US-Studie: Vermehrte Fahrten zwischen Landkreisen erhöhen Corona-Infektionszahlen

Bild: NIAID/CC BY-2.0

Die Wissenschaftler haben zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Mobilität und Infektionsrisiko die Lokalisierungsdaten von 100 Millionen Smartphone-Nutzern ausgewertet

Streit oder Uneinigkeit herrscht derzeit in der deutschen Politik über Tourismus sowie Reise- und Beherbergungsverbote. Gerade ist eine Studie in PNAS erschienen, die den Zusammenhang zwischen Mobilität und der Ausbreitung von Covid-19 in den USA zwischen dem 1. März und dem 9. Juni in drei Zeitabschnitten untersuchte. Ausgewertet wurden dafür die Lokalisierungsdaten von Smartphones von über 100 Millionen aktiven Nutzern, aus denen für jedes der mehr als 3000 Counties (Landkreise) Ausreisen und Einreisen erfasst wurden, um die Mobilität in die Counties landesweit zu quantifizieren und so das Verhältnis zwischen der Mobilität von Einreisenden und den Infektionszahlen statistisch darzustellen.

Verglichen mit Januar 2020 hat sich Anfang April die Zahl der Reisen zwischen Counties nach den Lockdowns oder den Anordnungen, Zuhause zu bleiben, durchschnittlich um 35 Prozent gesenkt. Dafür wurde die Mobilität zwischen dem 30. März und dem 5. April beobachtet. In der Vorepidemie-Zeit vom 2. bis 8. März war die Mobilität gegenüber Januar erst einmal leicht angestiegen. Mit den Lockerungen, die Ende April auf Druck von Donald Trump hin in vielen Bundesstaaten erfolgten, erhöhte sich die Mobilität wieder. In dem Zeitraum zwischen dem 27. April und dem 5. Mai lag die Mobilität zwischen den Counties nur noch um 20 Prozent niedriger als im Januar. Das passt zu den ähnlich reduzierten täglichen Fahrkilometern pro Person.

Fahrten von außerhalb in Counties, die die Maßnahmen gelockert haben, hatten Ende April, Anfang Mai wieder 86 Prozent der Zahlen vom Januar erreicht, wo es weiterhin einen Lockdown gab, waren es 73 Prozent. In beiden Fällen handelt es sich vorwiegend um Verkehr an Werktagen. Wenn deutlich mehr Besuche von außerhalb eines Counties kommen, steigt das Infektionsrisiko, so die Wissenschaftler. Das habe man in den Regionen wie Kentucky, North Carolina und Minnesota gesehen, die den Lockdown schneller verlassen haben. Es gibt nach den Wissenschaftlern eine "starke und positive Beziehung" zwischen der Mobilität in Counties und der Zahl der Infektionen. Steigt die Mobilität um 10 Prozent folgt eine Woche später eine Zunahme der Infektionen um 2,34 Prozent.

Die Wissenschaftler sehen die Ergebnisse als eine Warnung für eine vorzeitige Lockerung der Präventivmaßnahmen, die eine zweite Welle ermöglichen. Die gewonnenen Daten könnten auch für epidemische Simulationen verwendet werden, um beispielsweise abzusehen, wie sich Lockerungen oder Schulschließungen auswirken können. Die Analyse könne auch für Politiker zeitnahe Einblicke in die Mobilitätstrends bieten. Und man könne die Analyse auch auf kritische städtische und suburbane Gebiete mit einer hoch aufgelösten Mobilität auf Volkszählungsblocks erweitern. (Florian Rötzer)