USA erlauben Waffenexport nach Vietnam

Spratly- und Paracel-Inseln. Karte: CIA.

Obama bestreitet einen Zusammenhang mit der amerikanischen Chinapolitik und will Hiroshima den Historikern überlassen

Vor über 41 Jahren, am 1. Mai 1975, endete der Vietnamkrieg, der den USA nicht nur die einzige dauerhafte Niederlage des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein nationales Trauma bescherte, dass auch heute noch in Serien wie Fargo seinen Niederschlag findet.

Weil es in Vietnam auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion keinen Systemwechsel gab, hielten die USA trotz einer ähnlichen Entwicklung des Landes wie in China auch in den 1990er und 2000er Jahren noch relative Distanz zu Vietnam, nahmen erst 1995 diplomatische Beziehungen auf und erlaubten bis jetzt keine Exporte von Waffen dorthin.

Erst jetzt hat US-Präsident Barack Obama bei einem Besuch in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi verkündet, dass das Exportverbot gelockert wird. Seinen Worten nach hat diese Entscheidung nichts damit zu tun, dass es wegen des Streits um Inselgruppen im chinesischen Meer neue Spannungen zwischen China und den USA gibt.

In diesem Inselstreit geht es unter anderem um die Spratly-Inseln - insgesamt etwa 100 meist sehr kleine, aber über eine relativ große Wasserfläche verstreuten Landerhebungen. Die größte davon, Taiping Dao, umfasst gerade einmal 0,5 Quadratkilometer. Trotzdem streiten sich sechs Staaten um diese Riffe und Atolle: China, Vietnam, Taiwan, Malaysia, Brunei und die Philippinen. Das Interesse resultiert zum einen aus der Rolle der Inseln für die Kontrolle über die Schifffahrt und zum anderen aus Öl- und Gasvorkommen, die unter Wasser lagern könnten.

Mit Ausnahme von Brunei haben alle diese Mächte auf den Inseln Truppen stationiert und bauliche Anlagen wie Landebahnen errichtet: Die Philippinen im nordöstlichen Teil auf den Inseln Thitu, Likas, Parola, Lawak und Kota, Malaysia auf Layang-Layang und einigen Riffen im Südosten und Taiwan auf Taiping Dao und dem Zhongzhou-Riff im Norden. Vietnam und China unterhalten mehrere Stützpunkte über den gesamten Inselbereich hinweg.

Im letzten Jahr schüttete China auf der Yongshu-Jiao-Insel Landebahnen auf, auf denen im Januar ein Airbus und eine Boeing 737 erfolgreiche Testlandungen absolvierten. Danach bemühte sich die vietnamesische Regierung Medienberichten nach deutlich stärker um eine Verbesserung des Verhältnis zu den USA als vorher.

China und Vietnam streiten sich außerdem um die nördlich der Spratlys gelegenen Paracel-Inseln. Nachdem China in der Nähe dieser Inseln und 120 Seemeilen vor der vietnamesischen Küste mit dem Bau einer Ölbohrplattform begann, kam es 2014 zu einer Art Seeschlacht ohne Kanonen, bei der sich Schiffe der beiden Konfliktparteien rammten. Die vietnamesische Regierung genehmigte danach Demonstrationen, bei denen es in einem Industriegebiet in der Provinz Binh Duong zu Hunderten Plünderungen und bis zu 15 Brandstiftungen kam. Opfer waren nicht nur chinesische Unternehmen, sondern auch auch solche aus Taiwan und Südkorea (vgl. Vietnamesen zünden chinesische Fabriken an).

Obama überlässt Hiroshima den Historikern

Von Vietnam aus fliegt Obama weiter zum G7-Gipfel nach Japan, wo er im Anschluss die 1945 durch eine Atombombe verwüstete Stadt Hiroshima besucht. Dem japanischen Fernsehsender NHK sagte er bereits vorab, dass er dabei keine amerikanische Entschuldigung für diesen Kriegsakt abgeben werde. Die Bewertung des Atombombenabwurfs will der US-Präsident lieber Historikern überlassen.

Die sind sich uneins, ob der Abwurf im August 1945 militärisch sinnvoll war: Ein Teil argumentiert, dass die Kampfbereitschaft der japanischen Truppen auf den vorher eroberten Inseln den Rückschluss erlaubte, dass ein vollständiger militärischer Sieg über das Kaiserreich mit konventionellen Mitteln, nicht nur 250.000 amerikanischen Soldaten, sondern auch deutlich mehr japanischen Zivilisten das Leben gekostet hätte, als in Hiroshima und Nagasaki starben.

Dort erlagen Siebzig- bis Hunderttausend den direkten Auswirkungen des Abwurfs und weitere Neunzig- bis Hundertsiebzigtausend den Spätfolgen. Bei der Eroberung der von 450.000 Japanern bewohnten Insel Okinawa mit konventionellen Mitteln waren vorher 12.510 GIs, 107.000 japanische Soldaten und 42.000 bis 122.000 Zivilisten gestorben - viele davon durch Selbstmord. Das Pentagon schätzte anhand der dort gemachten Erfahrungen, dass eine komplette Eroberung Japans mit konventionellen Mitteln sieben der damals insgesamt 65 Millionen Japanern das Leben kosten würde.

Andere Geschichtswissenschaftler glauben dagegen, dass Japan auch ohne den Einsatz von Atombomben bald kapituliert hätte und dass man "Big Man" und "Little Boy" vor allem deshalb abwarf, um Stalin davon abzuhalten, sein Einflussgebiet weiter auszudehnen. (Peter Mühlbauer)