USA: Schon wieder mindestens eine Corona-Billion

Grafik: TP

Die Republikaner haben im Senat ein weiteres Staatsgeldpaket vorgestellt, dessen Umfang die Demokraten im Repräsentantenhaus noch deutlich steigern möchten

Gestern stellte Mitch McConnell, der republikanische Mehrheitsführer im Senat, den Health, Economic Assistance Liability Protection and Schools Act vor, der mit dem werbebedachten Akronym "HEALS" ("heilt") abgekürzt wird. Er sieht vor, dass zu den drei Billionen Dollar Staatsgeld, die bislang als Corona-Hilfen bewilligt wurden, eine weitere Billion hinzukommt.

Das McConnells Worten nach "maßgeschneiderte" Paket soll nicht nur dafür sorgen, dass "der Kampf des Gesundheitssystems gegen das Virus gewonnen wird", sondern auch, dass "Kinder zurück in die Schulen" und "Arbeiter zurück zur Arbeit" kommen. Dazu hat man sich einen Nachfolger für das im Frühjahr aufgelegte Paycheck Protection Program ausgedacht, in dessen Rahmen Unternehmen mit weniger als 500 Angestellten insgesamt 500 Milliarden Dollar an Krediten abrufen konnten. Für Kredite aus der Neuauflage sollen sich auch Firmen bewerben können, die schon von der ersten Ausschüttung profitierten. Allerdings liegt die Personalobergrenze nun bei 300 Mitarbeitern.

Schutzschirm gegen Schadensersatzklagen

Damit die Angst vor Schadensersatzklagen von Infizierten oder deren Angehörigen nicht dazu führt, dass Geschäfte und andere Arbeitsstätten länger als nötig geschlossen haben, enthält das Paket außerdem einen rechtlichen Schutzschirm, der solche Prozesse ausschließt. Er gilt auch für Schulen und Hochschulen, für die darüber hinaus 100 Milliarden Dollar an Neustarthilfe vorgesehen sind.

Ein erneutes Helikoptergeld in Höhe von einmalig 1.200 Dollar soll den privaten Konsum ankurbeln. Bekommen soll es jeder volljährige Amerikaner, der weniger als 75.000 Dollar jährlich verdient. Einkommen darüber kassieren graduell weniger. Über einem Verdienst von 99.000 Dollar gibt es dann gar kein Helikoptergeld mehr. Für Personen, die er mit versorgt, kann ein Haushaltsvorstand pro Kopf weitere 500 Dollar Helikoptergeld beantragen. Das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für ältere Angehörige. Zudem kann nun - anders als beim Helikoptergeld im Frühjahr - auch für volljährige Kinder kassiert werden, die beispielsweise ein College besuchen.

Arbeitslosenhilfe soll verlängert, aber umgebaut werden

Die sonst bald auslaufende Bundesarbeitslosenhilfe wird dem republikanischen Plan nach in anderer Form als bisher gewährt. Direkt aus Washington soll es statt 600 nur mehr 200 Dollar wöchentlich geben. Dafür müssten die Bundesstaaten zusätzlich etwa 70 Prozent des vorherigen Arbeitseinkommens zahlen, was Unterschiede bei Hypotheken und langfristigen laufenden Lebenshaltungskosten ausgleichen soll.

Die Demokraten, deren Gouverneure davon stärker betroffen wären, kündigten bereits an, die Regelung im Repräsentantenhaus kippen zu wollen. Ihr bereits vorher verabschiedeter Vorschlag für ein weiteres Corona-Paket hat ein Volumen von drei Billionen Dollar.

Yelp-Umfrage: Fast zwei Drittel der derzeit geschlossenen Gaststätten in den USA werden nie wieder öffnen

Während McConnell sein Paket vorstellte lag die Zahl der bestätigten Sars-CoV-2-Neuansteckungen gestern mit 55.134 niedriger als am bisherigen Rekordtag, dem 17. Juli. Damals wurden mehr als 77.000 Amerikaner positiv getestet. Im etwas aussagekräftigeren Sieben-Tage-Durchschnitt stagniert diese Zahl seitdem bei etwa 66.000 täglich. Das gilt allerdings nicht für alle US-Bundesstaaten: In Mississippi, Louisiana, New Mexico, Arkansas, Oklahoma und Kalifornien gibt es im Wochenschnitt mehr Infizierte.

Kalifornien hat mit 460.550 inzwischen den ehemaligen amerikanischen Seuchenschwerpunkt New York überholt, in dem sich 412.344 Menschen ansteckten. Mit etwa 40 Millionen hat Kalifornien aber auch mehr Einwohner als der Bundesstaat New York, in dem nur etwa halb so viele leben. Berücksichtigt man die Einwohnerzahl, stehen auch die USA insgesamt mit 13.388 Infektionen auf eine Million Menschen nicht an der Weltspitze der Corona-Infektionen. Dann führt stattdessen Chile mit 18.189.

Bei den Covid-19-Toten pro Kopf liegen die USA mit 454 auf eine Million hinter Belgien (847), dem Vereinigten Königreich (674), Spanien (608), Italien (581), Schweden (564) und Frankreich (463). Mit 428 sterben inzwischen deutlich weniger Amerikaner an Covid-19 als am bisherigen Rekordhaltertag: den 7. Mai, an dem die Krankheit 2.740 dahinraffte. Der US-Bundesstaat, an dem pro Kopf die meisten Menschen an Covid-19 starben, ist mit 1.789 New Jersey. Gefolgt von New York (1.681), Connecticut (1.231), Massachusetts (1.238) und Rhode Island (948).

Wirtschaftlich hatte die Pandemie einer gestern veröffentlichten Umfrage des Bewertungsprotals Yelp nach unter anderem zur Folge, dass fast zwei Drittel der derzeit geschlossenen Gaststätten in den USA nie wieder öffnen werden.

Viele US-Politiker hoffen deshalb auf den Impfstoff mRNA-1273, den die Firma Moderna nun in der dritten und letzten Phase testet. Sie ist nicht die einzige, die an so einem Serum forscht: In den nächsten Wochen wird erwartet, dass auch die Firmen Pfizer und Novavax für ihre Kandidaten Phase 3 einläuten. Darüber hinaus machen sich auch britische, chinesische, russische, südkoreanische, deutsche, österreichische und indische Forscher Hoffnungen auf einen Durchbruch (vgl. Corona-Impfstoff: Briten, Chinesen und Russen melden Erfolge). (Peter Mühlbauer)