US-Universitäten: Bestechungsskandal löst Debatten über Aufnahme und Finanzierung aus

Die University of Southern California (USC). Foto: Padsquad19. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Prominente zahlten bis zu sechseinhalb Millionen Dollar, um ihre Sprösslinge an Einrichtungen mit Eliteruf unterzubringen

Diese Woche nahmen FBI-Ermittler im Rahmen ihrer Operation Varsity Blues ("Schulteam-Blues") mehrere Prominente fest, denen sie Bestechung und Betrug vorwerfen. Die größten Schlagzeilen machten die aus der Serie Desperate Housewives bekannte Schauspielerin Felicity Huffman und ihre Kollegin Lori Loughlin, die in der Serie Full House mitspielt.

Huffman, die man nach dem Hinterlegen einer Kaution in unbekannter Höhe wieder freiließ, wird beschuldigt, 15.000 Dollar bezahlt zu haben, um den SAT-Einstufungstest für eine ihrer beiden Töchter fälschen zu lassen. Loughlin soll zusammen mit ihrem Ehemann, dem Modedesigner Mossimo Giannulli, 500.000 Dollar aufgewendet haben, um zwei Töchter über unwahre Sportleistungsangaben an der University of Southern California unterzubringen. Giannulli bezahlte Medienberichten nach eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar, um wieder auf freiem Fuß gesetzt zu werden.

Zusammenarbeit mit Sportlehrern

Empfänger oder Vermittler der Zahlungen war der College- und Karriereberater William Singer, der sich nach seiner Festnahme auf einen Deal mit den Ermittlungsbehörden einließ. Er soll unter anderem mit Sportlehrern und Angestellten von Hochschulen zusammengearbeitet haben, um die Aufnahme der Sprösslinge seiner Kunden zu sichern, denen das bis zu sechseinhalb Millionen Dollar wert war.

Staatsanwalt Andrew Lelling will nur Singer, dessen Helfer und dessen Kunden anklagen - aber nicht die Söhne und Töchter, für deren Aufnahme seinen Worten nach jeweils "ein ehrlicher und tatsächlich talentierter Student abgewiesen" wurde. Talentiertere Studenten werden einem Kommentar in der New York Times nach aber auch dann abgewiesen, wenn die Eltern weniger talentierter Geld und Beziehungen so einsetzen, dass man ihnen kein strafbares Verhalten nachweisen kann. Dabei verweist die Zeitung auf Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, dessen Vater kurz vor der Aufnahme des Sohnes an der Harvard-Universität zweieinhalb Millionen Dollar gespendet haben soll.

Club für exklusive Partys

Der Ansicht des Reason-Kommentators Robby Soave nach wäre das grundsätzlich eine Privatangelegenheit, wenn in den Skandal verwickelte Universitäten mit Eliteruf nicht massiv mit Steuergeld bezuschusst würden: "Wenn Hochschulausbildung in Wirklichkeit nur noch darum geht, dass Promi-Sprösslinge so tun, als ob sie Wasserpolo spielen würden, um in einen Club für exklusive Partys aufgenommen zu werden", so Soave, "dann war es vielleicht schon lange vorher höchste Zeit, den Defund-Knopf zu drücken".

In diesem Zusammenhang zitiert er Lori Loughlins Tochter Olivia Jade, die nach ihrer Aufnahme an der University of Southern California (USC) auf YouTube verkündete:

Ich weiß nicht, wie viel ich dort an Veranstaltungen besuchen werde. Aber ich werde mit dem Dekan und mit allen reden und hoffen, dass ich versuchen kann, es alles auszubalancieren. Aber ich will die Erfahrung von Tagen zum Spielen, Party machen und so. […] Wie ihr alle wisst, ist mir die Schule eigentlich ziemlich egal. (Lori-Loughlin-Tochter Olivia Jade)

Personen wie Jade sind dem von Soave ebenfalls zitierten Buchautor Bryan Caplan nach an amerikanischen Universitäten keineswegs Einzelfälle. Tatsächlich haben sich dort Subkulturen entwickelt, bei denen es längst nicht mehr um Wissenschaft und Forschung geht: Eine Jock-Subkultur, in der Sport und Körper eine zentrale Rolle spielen, und eine SJW-Subkultur mit religionsähnlichen Fächern. Dass amerikanische Unternehmen trotzdem Absolventen solcher Universitäten bevorzugen, hält Caplan für einen Anachronismus, der sich halten kann, weil Führungskräfte wie Pawlowsche Hunde auf über Generationen hinweg antrainierte Signale reagieren. (Peter Mühlbauer)

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