US-Firma "kümmert sich" um Ölförderung in Nordost-Syrien

Die Modernisierung der Ölanlagen im Nordosten Syriens ist notwendig, allein schon wegen der Umweltschäden. Ob eine US-Firma mit einem Ex-Delta-Force-Kämpfer an der Spitze die richtige Adresse für Umweltschutz ist? Tiefpumpe auf dem Ölfeld Rumeilan. Archivbild: Aram33/gemeinfrei

Vereinbarung zwischen der SDF und US-Ölunternehmen wird von Pompeo und Weißem Haus unterstützt. Update: Führung der Firma hat enge Verbindungen zu Militärs: "Uns gehört der Osten Syriens"

Eine US-Ölfirma soll die Ölförderung im Nordosten Syriens modernisieren und vermarkten. Bestätigt wird diese ungewöhnliche Nachricht von US-Außenminister Pompeo. Er unterstütze einen solchen Deal, sagte er vor einem Senatsausschuss über auswärtige Beziehungen aus. Die Vereinbarung habe "nur etwas länger gedauert, als wir hofften, aber jetzt sind wir dabei, ihn umzusetzen."

Pompeo beantwortete eine Frage des Senators Lindsay Graham (Zeit 2:48:29), der wissen wollte, ob er einen Deal unterstütze, den SDF-Kommandant Maslum Kobani mit einer US-Firma geschlossen habe. Der Außenminister bejahte.

Mehr "Punishment"

Bezeichnenderweise kam die Frage, nachdem sich der republikanische Senator beim Chef der US-Außenpolitik für die Caesar-Act-Sanktionen bedankt hatte, weil dies "das Regime in Syrien bestraft"- dass die syrische Führung darunter wenig oder nicht leidet, dagegen die Bevölkerung arg, kümmerte Lindsay nicht. Er wollte lediglich wissen, ob es noch mehr von diesem Punishment geben werde. "Yes", sagte Pompeo.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad wird über die Vereinbarung zwischen den SDF und der US-Firma wenig erfreut sein. Die USA stehlen syrisches Öl, sagte er bereits vor Monaten. Mit der Abmachung wird das noch deutlicher. Sie betrifft das Rumeilan-Ölfeld im Gouvernement al-Hasakah. Es zählt zu den größten im Land und steht unter Kontrolle der kurdischen Selbstverwaltung im Schutz der US-Truppen - etwa 500 Mann, die, wie es Trump im letzten Jahr formulierte, darauf aufpassen sollen, dass "wir das Öl behalten".

"Ökologische Zeitbombe"

Für die Kurden in Rojava ist es die größte Einnahmequelle, verkauft wird es in die Türkei, an die autonome kurdische Regierung im Nordirak wie auch an die syrische Regierung. Die Anlagen zur Förderung, besonders zur Raffinierung, ebenso die Leitungen sind marode, veraltetet oder leck. Die improvisierten Anlagen zur Raffination verpesten die Luft und machen Bewohner krank, aus den löchrigen Leitungen mäandert seit Jahren ein giftiger Öl-Fluss - "A River of Death durch ein weiträumiges Gebiet (siehe Nordost-Syrien: Ölkatastrophe unter US-Aufsicht).

Auch der russische Un-Botschafter Wassili Alexejewitsch Nebensja bezeichnete dies als "ökologische Zeitbombe" für Syrien und den Irak. In seinem Schreiben vom 29. Juli. erwähnt er 50.000 Fass Röhol, die auf diese Weise die Umwelt verschmutzen und den Euphrat vergiften. Ob Nebensja da schon von der Vereinbarung zwischen den SDF und der US-Ölfirma wusste?

Russland und die Türkei angeblich informiert

Zu den bemerkenswerten Nachrichten des al-Monitors-Berichts über den Deal zwischen einer US-Ölfirma und den syrischen Kurden gehört, dass die Türkei und Russland informiert worden seien. Ankara habe "nicht negativ reagiert"; aus Russland gab es offenbar keinen Kommentar. Es zeige sich lediglich, dass die anderen großen Ölfelder Syriens, bei Deir ez-Zor, vom Deal ausgeschlossen seien. Diese stehen angeblich unter Kontrolle russischer Kräfte.

