US-Panzerbrigade mit logistischen Problemen von Bremerhaven nach Polen gebracht

Kurz vor Amtsantritt von Trump wurde auch zur Demonstration einer schnellen transatlantischen Truppenverstärkung noch schnell eine Brigade zum Schutz gegen die beschworene russische Aggression nach Europa verlegt

In der Ungewissheit über Trumps Außenpolitik hatte die Obama-Regierung auch militärpolitisch im Oktober 2016 mit der größten Munitionslieferung seit dem Kalten Krieg in Form von 620 Containern und der Entsendung einer zusätzlichen Panzerbrigade mit 3500 Mann und schwerem Gerät nach Osteuropa noch ein Zeichen gesetzt.

Die Verstärkung, die als größte Truppenverlegung seit dem Kalten Krieg gilt, sollte im Rahmen der Operation Atlantic Resolve den osteuropäischen und baltischen Staaten signalisieren, dass die USA zu der Nato-Verpflichtung steht, aber auch Russland gegenüber demonstrieren, dass trotz möglicher Veränderungen der amerikanisch-russischen Beziehungen mit Trump die "kollektive Sicherheit" bestehen bleibt und mit der Militärpräsenz und den Militärübungen der Machtkonflikt aufrechterhalten werden soll (Pentagon stockt Truppen in Europa auf). Zuvor war das Pentagonbudget für die European Reassurance Initiative (ERI) noch schnell vor der Wahl auf 3,4 Milliarden US-Dollar erhöht und damit vervierfacht worden.

Die Verlegung der Brigade, die erste Division kam Anfang Januar über Bremerhaven nach Europa, hat noch einmal gezeigt, dass Deutschland eine zentrale Drehscheibe für das US-Militär bleibt, war schließlich auch als provokatives Muskelspielen gedacht, da auch Russland an seine Westgrenze starke Truppeneinheiten verlegt hat. Moskau reagierte erwartbar auf die Ankunft der Panzerbrigade, die als Bedrohung der nationalen Sicherheit von Kreml-Sprecher Peskow gewertet wurde.

Besonders hob er hervor, dass die Bedrohung auch deswegen ernst genommen werde, weil ein nicht-europäischer Staat Truppen an die europäische Grenze von Russland verlegt. Russland führte letzte Woche große Militärübungen mit Panzereinheiten im Westen des Landes durch. Im Westen sollen auch mehr S-400-Raketenabwehrsysteme stationiert werden. Die strategischen Streitkräfte werden, parallel zur amerikanischen Modernisierung der Atomwaffen, mit neuen Raketen ausgestattet.

Paladin-Panzerhaubitze bei Ankunft in Bremerhaven am 7. Januar. Bild: DoD

Trump selbst wird kaum schnell Truppen in größerem Umfang wieder abziehen können, zumal sein Verteidigungsminister Mattis immer wieder die Bedeutung der Nato hervorgehoben hat, die Verpflichtungen seien unerschütterbar, die transatlantische Sicherheit von entscheidender Bedeutung. Russland und China wurden von ihm als Bedrohungen bezeichnet.

Das Pentagon wollte mit der Verlegung von 3500 Soldaten und 2700 Fahrzeugen und Container, darunter 87 Abrams- und 144-Bradley-Panzern, auch demonstrieren, dass man in der Lage ist, schnell die Truppen in Europa zu verstärken, sollte es zu einem militärischen Konflikt mit Russland kommen. Aber man traf, wie das Wall Street Journal schreibt, mit der "Iron Brigade" auf unerwartete Schwierigkeiten. Von Bremerhaven sollen Fahrzeuge und die Ausrüstung mit der Bundesbahn, in Konvois und mit Frachtschiffen zunächst nach Polen gebracht werden, um dann, sobald sie Kampfbereitschaft erreicht haben, auf sieben Länder verteilt zu werden. Alle neun Monate werden die Soldaten rotieren, um so das Abkommen mit Russland, keine dauerhafte Truppen in Osteuropa zu stationieren, zu umgehen.

