konkurrenz machen (vgl. Autonomer Jäteroboter könnte Herbizide überflüssig machen). Um Unkrautbefall möglichst schnell und einfach zu entdecken, sollen sich die Drohnen daran orientieren, wie Bienen Blüten und Honigtau absondernde Blattläuse finden. Schädlingen wie den Bekreuzten Traubenwickler soll es mit Projekten wie GRAPE, dem "Ground Robot for vineyArd Monitoring and ProtEction", an den Kragen gehen - und im Boden angebrachte Sensoren könnten autonome Landwirtschaftsmaschinen künftig automatisch darüber informieren, wann gedüngt, bewässert oder mit Fungiziden behandelt werden muss (vgl. Intelligente Erde).

Technischen Fortschritte in der Landwirtschaft beschränken sich nicht nur auf die USA, Europa und Asien: Im kenianischen Nziu konnten die örtlichen Mangobauern ihre Profite um durchschnittlich 142 Prozent, steigern, nachdem sie solarbetriebene TechnoServe-Kühlhäuser aufstellten, die dafür sorgen, dass wegen Temperaturen von etwa 35 Grad nicht mehr die Hälfte ihrer Früchte verdirbt, bevor sie auf den Markt kommt. Nachts werden die Kühlaggregate mit einer Autobatterie versorgt, die sich tagsüber auflädt.

Noch mehr Potenzial hat eine Erfindung, die ein Forscherteam um die MIT-Ingenieurin Evelyn Wang und den Berkeley-Chemiker Omar Yaghi in der aktuellen Ausgabe von Science präsentiert: Eine metallisch-organische Verbindung (MOF), mit der sich bei einer Luftfeuchtigkeit von lediglich 20 Prozent, wie sie in Wüsten herrscht, innerhalb von zwölf Stunden 2,8 Liter Wasser aus der Luft extrahieren lassen, die man beispielsweise Pflanzen zuführen kann. An der Weiterentwicklung dieser Erfindung will sich unter anderem der BASF-Konzern beteiligen. (Peter Mühlbauer)

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