US-Strafzoll auf deutsche Fotoprodukte, die es praktisch gar nicht mehr gibt

In den USA beliebte deutsche Contarex-SLR-Kamera von Zeiss Ikon. Foto: Hannes Grobe. Lizenz: CC BY-SA 2.5

Im Streit um die europäischen Subventionen für Airbus erheben die USA seit gestern zusätzliche Importzölle von 25 Prozent

Bei den 25 %igen Strafzöllen, welche die USA als Vergeltung für die Airbussubventionen gestern verhängten, verblüfft das Klein-Klein der geplanten Maßnahmen. Die Auswahl deutscher Fotoprodukte scheint sich an der Bedeutung der deutschen Fotoindustrie in den Zeiten zu orientieren, als der US-Dollar noch 4 DM wert war und deutsche Fotoprodukte daher in den USA von Firmen wie Ponder & Best oder AIC importiert wurden und großen Absatz fanden. Diese Zeiten sind lange vorbei und die damaligen Importeure, die von deutschen Auswanderern gegründet wurden, schon längst in der Insolvenz untergegangen.

Strafzölle auf deutsche Fotoprodukte zu erheben, erscheint letztlich als Lachnummer, weil die meisten Fotoprodukte, die von deutschen Markenfirmen angeboten werden, gar nicht mehr in Deutschland produziert werden. Zudem zeigt sich sehr schnell, dass die vorgeschlagenen Produkte, deren konkrete Auswahl noch von der WTO genehmigt werden muss, hinsichtlich ihres Handelsvolumens eher unbedeutend sind und zudem in der Hauptsache US-amerikanische Investoren treffen, die sich die Reste der deutschen Fotowirtschaft in den letzten Jahrzehnten einverleibt haben.

Dass so manches Fotoprodukt, das einen berühmten deutschen Markennamen führt, gar nicht in Deutschland produziert wird, scheint in den USA nicht bemerkt worden zu sein. Beispielsweise kommt von den Fotoobjektiven des deutschen Herstellers Carl Zeiss nur das 15 mm-Objektiv mit M-Bajonett aus Oberkochen. Alle anderen Fotoobjektive der Marke Zeiss werden von den Partnern Cosina und Fujifilm in Japan produziert. Auch die Objektive der deutschen Marke Voigtländer werden nach einem kurzen Intermezzo bei den damaligen Rollei-Werken in Singapur von Cosina in Japan produziert. Heute gehört die Marke der Voigtländer GmbH, die heute zur UIG in Fürth zählen soll.

Im Falle der Objektive der Marke Rodenstock treffen die Zölle die Firma Qioptiq Photonics in Feldkirchen, die wiederum zur US-amerikanischen Excelitas Technologies Corp. in Waltham, MA gehört, einer Stadt, in der die inzwischen untergegangene damalige Polaroid Corporation des Sofortbilderfinder Edwin Herbert Land ihren Sitz hatte.

Leica Camera als letzter bedeutender deutscher Hersteller

Auch im Falle der Leica Camera in Wetzlar wird nicht zuletzt der US-Partner Blackstone getroffen, der derzeit etwa 44 Prozent der Leica Camera besitzt und seine Anteile schon seit geraumer Zeit gerne verkaufen würde. Leica hätte dabei grundsätzlich immer noch die Möglichkeit, die vor wenigen Jahren neu aufgebaute Fertigung in Portugal zu nutzen. In Portugal wurden in der Vergangenheit sowohl Kameras als auch Objektive hergestellt, bis man die Endmontage wieder nach Deutschland verlegte, um "Made in Germany" auf die Produkte schreiben zu dürfen. Das frühere Ernst Leitz Werk in Kanada, wo in der Vergangenheit ebenfalls Kameras und Objekive der damaligen Ernst Leitz produziert wurden, gehört sein vielen Jahren nicht mehr zum Wetzlarer Kamerahersteller, sondern unter dem Namen Elcan (für Ernst Leitz Canada) zu Raytheon, die gerade dabei sind mit United Technologies zu Raytheon Technologies zu fusionieren.

Bei Projektoren, Vergrößerern und Zubehör gibt es zwar noch Hersteller besonders hochwertiger Produkte in Deutschland, die auch in die USA liefern. Der Aufwand diese Lieferungen einzeln zu erfassen könnte den jeweiligen Warenwert jedoch leicht übersteigen und würde in erster Linie die US-amerikanischen Importeure und ihre Kunden treffen. Im Falle der Vergrößerer, gibt es in den USA mit der Charles Beseler Company noch einen Hersteller, der für sich einen Marktanteil von 96 Prozent reklamiert.

Der Anteil des Imports aus Deutschland würde dann noch etwa 4 Prozent ausmachen, was bei dem überschaubaren Marktvolumen jetzt keine gewaltigen Zahlen ergeben dürfte. Die verbliebenen deutschen Hersteller liefern derzeit nur sporadisch in die USA. Und bei den Vergrößerungsoptiken treffen die geplanten Strafzölle neben der schon erwähnten Excelitas in erster Linie die Bad Kreuznacher Firma Schneider Kreuznach, was politisch für die USA auch nicht sehr vorteilhaft wäre, da dieses Unternehmen seit vielen Jahren israelische Eigentümer hat. Es bleibt dann an Fotoobjektiven aus deutscher Fertigung noch die Marke Meyer Optik Görlitz, heute der OPC Optical Precision Components Europe in Bad Kreuznach gehört, jedoch nicht Teil von Schneider-Kreuznach ist.

Der geplante Strafzoll auf Bilder und Fotos zeigt die Weltfremdheit, ja Absurdität der Vorschläge für die Strafzölle nochmals ganz besonders, weil davon in erster Linie die künstlerische Fotografie in Form von Prints betroffen wäre, man jedoch die besonders teuren Werke von den Zöllen ausnehmen will, da nur Aufnahmen betroffen wären, die jünger als 20 Jahre wären.

(Christoph Jehle)