USA: Massenmorde nehmen zu

Laut Gun Violence Archive erlebten vier Füntel aller Bundesstaaten ein 'mass shooting'. Bild: Gun Violence Archive

Massenmorde in den USA erreichten 2019 ein Rekordhoch

In diesem Jahr wurden in den USA 41 Massenmorde ("mass shootings") verübt. Einer seit 2006 geführten Statistik von AP, USA Today und der Northeastern University zufolge ein Höchstwert, es hat bisher in keinem anderen Jahr so viele Massenmorde gegeben.

In der Datenbank werden jene Vorfälle gesammelt, bei denen mindestens vier Menschen, ausgenommen der Täter, getötet werden. Bei 33 Vorfällen wurden Schusswaffen eingesetzt, bei acht zählten Messer, Äxte und Feuer die Waffe der Wahl. Insgesamt starben 211 Menschen; fast die Hälfte der US-Bundesstaaten hat dieses Jahr einen Massenmord erlebt.

Je nach Definition, ab welcher Opferzahl es sich um einen Massenmord handelt, variieren die Statistiken. Der Mass Shooting Tracker zählt zu einem Massenmord einen Vorfall mit mindestens vier Erschossenen, an einem Ort, ungefähr zur gleichen Zeit. Das Stanford University Mass Shootings in America Project zählt bereits ab drei erschossenen Personen, wobei Schießereien im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität, Banden- oder Drogenkriegen hingegen ausgenommen werden.

Das Gun Violence Archive listet unter Massenerschießungen Vorfälle, bei denen an einem Ort mindestens vier Opfer durch Schusswaffen verletzt oder getötet werden, wobei die Täter nicht hinzugezählt werden. Unter diese Kategorie fallen in diesem Jahr 416 Vorfälle mit 464 Toten und 1700 Verletzten.

Zwei der tödlichsten Vorfälle ereigneten sich Anfang August. Innerhalb von 24 Stunden wurden in El Paso und Dayton insgesamt 32 Menschen getötet und 41 verletzt.

Weniger Vorfälle, aber mehr Opfer, wurden 2017 bei Massenmorden mit Schusswaffeneinsatz verzeichnet. In dem Jahr trieb das Las-Vegas-Massker die Opferzahlen in die Höhe. Damals wurden bei einem Konzert 58 Menschen getötet und 441 verletzt.

Zeitalter der Massenerschießungen

"Außergewöhnlich ist, dass die Massenmorde zu einer Zeit zunehmen, in der die allgemeine Mordrate sinkt", sagte James Densley, Kriminologe und Professor an der Metropolitan State University in Minnesota, gegenüber AP. Die 1970er und 1980er seien die Zeit der Serienmörder gewesen, die 1990er und 2000er geprägt von Schießereien in Schulen und Amokläufen. "Dies scheint das Zeitalter der Massenerschießungen zu sein", so Densley.

Doch, die Schießereien kommen nicht von ungefähr. Nirgendwo auf der Welt befinden sich so viele Schusswaffen wie in den USA im Privatbesitz. Gun Policy schätzt die Zahl der sich in Privatbesitz befindlichen Schusswaffen zwischen 265 Mio. und 393 Mio. Damit kommen auf 100 Personen etwa 120 Schusswaffen.

Einer landesweiten, repräsentativen Umfrage des Pew Research Center von 2017 zufolge geben rund 40% der Befragten an, in einem Haushalt mit einer Schusswaffe zu leben, 30% besitzen selbst eine Schusswaffe. Etwa die Hälfte der Befragten sagten zudem, jemanden zu kennen, der versehentlich oder absichtlich erschossen wurde.

Ungefähr drei Viertel der Waffenbesitzer (74%) halten das Recht auf Waffenbesitz für wesentlich und an ihre persönliche Freiheit gebunden, verglichen mit 35% der Nicht-Waffenbesitzer. Von allen Erwachsenen geben 86% an, dass die Leichtigkeit, mit der Menschen illegal Waffen beschaffen können, einen großen Beitrag zur Waffengewalt leistet.

Einer Untersuchung von 2019 zufolge ist der Anteil der Amerikaner, die strengere Waffengesetze befürworten, seit 2017 gestiegen, von 52% auf 60%. Der Anteil jener, die eine weitere Lockerung der Waffengesetze wünschen, ist im gleichen Zeitraum von 18% auf 11% gesunken.

Parteipolitisch gibt es immer noch große Unterschiede. Gegenwärtig befürworten 86% der Demokraten strengere Waffengesetze, verglichen mit 31% unter Republikanern. Unter den Präsidentschaftskandidaten der US-Wahlen in 2020 setzt sich lediglich Joe Biden für strengere Waffengesetze ein. Er fordert eine Einschränkung des Verkaufs halbautomatischer Gewehre.

(Bulgan Molor-Erdene)