US-Handelskonflikte: Verschärfung mit China, Entspannung mit EU

Amerikanische Steaks. Foto: US-Botschaft Berlin.

Während Peking den Yuan abwerten lässt, um Zölle zu kontern, richtet Brüssel ein zollfreies Importkontingent für US-amerikanisches Rindfleisch ein

Als US-Präsident Donald Trump Ende letzter Woche neue zehnprozentige Zölle auf chinesische Importe im Wert von 300 Milliarden US-Dollar verkündete, drohte das chinesische Handelsministerium "notwendige Gegenmaßnahmen" an (vgl. Handelsstreit USA-China: Neue Zölle ab September. Gestern wurde bekannt, um was es sich dabei konkret handelt: Um eine Abwertung der chinesischen Währung Yuan.

Diese Abwertung hat zur Folge, dass chinesische Exporte in die USA potenziell billiger werden. Dadurch setzt die chinesische Notenbank die von der US-Staatsführung erwünschte Wirkung der neuen Zölle ganz oder teilweise außer Kraft. Eine amerikanische Gegenreaktion ist deshalb wahrscheinlich und wurde von Donald Trump bereits in Aussicht gestellt: Ein weiteres Hinaufschrauben der Zölle auf 25 Prozent "oder mehr".

Medienberichten nach hat die Staatsführung der Volksrepublik außer mit der Abwertung ihrer Währung auch mit einer Rücknahme des Drucks reagiert, mehr landwirtschaftliche Produkte aus den USA zu importieren. Kurz vor Trumps Zollerhöhung hatte sie noch verlautbart, chinesische Staatsunternehmen und private Firmen würden seit dem 19. Juli mit amerikanischen Anbietern über die Abnahme von Soja, Hirse, Schweinefleisch, Baumwolle und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse verhandeln.

Mehr US-Rindfleisch, weniger aus Argentinien, Uruguay und Brasilien

Eines dieser landwirtschaftlichen Erzeugnisse - amerikanisches Rindfleisch - soll nun vermehrt in den Mitgliedsländern der Europäischen Union verkauft werden. US-Präsident Donald Trump akzeptierte nämlich am Freitag offiziell ein Angebot, die eine ungefähre Verdreifachung der Menge an Rindfleisch vorsieht, die amerikanische Hersteller und Händler in die EU ausführen dürfen, ohne dafür Zoll zahlen zu müssen. Dafür wird das europäische Importkontingent in Höhe von 45.000 Tonnen ohne Hormoneinsatz produziertes Rindfleisch im Jahr nicht vergrößert, sondern aufgeteilt. Während sich der amerikanische Anteil davon auf 35.000 Tonnen steigert, sinkt der von Argentinien, Uruguay, Brasilien und anderen Ländern auf zusammengerechnet 10.000 Tonnen.

Diese Länder hatten aufgrund ihrer niedrigen Produktionskosten bei der Rinderzucht ohne Hormoneinsatz in den letzten zehn Jahren von einem Kompromiss profitiert, auf den sich Brüssel und Washington nach einem vorangehenden gut zwanzigjährigen Streit geeinigt hatten. Ausgelöst worden war er von der EU, die 1988 die Einfuhr von unter Einsatz von Wachstumshormonen erzeugtem Rindfleisch verbot, worauf hin die Welthandelsorganisation WHO den Amerikanern 1999 als Gegenmaßnahme Zölle auf landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der EU erlaubte.

Nicht wegen des Geschmacks, sondern wegen der Drohung mit Autozöllen

US-Präsident Donald Trump lobte die Importkontingentsteigerung nicht nur als "bedeutenden Erfolg" für amerikanische Rancher, sondern auch für europäische Konsumenten, die nun Gelegenheit hätten, günstiger an ein Rindfleisch zu kommen, das seinen Worten nach "als das beste der Welt angesehen wird". Das man dieser Sichtweise in Sozialen Medien widersprach, ist wenig überraschend. Japanisches Kobe-Rindfleisch, das erst seit Juli 2014 in die EU eingeführt wird, kostet beispielseise nicht nur deutlich mehr als amerikanisches, sondern wird auch sehr viel aufwendiger produziert. Bis zur Schlachtreife gibt man Kobe-Rindern etwa drei Mal so viel Fleischaufbauzeit wie herkömmlichen. Dass hinter der zarten Marmorierung vor allem Bier, Sake und regelmäßige Massagen stecken würden, ist jedoch übertrieben.

Schlecht schmeckt allerdings auch US-amerikanisches Rindfleisch nicht. Im Gegenteil. Dass sich Brüssel nun bereit erklärte, das zollfreie Importvolumen dafür zu vergrößern, liegt aber nicht daran, sondern an der Tatsache, dass Trump angedroht hat, die US-Importzölle für europäische Automobile zu erhöhen. Sie liegen derzeit mit zweieinhalb Prozent siebeneinhalb Punkte unterhalb ihrer europäischen Äquivalente für US-Automobile. Eine Erhöhung dieser Zölle ist dem US-Präsidenten zufolge allerdings nur vorerst, und nicht endgültig vom Tisch. Die EU hat seinen Worten nach nämlich "enorme Barrieren" für US-Produzenten aufgebaut - und mit dem Rindfleischkontingent sei "nur die erste Barriere durchbrochen".

Erhöht Trump die Einfuhrzölle für Automobile auf die europäischen zehn oder vielleicht sogar auf die von ihm angedrohten 25 Prozent, wäre das vor allem für die schon jetzt nur mehr minimal wachsende deutsche Wirtschaft ein potenzielles Problem. Bernd Osterloh, der Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG, warnte in diesem Zusammenhang im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) davor, dass viele der zahlreichen Autozulieferer Arbeitsplätze streichen oder sogar schließen könnten. Vor allem bei den kleineren Unternehmen sieht es seinem Kenntnisstand nach "teilweise dramatisch aus".