USA: Zeitungssterben und schrumpfende Zahl an Journalisten

In den USA könnte Trump mit seinem Kampf gegen die Lügenpresse und Zöllen auf Papier das Zeitungssterben beschleunigen, das durch Online-Medien nicht kompensiert wird

In den USA bekämpfen sich Regierung und Medien in einem Ausmaß, das bislang nicht bekannt war. Regierungen oder einzelne Politiker haben immer mit Medien gehadert, und autoritäre Regierungen versuchen, kritische oder oppositionelle Medien auszuschalten oder zu zensieren, um die Formierung der öffentlichen Meinung zu kontrollieren. US-Präsident Donald Trump kann ihm unliebsame Medien nicht schließen, er versucht, sie als Lügenpresse zu diffamieren, der man kein Wort glauben kann. Währenddessen haben sich die von Trump diffamierten Medien schon lange positioniert, den Lügenpräsidenten, dem fortlaufend von der herrschenden Elite wie einem Neureichen Unfähigkeit und psychische Probleme zu attestieren.

Im Grunde hat Donald Trump mit seiner Twitter-Nutzung die Rolle der Medien schon stark verändert, wenn nicht teilweise außer Kraft gesetzt. Er gibt mit seinen Tweets Zeit und Thema vor, die Medien können nur noch hinterherlaufen und reagieren, sind aber kein Medium mehr zwischen Öffentlichkeit und Weißem Haus. Seit dem Wahlkampf, als zu dämmern begann, dass Clinton gegen Trump antreten wird, also auch etablierte Politik gegen einen Milliardär, der sich als Außenseiter und Stimme des Volkes gibt, weil er keine Konventionen achten muss, haben viele der Mainstreammedien ihre neutrale Position aufgegeben, sie sie sonst zu wahren suchten, und sich parteiisch in den Wahlkampf eingemischt. Das konnte und kann Trump ausbeuten, indem er immer wieder die Medien zu Feinden und zur Lügenpresse erklärt.

Dazu kommt, dass Donald Trump mit seinem Handelskrieg auch direkt die US-Printmedien gefährdet. Die Auflagen der Zeitungen gehen freilich schon lange zurück, in den USA sind schon viele lokale Zeitungen geschlossen worden oder wurden von anderen übernommen. Das Zeitungssterben trifft vor allem die kleinen Tages- und Wochenzeitungen. Das hat Folgen, da damit ein regelmäßiger kritischer Blick auf die lokale Politik ausfällt. Da Trumps Zölle auch den Preis für Papierimporte aus Kanada erhöht haben, schrumpft die Gewinnspanne weiter, müssen Preise erhöht und Angestellte entlassen werden und verstärkt sich vermutlich das Zeitungssterben.

Nach einem aktuellen Pew-Bericht lässt sich zurecht auch ohne die direkte Mithilfe von Trump von einem sich beschleunigenden Zeitungssterben in den USA sprechen, das auch in Europa sich ähnlich ausbreiten dürfte. Aber das Sterben betrifft keineswegs nur die Printmedien, sondern alle Nachrichtenmedien. Allein zwischen 2008 und 2017 ist die Zahl der Angestellten in Nachrichtenmedien (Fernsehen, Print, Radio, Online) um 23 Prozent von 114.000 auf 88.000 gesunken.

Das verdanke sich vor allem dem Arbeitsplatz-Schwund in den Printmedien, wo die Zahl der Angestellten um 45 Prozent von 71.000 auf 39.000 eingebrochen ist, aber die übrigen Medien haben die Arbeitsplatzverluste nicht kompensiert. Online-Nachrichten wären die einzige Branche mit Wachstum. Hier stieg die Zahl der Angestellten um 79 Prozent von 7400 auf 13.000. Aber die 6000 neuen Jobs können die 32.000 verlorenen Jobs in den Nachrichten-Printmedien eben nicht ersetzen. Ist also auch der Nachrichtenjournalist eine aussterbende Spezies?

Immer stärken geraten auch die großen Zeitungen in die Krise. Ebenfalls nach Angaben von Pew hat mehr als die Hälfte der größten US-Zeitungen seit Januar 2017 bis Ende April 2018 Angestellte entlassen. 9 von 16 der Zeitungen mit einer Auflage von mehr als 250.000 haben Angestellte entlassen, von den 116 noch verbliebenen Tageszeitungen mit einer Auflage von mehr als 50.000 reduzierten 40 (36%) ihr Personal in der Zeitspanne, manche auch mehrmals hintereinander. Die größten Zeitungen haben also stärker Personal eingespart. Aber in dieser Zeit wuchs das Personal der Nachrichten-Onlinemedien nicht, 23 Prozent der von Pew untersuchten entließen ebenfalls Angestellte.

Mit den Nachrichtenmedien verschwindet auch der Beruf des Journalisten, die Berichterstattung wird zunehmend automatisiert, der Content durch Algorithmen erzeugt. Fragt sich, ob es dann noch eine kritische, investigative, aufklärerische Berichterstattung geben wird. (Florian Rötzer)

Anzeige