Ankunft der Panzer in Polen. Bild: DoD

Aber Teile des Truppenverbands verbleiben auch in Deutschland. Eine Einheit der Kampfbrigade soll auch nach Grafenwöhr verlegt werden. Zudem kündigt das Pentagon an, eine Luftkampfbrigade zur Unterstützung der Operation Atlantic Resolve und anderer Unternehmungen in Illesheim zu stationieren. Von dort aus sollen dann Kampfhubschrauber wie Chinooks oder Blackhawks nach Lettland, Rumänien und Polen verlegt werden, "um die Fähigkeit der Allianz zu verstärken, Aggression abzuwehren". Die Kommandozentrale für die rotierenden US-Truppen befindet sich ebenfalls in Deutschland, nämlich in Baumholder, Rheinland-Pfalz. Überdies werden in Miesau und Dülmen Waffen in den so genannten APS gelagert und für Übungen und Einsätze vorrätig gehalten.

Am 9. Januar trafen nach einer dreitägigen Fahrt die ersten Fahrzeuge, so die US-Army, auf einem Zug in Drawsko Pomorskie und später in Zagan, Polen, ein. Es seien, so hieß es, die ersten Militärfahrzeuge der USA in Polen. Die Soldaten wurden eingeflogen.

Es geht darum, so das US-Militär, zu demonstrieren, dass Soldaten und mehr als 2000 Ausrüstungsteile aus Fort Carson in Colorado nach Polen verlegt werden und dort schnell die Ausrüstung kampfbereit machen können, "um die Aggression des Gegners abzuwehren". Jedes Bataillon habe sich zwei Tage am Bahnhof befunden: "Es ging ziemlich schnell", sagte Capt. Brian Lee, der Kommandeur vom 1st Bn., 68th Ar. Regt. "Die ganze Brigade wurde in zwei Wochen auf einen Zug verladen."

Auch Lt. Col. Stephen Capehart, Kommandeur der 4th Infantry Division des 1st Battalion, erklärte am 16. Januar stolz, dass man innerhalb von 10 Tagen bereits mit dem Scharfschießen begonnen habe. Und hingewiesen wird am 24. Januar auf die Bedeutung der Logistik für die schnelle Versorgung und den gewünschten Nachschub.

Ein anderes Bild wird vom Wall Street Journal gemalt. So würden noch immer 5 schwere Fahrzeuge in Bremerhaven stehen, während die Army überlege, wie sie nach Polen transportiert werden könnten. Auch andere Schwierigkeiten würden die logistischen Schwierigkeiten in der Kooperation mit den Alliierten zeigen. Ein Problem scheint vor allem fehlende Information über Infrastruktur in den europäischen Ländern zu sein. Aber es sind auch Panzer mit leeren Batterien angekommen, weil vergessen wurde, die elektronischen Systeme abzustellen. Manche waren auch nicht vollgetankt, man darf annehmen, dass die Tanks praktisch leer waren.

"Now you see them, and now you don't. Concealing 28-ton fighting vehicles and tanks in any type of terrain takes a high level of skill." Bradley-Kampfpanzer der "Iron Brigade" in Polen. Bild: DoD

Generalleutnant Ben Hodges, der Kommandeur der Army in Europa, sagte auf einer Konferenz in London, man habe zu wenige Informationen über die Infrastruktur in den Ländern, die einst Teil des Ostblocks waren. Das könnte schwierig werden, wenn die Panzer von Polen weiter in Staaten des einstigen Warschauer Pakts verlegt werden soll, die jetzt zur Nato gehören. Die Wissenslücken müsse man schließen, um schnell Truppen in Europa verstärken und dirigieren zu können, wie das im Kalten Krieg möglich gewesen sei.

Überdies wolle die Army bessere Aufklärung über russische Truppenbewegungen. Seit dem Ende des Kalten Kriegs sei es keine Priorität mehr gewesen, "die russischen Kasernen und das Zusammenstellen von Eisenbahnwaggons zu beobachten". Jetzt offenbar schon. Er zeigte sich allerdings zufrieden, dass trotz einiger Probleme, die nicht näher genannt werden, die Truppen zwei Wochen nach der Landung kampfbereit gewesen seien. (Florian Rötzer)

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