USA entsenden Truppen zur Luft- und Raketenabwehr nach Saudi-Arabien

Patriot-System in Saudi-Arabien. Bild: Qrmoo3/CC BY-SA-4.0

Die von Saudi-Arabien für Milliarden von US-Rüstungskonzernen gekauften Abwehrsysteme wurden von tief fliegenden Drohnen und Marschflugkörpern ausgehebelt, die Huthis bieten einen Waffenstillstand an und drohen ansonsten mit Angriffen auf viele Ziele auch in den Emiraten

Saudi-Arabiens für viele Milliarden US-Dollar mit westlichen Waffen hochgerüsteten Streitkräfte waren nicht in der Lage, einen Angriff mit Drohnen und vermutlich Raketen auf Aramco-Ölanlagen in Abqaiq and Khurais abzuwehren. Offenbar wurde der Angriff von den Radar- und Luftabwehrsystemen, darunter amerikanische Patriot-Systeme, nicht einmal bemerkt und kein Versuch gemacht, ihn abzuwehren. Gleich ob der Angriff vom Iran oder den Huthis mit iranischen Waffen oder selbst entwickelten der Huthis ausging, zeigt er die Verletzlichkeit Saudi-Arabiens und auch die Schwäche der amerikanischen Luftabwehr. Die Golfregion ist übersät mit US-Stützpunkten.

Die New York Times sieht den erfolgreichen Angriff auf die saudischen Ölanlagen, in deren Folge die Ölproduktion um die Hälfte einbrach, als Test für die amerikanische Garantie, die Golfregion zu verteidigen. Der Angriff habe gezeigt, dass es keinen ausreichenden Schutz vor tieffliegenden Drohnen und Marschflugkörpern gibt. Deren Zunahme mache viele der Luftabwehrsysteme obsolet.

Dass Donald Trump nicht auf den Angriff mit einem Militärschlag gegen den Iran antwortete, den die US-Regierung und Saudi-Arabien direkt verantwortlich machen, ohne dafür bislang mehr als Vermutungen zu bieten, werde, so die New York Times, von manchen in der Golfregion als Schwäche ausgelegt, er lasse seine Partner im Stich vor der "iranischen Aggression". Zwar erklärte er, dass die USA einsatzbereit seien, aber er hatte, vermutlich aus Wahlkampfgründen, einen vor der Ausführung stehenden Gegenschlag als Antwort auf den Abschuss einer US-Drohne angeblich noch in letzter Minute abgebrochen. Die Entlassung von John Bolton als Sicherheitsberater zeigte auch, dass Trump zwar auf maximalen ökonomischen Druck setzt, aber neue Kriege vermeiden will.

Esper: Angriff kam nicht aus dem Jemen

Offenbar sieht sich die US-Regierung nach dem erfolgreichen Angriff genötigt, militärisch zu reagieren, auch wenn dies erst einmal nur eine Erhöhung der in Saudi-Arabien stationierten Truppen betrifft. Verteidigungsminister Mark Esper sagte am Freitag, Donald Trump habe der Verlegung von US-Truppen zugestimmt, Saudi-Arabien und die Vereinten Arabischen Emirate hätten um Unterstützung gebeten.

Es gehe nicht um "Tausende" von Soldaten, sondern wahrscheinlich um hunderte. Bislang sind 500 US-Soldaten in Saudi-Arabien stationiert. Es sei eine "defensive" Maßnahme, betonte Esper, die vor allem die Luft- und Raketenabwehr betreffe, die ausgehebelt wurden. Damit begibt sich das Pentagon aber auch in die Situation, bei einem nächsten nicht abgewehrten Angriff gänzlich zu blamieren. Esper erklärte, man sei sich nun sicher, dass der Drohnenangriff nicht aus dem Jemen kam.

Donald Trump behauptete am Freitag, er könne einen Gegenschlag "in jeder Minute" anordnen. Seine Zurückhaltung müsse man als Stärke sehen.

Allerdings scheut auch Saudi-Arabien eine militärische Konfrontation mit dem Iran und verlangt eine internationale Untersuchung des Angriffs. Dafür wurden mit dem Bruch des Waffenstillstands von saudischen Bombern Ziele nahe der Hafenstadt Hudeida am Donnerstag bombardiert.

"Wir werden niemals zulassen, dass ein Krieg auf iranisches Territorium übergreift"

Am Mittwoch zuvor hatte General Yahya Saria von der Huthi-Armee erklärt, man habe "zum ersten Mal Dutzende von Orten in unserer Liste von Zielen in den arabischen Emiraten, darunter auch Abu Dhabi und Dubai, die zu jeder beliebigen Zeit angegriffen werden können.

Am Freitag folgte dann durch Mahdi al-Masha, dem Präsidenten des höchsten politischen Rats und der Führer der von den Huthis und Teilen der früheren jemenitischen Armee kontrollierten Region, eine Art Friedensangebot, unterlegt mit weiteren Drohungen. Er kündigte an: "Wir werden Angriffe auf saudische Territorien mit Drohnen und Marschflugkörpern beenden und warten auf eine ähnliche oder sogar bessere saudische Ankündigung, alle Angriffe auf jemenitische Territorien einzustellen."

Und er rief alle am Krieg beteiligten Kräfte auf, in ernsthafte Verhandlungen über eine nationale Versöhnung einzutreten, die niemanden ausschließen. Gleichzeitig pries er die schnell verbesserten militärischen Fähigkeiten und insbesondere die bedeutenden Fortschritte bei der Luft- und Raketenabwehr der Huthis an. Man würde, wenn der Friedensaufruf nicht beantwortet werden, nicht zögern, "eine Zeit der großen Schmerzen" zu starten.

Ob damit koordiniert oder nicht, warnte auch Hassan Nasrallah, der Chef der Hisbollah, am Freitag Saudi- Arabien und den Vereinten Arabischen Emiraten, keinen Krieg zu beginnen, weil deren Häuser "aus Glas gemacht" seien. Wenn der Krieg im Jemen ohne Lösung in Aussicht fortgesetzt werde, werde man einen hohen Preis zu zahlen beginnen. Wenn schon ein Angriff die Hälfte der Ölproduktion ausgeschaltet hat, "was würde dann ein nächster tun?" Mehr US-Raketenabwehrsysteme zu kaufen, werde nichts helfen.

Und der Kommandeur der Revolutionsgarden Hossein Salami warnte wie gewohnt in drastischen und übertriebenen Worten, dass jedes Land, das den Iran angreift, zum "Hauptkampffeld" werden wird: "Wir werden niemals zulassen, dass ein Krieg auf iranisches Territorium übergreift." Auch eine "begrenzte Aggression" werde nicht begrenzt bleiben: "Wir werden bis zur völligen Zerstörung eines jeden Aggressors gehen." Das gleicht dann schon den Drohungen Trumps. (Florian Rötzer)