US-Heimatschutzministerium setzt auf "Gehirnmusik"

Spielt man einem Gehirn den eigenen Soundtrack in einem Neurofeedback zu, so lässt sich die Leistung des Menschen verbessern, glaubt man bei den Heimatschützern

Musik kann ein mächtiges Instrument sein, um Gefühle und Stimmungen zu beeinflussen oder auch, wie die USA unter Bush gelehrt haben, Menschen zu foltern. Gezielt wird dahin plätschernde, aber gezielt aufbereitete Musik – Muzak und Co. - in Kaufhäusern oder Einkaufszentren eingesetzt, um die Stimmung der Kunden aufzuhellen und sie kauffreudiger zu machen, andere Geschäfte, Restaurants, Kneipen etc. setzen eher auf bestimmte Szenemusik, im öffentlichen Raum wird Musik auch zur Beruhigung und Aggressionsreduzierung eingesetzt. Aber die Menschen hüllen sich auch selbst mehr und mehr mit Musik ein und tauchen in eine akustische Glocke, wenn sie alleine sind und mit ihr die Umwelt gewissermaßen einfärben und erträglicher machen. Nun will auch das US-Heimatschutzministerium Musik einsetzen, um die Leistung der Mitarbeiter zu verbessern.

"Jedes Gehirn hat einen Soundtrack", schreibt die Wissenschafts- und Technikabteilung des Ministeriums in einer Mitteilung. Mit den individuellen "Gehirnmelodien" soll in Notfällen die Reaktion der Polizisten, Feuerwehrleute oder anderer Mitarbeiter wie dem Sicherheitspersonal an Flughäfen verbessert werden, schließlich seien Gehirne leistungsfähige Instrumente, wenn man sie mit der Musik bespielt, die sie selbst geschaffen haben. Es sei wichtig, den Mitarbeitern, die bei den Einsätzen unter hohem Stress stünden, zu helfen, toppräsent zu sein, wenn sie arbeiten, und entspannen zu können, wenn sie Freizeit haben, meint Robert Burns vom Heimatschutzministerium DHS.

Brain Music. Bild: DHS

Da jedes Gehirn individuell ist, spricht es auf andere Musik, Tonlagen und Tempi an. Würde man den individuellen Soundtrack finden und mit diesem das Gehirn stimulieren, so die Hypothese, könne man die Menschen reaktionsschneller machen oder sie auch besser beruhigen, Schlaflosigkeit oder Kopfweh behandeln. Musik also als Allzweckmedikament.

Das Geheimnis scheint für die Wissenschaftler des Ministeriums in der Feedbackschleife zu liegen, die offenbar wünschenswerte Eigenschaften verstärkt. Zumindest hat man dort erkannt, dass der Einfluss der Musik auf die kognitive Entwicklung, das Lernen und das emotionale Wohlbefinden zu einem neuen Forschungsfeld geworden sei. Da will man auch mitmachen und hat nun eine Untersuchung über das musikalische "Neurotraining" im Rahmen des Readiness Optimization Program (ROP), das auch eine Ernährungskomponente hat, mit "Gehirnmusik" begonnen.

Bild: DHS

Aus den Gehirnwellen eines Menschen wird mittels der Technik von Human Bionics Musik erzeugt, die diesem dann wieder zugespielt wird. Nach der Beschreibung werden jeweils zwei "Kompositionen" für Entspannung und erhöhte Aufmerksamkeit hergestellt, die natürliche Reaktionen des Körpers auslösen können. Die jeweils 2-6 Minuten langen Stücke werden von einem Instrument gesielt. Die beruhigende Musik gleiche, so Burns, etwa einer melodischen Chopin-Sonate, während zur Aufmerksamkeitssteigerung oder Wachheit eher etwas Mozart-Ähnliches (Beispiel (MP3) dient.

Die Versuchspersonen, deren "Gehirnmusik" aus ihren Gehirnwellen umgesetzt wurde, müssen dann regelmäßig und auf ihre Arbeit und Bedürfnisse zugeschnitten diese Musik auch wieder hören. Das soll sie wohl irgendwie einstimmen, später könnten sie die Musik dann auch unregelmäßiger hören. Das ziemlich obskur, nach technisch-neurowissenschaftlichem Hokuspokus oder altem New Age klingende Programm soll dann entweder "Produktivität und Energie" steigern oder natürliche Reaktionen auf Stress stimulieren. Feuerwehrleute sollen die ersten sein, die an diesem Programm teilnehmen dürfen oder müssen.

Zusammen mit dem gesünderen Essen soll nicht nur die Leistung gesteigert, sondern auch das ganze Leben der derart durch Eigenmusik Behandelten verbessert werden. Die Idee dazu scheint vom alten Feind aus der Zeit des Kalten Kriegs zu stammen, denn Human Bionics benutzt für seine Technik des Neurofeedback zur Beeinflussung physiologischer Zustände ein Patent der Moskauer Universität. Aber im Heimatschutzministerium erinnert man sich auch an einen Satz des Philosophen John Lock, den das Programm der "Gehirnmusik" nachkommen soll: "A sound mind in a sound body, is a short, but full description of a happy state in this World." Sound heißt hier eben nicht nur gesund, sondern auch tönend. (Florian Rötzer)

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