Der al-Monitor-Bericht stammt von Amberin Zaman, die gut vernetzt ist und über sehr gute Verbindungen zum SDF-Kommandanten Maslum Kobani verfügt, der bei dem Deal laut Senator Lindsay Graham offenbar eine wichtige Rolle innehatte.

Zaman berichtet von mehreren ungenannten "gut platzierten Quellen". Diese sagten ihr, dass die Vereinbarung bereits letzte Woche unterzeichnet wurde ("inked") - "mit dem Wissen und der Ermunterung des Weißen Hauses". Also wurde er kräftig vom Kreis um Präsident Trump und möglicherweise auch von ihm angeschoben und - wenn denn die Quellen so gut platziert und eingeweiht sind, dass sie das wissen, begleitet von einer Information an Russland.

Wenig bekannte Firma

Die Journalistin nennt auch den Namen der US-Ölfirma: Delta Crescent Energy LLC, mit Sitz in Delaware. Über diese Firma ist bislang nicht sehr viel herauszufinden. Außer dass sie "schon lang im Gespräch war". Auch die türkische Journalistin erhielt von ihren Quellen nicht viel Infos - außer, man höre und staune, dass sie eine OFAC Genehmigung bekommen habe und mithin nicht gegen das Sanktionsregime der USA verstößt.

[Update: Interessant an der Firma sind die Brücken zwischen Militär und Ölgeschäft. Der Iraq Oil Report erwähnt drei Männer aus der Führung von Delta Crescent: John Dorrier, Jim Reese und James Cain. Jim Reese, eine "Legende" der US-Elite-Einheit Delta Force, erzählte dem Washington Examiner schon im Oktober vergangenen Jahres von dem Plan zum Deal und den ersten Schritten zur Umsetzung. Reese, dessen Sicherheitsfirma TigerSwan mit militärischen Methoden gegen Protestierer der Dakota Access Pipeline vorgegangen ist, ist laut einem Fox-News-Interview von 2018 davon überzeugt, dass "uns (den USA, Einf. d. A.) der ganze Osten Syriens gehört". Man müsse schneller sein als Russland, so seine Überzeugung. Und: Über seinen Plan sagte Reese im Oktober letzten Jahres: "Er schließt notwendigerweise Bashar al-Assad aus."]

Die Rechte der syrischen Regierung, die legaler Souverän über dieses Territorium ist, werden gar nicht erwähnt.

Die US-Firma soll das Öl vermarkten, die Ölförderung verbessern und modernisieren. Die gut platzieren Quellen wussten weiter zu berichten, dass die US-Regierung der kurdischen Selbstverwaltung zwei mobile Raffinerien zur Verfügung stellen werde, diese aber nur 20 Prozent des Bedarfs an Raffination erfüllen würden.

Offen bleibt, ob die Modernisierung die Umweltschäden in den Griff bekommt. Skepsis über das US-Engagement ist hier angebracht. Da ist man vor allem business-interessiert und weniger an Umwelt, gerade in der Trump-Administration schert man sich wenig oder gar nicht um Umweltverschmutzung, wenn es ums Ölgeschäft geht.

Politisch toxisch

Politisch ist die Vereinbarung toxisch, da sie erneut demonstriert, wie wenig sich die US um international gültige Vereinbarungen wie Souveränitätsrechte schert. Und sie bleibt es, solange es keine zusätzliche Vereinbarung zwischen den SDF und der syrischen Regierung dazu gibt - was im Augenblick nicht sehr wahrscheinlich ist. So hängt alles davon ab, wie sich die USA in Syrien positionieren. Derzeit geht es ihnen hauptsächlich darum, die syrische Führung in die Knie zu zwingen, dem übergeordnet ist der US-Konflikt mit Iran. Pompeo ist ein Anti-Iran-Hardliner.

Allem Anschein nach würde sich daran nichts Grundsätzliches ändern, wenn Biden im November zum neuen US-Präsidenten gewählt wird. Für die Kurden und ihr Projekt Rojava bringt der Deal mit der US-Ölfirma Vorteile bei der Ölförderung, aber er verstärkt auch die Abhängigkeit von den USA. Möglicherweise sieht SDF-Kommandant Maslum Kobani in der Vereinbarung auch ein Pfand dafür, dass die US-Truppen noch lange in Nordostsyrien bleiben. (Thomas Pany)