US-Soldaten im Krieg gegen Islamisten mit Bibelzitaten auf den Waffen

Heimlich hat eine Firma Hinweise auf Bibelsprüche auf Zielfernrohren angebracht, die aus den Waffen "Jesus-Gewehre" machten

Gerade ist ein Bericht erschienen, in dem ein gefährliches Anschwellen von militanten rechten und christlichen Gruppen in den USA konstatiert wurde (USA: Militante rechte und christliche Gruppen sprunghaft angestiegen). Das findet allerdings auf einem christlich-militanten Hintergrund statt, wie der Fall einer Firma zeigt, die u.a. das Pentagon mit Zielfernrohren für Gewehre beliefert.

Schon im Januar hatte Michael Weinstein von der Military Religious Freedom Foundation, die Kirche und Staat im Militär trennen will, im Fernsehsender ABC darauf aufmerksam gemacht, dass US-Soldaten im Irak und in Afghanistan Gewehre mit Zielfernrohren der Firma Trijion mit sich führen, in die neben der Seriennummer Codes von Bibelsprüchen eingestanzt sind. Ein Beispiel ist "2COR4:6", also Kapitel 4 aus dem zweiten Brief an die Korinther: "Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi."

Die Firma, die Zielfernrohre des Typs Advanced Combat Optical Guides (ACOG) für 660 Millionen US-Dollar an das Pentagon verkauft, erklärte, diese Hinweise auf Bibelzitate wären schon lange auf ihren Produkten gewesen. Der Gründer der Firma, der 2003 gestorben ist und ein leidenschaftlicher Christ gewesen war, habe mit dieser Praxis vor 20 Jahren begonnen, an der nichts falsch oder illegal sei. Unter dem Stichwort Morality liest man denn auch auf der Website: "We believe that America is great when its people are good. This goodness has been based on biblical standards throughout our history and we will strive to follow those morals." Wie gesagt, es handelt sich um Zielfernrohre, die bei den Gewehren für das Pentagon zum Töten von Menschen dienen.

Für Weinstein, ein früherer Luftwaffenoffizier, ist das eine Verfassungsverletzung und ein Bruch anderer Gesetze. Viele Soldaten hätten sich über die Bibelhinweise beschwert und ihm auch gesagt, dass Kommandeure die Waffen mit den Zielfernrohren als "geistig transformierte Schusswaffen von Jesus Christus" bezeichnet hätten. Weinstein kritisiert auch, dass dies den Islamisten ermögliche zu sagen, dass sie mit "Jesuswaffen" beschossen würden. Zudem spiele es denen in die Hände, die erklären, die USA würden sich auf einem Kreuzzug befinden: "It's literally pushing fundamentalist Christianity at the point of a gun against the people that we're fighting. We're emboldening an enemy." Weinstein berichtet, er habe nach der Sendung einen "Tsunami" an Hassmails erhalten.

Ich muss keine Nanosekunde überlegen, wie die amerikanische Öffentlichkeit reagieren würde, wenn statt sich Zitaten aus dem Neuen Testament Koranzitate auf diesen Zielfernrohren der US-Streitkräfte befinden würden.

Michael Weinstein

Trijion versprach, künftig freiwillig keine Bibelhinweise mehr anzufügen und dem Militär die Mittel zu geben, diese aus den Zielfernrohren zu entfernen. Immerhin 250.000 wurden an das Pentagon bereits verkauft. Auch das Pentagon sicherte zu, dass die Hinweise entfernt werden. General David Petraeus, Kommandeur des US Central Command, das für Irak und Afghanistan zuständig ist, erklärte, die Angelegenheit für das Militär Anlass zu großer Sorge, da die Bibelhinweise kein Bestandteil des Vertrags mit der Firma gewesen seien. Die Bibelhinweise würden einen Eindruck erwecken, "der das absolute Gegenteil dessen ist, was wir zu erreichen suchten".

Zunächst hatte das Militär alles in Ordnung gefunden. Die Bibelzitate würden keinen Befehl missachten. Man verglich die Bibelsprüche auf den Zielfernrohren mit US-Geldscheinen. Diese würden auch weiterhin verwendet, auch wenn auf ihnen "In God We Trust" stünde. Solange die Zielfernrohre den militärischen Anforderungen genügen, würden sie weiter gebraucht, hieß es, bevor die Kehrtwende kam.

Geändert scheint sich nach einem neuen ABCNews-Bericht nicht viel zu haben. Die "Jesusgewehre" in den Kriegsgebieten haben noch immer die Zielfernrohre mit den Bibelhinweisen, das Militär meint, es könne ein Jahr dauern, sie zu entfernen. Entfernt wurden sie bislang offensichtlich bei Gewehren, die zum Training und auf Stützpunkten verwendet werden. Nach der General Order Number One vom 1. November 2005 hat das Pentagon den Soldaten, die im Irak oder in Afghanistan im Einsatz sind, verboten, für "irgendeinen Glauben, eine Religion oder eine religiöse Praxis" zu werben. Ein Problem ist auch, dass auch Iraker und Afghanen an den Gewehren mit den Zielfernrohren ausgebildet werden. (Florian Rötzer)

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