USA: Inflation steigt, Realeinkommen gehen zurück

Bild: Weißes Haus

Auch wenn die Arbeitslosigkeit auf Rekordtiefstand gesunken ist, werden die Steuereinnahmen weniger, während die Ausgaben und die Staatsverschuldung weiter anwachsen

Mit der Finanzkrise war die Inflation ab Ende 2008 erst einmal auf Null zurückgegangen, um 2009 sogar ins Negative zu gehen. Ursache waren nach dem vom Arbeitsministerium erstellten Verbraucherpreisindex vor allem die stark fallenden Energiepreise. Sie stiegen zwar Anfang 2010 und Anfang 2011 wieder kurz an, erst ab Anfang 2017 ging es kontinuierlich nach oben, in den letzten Monaten kletterten sie wegen der beginnenden amerikanischen Iran-Sanktionen schon stark ab Mai in die Höhe und waren im Juni 12 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Hauptgrund war der Preisanstieg beim Öl um mehr als 30 Prozent seit letztem Jahr. Das zog auch den Verbraucherpreisindex um 2,9 Prozent nach oben, der größten Erhöhung seit Februar 2012, allerdings gab es zwischen hier Februar 2011 und Februar 2012 nur ein vorübergehendes Zwischenhoch nach dem Einbruch 2008.

Die Inflation steigt weitgehend aufgrund der Sanktionspolitik von Donald Trump so stark wie seit 10 Jahren nicht an. Allein im Juli stieg der Verbraucherindex um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Analysten machen dafür auch steigende Immobilienpreise verantwortlich, die sich auch in steigenden Mieten niederschlagen. Grund dafür sei neben leicht steigenden Lebensmittelpreisen der weiter zurückgehende Bau von Häusern und Wohnungen.

Höhere Mieten bzw. Mieteinkünfte und überhaupt eine höhere Inflation schmälern die Einkünfte vieler Menschen. Seit letztem Jahr sind die durchschnittlichen Wocheneinkommen von jetzt 371,38 US-Dollar um 0,1 Prozent geringer geworden, die realen Stundenlöhne sanken nach dem Arbeitsministerium um 0,4 Prozent. Das wird allerdings auf -0,1 Prozent heruntergerechnet. Die Arbeitslosigkeit ist im Juli weiter um 0,1 Prozent auf nun 3,9 Prozent gesunken und gibt der "Jobs, Jobs, Jobs"-Politik von Donald Trump damit recht. Der US-Präsident, der weiter gegen die "Hexenjagd" der Medien und des Sonderermittlers Robert Mueller kämpft, brüstete sich angesichts der Zahlen gestern: "Arbeitslosenzahlen sind besser als in den vergangenen 50 Jahren und vielleicht die besten jemals. Unser Land boomt wie niemals zuvor - und es wird noch besser werden. Viele Unternehmen kommen in die USA zurück."

Erwartet wird allerdings, dass die Inflation durch Trumps Handelskriege angetrieben werden wird. Dazu kommt, dass die Staatsausgaben steigen, angetrieben beispielsweise durch erhöhte Militärausgaben, während die Steuereinnahmen sinken auch aufgrund von Trumps Steuerreform, die wie schon die von George W. Bush die Reichen weiter begünstigt. Nach dem Finanzministerium wurden im Juni 224 Milliarden US-Dollar an Steuern eingenommen, 2,9 Prozent weniger als im Juni. Bis dahin sind sie eher gestiegen. Die Unternehmenssteuer trug gerade einmal 4 Milliarden dazu bei, die Einkommenssteuer hingegen 110 Milliarden sowie die Lohnsteuer und die Social-Security-Steuer 91 Milliarden.

Während die Steuereinnahmen sinken, steigen die Staatsausgaben mittlerweile unter Trump seit Frühjahr 2017 kontinuierlich an. Seit Juli 2017 stiegen sie um 9,9 Prozent von 275 auf 302 Milliarden US-Dollar. Social Security stellt den Hauptteil mit 83 Milliarden dar, gefolgt von Miitärausgaben in Höhe von 49 Milliarden und Medicare mit 24 Milliarden. Alleine 35 Milliarden flossen in Schuldenzinsen. Das Haushaltsdefizit stieg enorm um 28 Prozent auf jetzt 684 Milliarden US-Dollar an. Im Juli 2018 lag es bei 77 Milliarden, 34 Milliarden höher als im Juli 2017.

Staatliche Zinsllast. Bild: Fed

Und natürlich steigt die Staatsverschuldung auch immer weiter an und liegt nun bei 21,342 Billionen US-Dollar. Bei Amtsantritt von Trump waren es noch knapp unter 20 Billionen. Ein Problem ist nicht nur die steigende Staatsverschuldung, sondern vor allem, dass die Zinslast immer höher wird. Seit dem dritten Quartal 2017 ist sie enorm gestiegen. Damals betrug sie "nur" 476 Milliarden US-Dollar, im zweiten Quartal 2018 bereits 537 Milliarden.

Dazu tragen die steigende Schuldenlast, die steigende Inflation und der von der Fed bislang seit 2015 mehrmals angehobene Leitzins von 0,25 auf 2,0 Prozent im Juni 2018 bei. Noch beließ es die Fed am 1. August auch dabei. Angekündigt hatte sie, dass sie ihn 2018 auf 2,5 Prozent und 2019 auf 3 Prozent anheben wird, was die Zinslast und auch die Staatsverschuldung weiter antreiben wird. Es sieht nicht so rosig im Trump-Land aus. (Florian Rötzer)

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