US-Regierung: Kim Jong-un "bettelt um Krieg"

Kim Jong-un schafft es immer wieder, die Welt auf Nordkorea aufmerksam zu machen.

Vermutlich erhöht Washington nach dem Atomwaffentest die Drohkulisse, um schärfere Sanktionen durchzusetzen, auch Handelspartner, allen voran China, sollen mit Sanktionen belegt werden

Man könnte meinen, die Südkoreaner würden in Angst angesichts des Getöses um sie herum über Drohungen mit militärischer Gewalt oder den Einsatz von Atomwaffen erstarren. Nicht nur Kim Jong-un droht mit Atomwaffen, auch Donald Trump setzt auf Gewaltdrohung, wenn er etwa sagt, die Waffen seien "geladen und gesichert". Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet allerdings, dass die meisten Menschen ruhig bleiben. Sie seien, so die Erklärung, seit vielen Jahrzehnten an Kriegsdrohungen und Provokationen gewohnt, das werde zu einer Art Hintergrundgeräusch - da zumindest bislang nichts passiert ist.

Diese Ruhe stört offensichtlich US-Präsident Donald Trump, der von Kim Jong-un von Beginn an herausgefordert wurde und sich in das Spiel mit den Drohungen schnell hereinziehen hat lassen. Eigene politische Ideen zur Lösung der Krise scheint er nicht zu haben, er setzt auf militärische Drohungen und schickt auch schon mal seine Armada mit den wunderschönen Atomwaffen. Auch Verteidigungsminister legte nach dem Atomwaffentest noch eine schärfere Warnung nach. Jede Bedrohung der USA, auch von Guam, ziehe eine "massive, effektive und überwältigende militärische Reaktion" nach sich: "Wir sind nicht auf die totale Vernichtung eines Landes, also jetzt von Nordkorea, aus, aber wir haben, wie ich sagte, viele Optionen."

Die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, trommelt kräftig mit und sagte gestern, Kim Jong-un würde "um einen Krieg betteln". Jetzt sei es genug, sagte sie, die Zeit für halbe Maßnahmen seitens des Sicherheitsrats sei vorbei. Da könnte man auch fast vermuten, der Trump-Regierung käme ein solcher auch ganz recht, dann könnte man die innenpolitischen Probleme wohl erst einmal beiseiteschieben.

Ausgerechnet jetzt will Trump das Freihandelsabkommen mit Südkorea in Frage stellen

Zunächst hoffte Trump, dass China für ihn den Konflikt löst. Das aber will die Situation trotz Verärgerung über die andauernde Verletzung der Sanktionen stabil halten und fürchtet einen Zusammenbruch des Regimes. Zudem sieht man in China die USA in der Hauptverantwortung, schließlich besteht die primäre Forderung Nordkoreas im Abzug der militärischen Präsenz aus und um Südkorea.

Nach dem sechsten Atomwaffentest, der eigentlich eine rote Linie Trumps überschreiten müsste, schießt Trump nun auch gegen Südkorea. Die neue Regierung will sich nicht wie die abgewählte konservative an die amerikanische Politik der Aufrüstung und Drohungen ausrichten, sondern ist bestrebt, eine Annäherung diplomatisch zu erreichen. Das macht freilich Kim Jong-un derzeit schwer, weswegen die südkoreanische Regierung sich gezwungen sieht, das Spiel doch mehr mitzumachen, als man dies ursprünglich wollte. Präsident Moon Jae-in erklärte, Südkorea werde keine weiteren Provokationen dulden. Nach anfänglichem Zögern erlaubte er nun die Installation von vier weiteren THAAD-Raketenabwehrsystemen.

Der südkoreanische Verteidigungsminister Song Young-moo sagte gestern, Pjöngjang scheine es geschafft zu haben, einen nuklearen Sprengkopf auf unter 500 kg zu verkleinern. Damit sei er klein genug, um eine Langstreckenrakete damit auszustatten. Angenommen wird, dass Nordkorea demnächst den dritten Test seiner Langstreckenrakete durchführen wird. Tests werden meist an symbolischen Tagen inszeniert, möglich wäre der 9. September, der Gründungstag des Staats. Song meinte auch, er diskutiere mit den USA darüber, dass diese strategische Bomber oder U-Boote mit Atomwaffen in die Region verlegen. Wenn das geschehen sollte, wäre gut möglich, dass die Südkoreaner doch ein wenig unruhig werden.

Die neue Einigkeit hat jedoch schon wieder einen Dämpfer erlitten, denn Trump kündigte diplomatisch in der jetzigen Situation ungeschickt an, womöglich das Freihandelsabkommen mit Südkorea aufkündigen zu wollen, das er als "schrecklich" bezeichnete. Es scheint aber im Weißen Haus Widerstand zu geben - und zwar gerade vom Verteidigungsminister Mattis und dem Sicherheitsberater H.R. McMaster -, ausgerechnet während der sich hochschaukelnden Krise mit Nordkorea dem verbündeten Südkorea einen Schlag zu versetzen. Offenbar tut sich Trump schwer, Prioritäten zu setzen.

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