USA: Vertrauen in die Medien ist nach einer Umfrage deutlich angestiegen

Bild: Weißes Haus

61 Prozent sagen, das Land steuere unter Trump in die falsche Richtung

Die Rechten und allen voran US-Präsident Donald Trump haben die Abneigung gegen nicht rechtsgerichtete Massenmedien kultiviert und zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Ideologie gemacht. Trump bezeichnete die Mainstreammedien als Fake News und als "Feinde des amerikanischen Volks" und sucht Misstrauen in deren Berichterstattung verbreiten. Gleichzeitig schätzen die sich medienkritisch gebenden Rechten und Rechtspopulisten in den USA wie in Deutschland oder anderswo selbst höchst einseitige Medien. In der Bevölkerung scheint dies mittlerweile weniger zu verfangen und sich ein umgekehrter Trend zu vollziehen. Das ist zumindest das Ergebnis einer Umfrage von Reuters und Ipsos unter 14.328 erwachsenen Amerikanern.

48 Prozent der Befragten sagen, sie hätten großes oder einiges Vertrauen in die Presse. Das sind deutlich mehr als die 39 Prozent, die das im November 2016 auf dieselbe Frage angaben, als Donald Trump mit seinem Kurs gegen die etablierte Politik ("Washington") und gegen die etablierten Medien zum Präsidenten gewählt wurde. Entsprechend sank der Anteil der Menschen, die erklären, kaum ein Vertrauen in die Presse zu haben, von 51 Prozent auf 45 Prozent.

Umgekehrt steht es mit dem Vertrauen in die Trump-Regierung. Ende Januar, kurz nach Amtsantritt äußerten 52 Prozent der Befragten, sie hätten großes oder einiges Vertrauen in die Regierung, jetzt sagen dies noch 48 Prozent. Das sieht nicht besonders bedeutsam aus und erstaunt wahrscheinlich sogar, weil der Vertrauensverlust so gering ist. Vergleicht man das aber mit Obamas Werten im November 2016, wo 57 Prozent am Ende von zwei Amtszeiten noch sagten, sie hätten Vertrauen in dessen Regierung, so ist der Unterschied doch beachtlich.

Interessant ist dabei, dass bei den Anhängern der Republikaner das Vertrauen in die Trump-Regierung um 6 Prozent, während es bei denen der Demokraten um 3 Prozent einbrach. Anders verhält es sich beim Vertrauen in die Medien, das bei den Republikanern um 3 Prozent, bei den Demokraten aber um 11 Prozent anstieg.

Ob das gestiegene Vertrauen in die Medien mit den sinkenden Werten für die Trump-Regierung direkt zusammenhängt, geht aus der Umfrage nicht hervor. Möglicherweise sind mehr Menschen des präsidentiellen Medien-Bashings müde geworden oder die Medien berichten wieder vielfältiger oder wenden sich Menschen stärker von einseitigen rechten Websites, Blogs und Sendern wie Breitbar.com ab.

Die Zustimmungswerte für Trump sind derweil auf 38 Prozent gesunken. 64 Prozent lehnen seine Amtsführung ab, davon 42 Prozent stark. Trumps Einmischen in die NFL, als er gegen Spieler wetterte, die sich bei der Nationalhymne hinknien, kam nicht so gut bei den Amerikanern an. Seine Anhängerschaft bröckelt auch bei den Republikanern, die im Laufe einer Woche von 83 Prozent auf 76 Prozent zurückging.

Sieht man, dass für die Amerikaner das bei weitem wichtigste Thema das Gesundheitssystem ist, könnte Trumps Scheitern an der versprochenen "Reform" auch einen guten Teil dazu beigetragen haben. Die Wirtschaft wird noch nach Terrorismus als wichtiges Thema bezeichnet. Das Thema Einwanderung, das Trump so hochgepuscht hat, ist ebenso wie Arbeitslosigkeit nur für eine Minderheit wichtig. Gleichwohl sagen mehr als 40 Prozent, dass Trump am besten in den Bereichen Jobs, Wirtschaft, IS-Bekämpfung und Einwanderung arbeitet.

Mittlerweile sagen 61 Prozent, das Land steuere unter Trump in die falsche Richtung. Allerdings schneidet Trump weiterhin noch besser ab als der Kongress, dessen Arbeit 69 Prozent als schlecht bezeichnen. Aber der Kongress in Washington ist weit weg und zerrissen. Wenn es um die Abgeordneten im Wahlkreis geht, ist die Zustimmung mit 40 Prozent doppelt so hoch wie die zum abstrakten Kongress. (Florian Rötzer)