US-Regierung will Ausbau des Atommüll-Endlagers stoppen

US-Präsident Obama steigt aus der Atompolitik von Bush aus

Auch in den USA ist die Frage nach dem Endlager für Atomabfälle wieder offen. Die Obama-Regierung will die Gelder für das erdbebebgefährdete Yucca Mountain Endlager (Nevada) für den nächsten Haushalt weitgehend streichen. Barack Obama hatte schon während seiner Wahlkampagne erklärt, dass er Yucca Mountain nicht für einen geeigneten Standort hält.

Yucca Mountain. Bild: www.yuccamountain.org

Die Bush-Regierung hatte 2002 den Ausbau des zentralen Endlagers auf dem ehemaligen Testgelände für Atomwaffen trotz bestehender Bedenken beschlossen, das bis 2010 in Betrieb gehen sollte (Endlich ein Endlager). Seit den 60er Jahren suchte man in den USA nach einem geeigneten Endlager, in der Zeit füllten sich die mittlerweile 121 oberirdischen Zwischenlager mit dem Material der Atomkraftwerke. Gegenwärtig sind noch 104 Atomkraftwerke in Betrieb. Bush wollte in die Kernenergie einsteigen und ab 2010, also bei Inbetriebnahme des Endlagers, wieder neue Atomkraftwerke bauen. Pläne für 26 neue Atomkraftwerke wurden vorbereitet.

Bislang wurden in das geplante Endlager um die 9 Milliarden Dollar investiert. Die Atomkraftwerke liefern 20 Prozent des Stroms in den USA und haben an der "CO2-freien" Energie einen Anteil von 70 Prozent. In der Agenda auf der Website des Weißen Hauses wird die Atomenergie nicht direkt angesprochen. Während des Wahlkampfs war Obama eher zurückhaltend und sagte, Atomenergie wäre eine Option, der Bau neuer Reaktoren käme aber erst in Frage, wenn Sicherheitsprobleme der Atommüllentsorgung geklärt seien.

Haupttunnel in den Yucca Mountain. Bild: www.yuccamountain.org

Im Haushaltsentwurf für das Energieministerium heißt es, dass mit der Streichung der Gelder für Yucca Mountain eine neue Strategie für den Atommüll ausgearbeitet werden soll. Das bestätigte Energieminister Steven Chu auch vor einem Senatsausschuss. Vom Bau neuer Atomkraftwerke ist nicht die Rede, auch wenn der Schwerpunkt auf die Förderung und Entwicklung sauberer Energie liegt. Gestoppt werden soll auch die Entwicklung neuer Nuklearsprengköpfe.

Die Regierung will die USA weltweit führend in Klimatechnik machen und dafür vor allem die für Energieprogramme vorgesehenen 39 Milliarden Dollar aus dem Konjunkturprogramm einsetzen. Angestrebt wird eine "Niedrigemissionswirtschaft", wofür Solarenergie, Geothermie, Biomasse, Wind und emissionsarme Energieproduktion durch Kohle genannt werden – aber nicht die Atomenergie. Verbessert werden soll mit weiteren 11 Milliarden aus dem Konjunkturprogramm das Stromnetz. Mit 3,4 Milliarden wird die Entwicklung von CSS-Technik, also CO2-Abscheidung und Speicherung für "saubere" Kohlekraftwerke, gefördert. Damit scheint die Obama-Regierung nicht auf die Atomenergie zu setzen. (Florian Rötzer)

Anzeige