USA greifen syrischen Luftwaffenstützpunkt an

Abfeuern einer Tomahawk vom US-Zerstörer USS Ross, 7.April 2017. Bild: Pentagon

Von Kriegsschiffen im Mittelmeer aus wurden Marschflugkörper auf den Flughafen Shayrat abgefeuert. Die politischen Adressaten sind Baschar al-Assad und Russland

Der US-Präsident, der seinen Wählern versprochen hatte, sich aus militärischen Abenteuern herauszuhalten, hat einen Angriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt befohlen.

In der Nacht zum Freitag wurden von den Zerstörern USS Porter und USS Ross 59 Marschflugkörper des Typs Tomahawk Land Attack Missiles auf den Flughafen Shayrat (auch: al-Schairat) in Syrien abgefeuert, wie das Pentagon meldet. Die Ziele waren Flugzeuge, Hangare, Lager, Luftabwehreinrichtungen und Radaranlagen. Verschiedene Nachrichten meldeten heute Morgen, dass auch syrische Soldaten den Angriffen zum Opfer fielen.

Begründet wurde der Angriff von Trump mit dem noch ungeklärten Chemiewaffen-Angriff in Chan Schaichun. Obwohl die genauen Umstände weiter unklar sind und auch, wer für die 70 Toten verantwortlich ist, erklärte der US-Präsident Baschar al-Assad zum Schuldigen, dem mit diesem Angriff Grenzen aufgezeigt werden müssten.

Heute Abend hab ich einen gezielten Angriff auf einen Luftwaffenstützpunkt in Syrien, von welchem der Chemiewaffen-Angriff geflogen wurde, befohlen. (…) Jahrelange vorhergehende Versuche, das Verhalten von Assad zu ändern, sind sämtlich gescheitert und zwar sehr dramatisch. Ergebnis war, dass sich die Flüchtlingskrise verstärkt und die Region sich weiter destabilisiert hat, was die USA und ihre Verbündeten bedroht.

Donald Trump

Russland sei über die Angriffe informiert worden, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Im Laufe des Tages werden offizielle Stellungnahmen der russischen und syrischen Regierung erwartet.

In einem Bericht des Spiegels wird der amerikanische Außenminister Tillerson damit zitiert, dass man in der amerikanischen Regierung "das Gefühl habe, der Angriff sei verhältnismäßig".

Aus seinen Worten geht zudem hervor, dass der überraschende Angriff nicht nur als Signal an Baschar al-Assad verstanden werden soll, sondern auch an Russland, das "in seiner Verantwortung gescheitert sei". Dabei verwies er laut Spiegel auf Zusagen Russlands, chemische Waffen in Syrien zu sichern und zu zerstören.

Laut einem einem UN-Bericht vom 5. März war die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erst dabei zu überprüfen, ob die syrische Armee noch über Chemiewaffen verfügt.

Die Begründung für den militärischen Angriff auf syrisches Gebiet ist abenteuerlich, nicht auf belastbare Fakten gebaut, das Risiko, dass dies zu einer weiteren Destabilisierung führt, ist groß, nicht nur wegen der Konfrontation mit Russland, das die Schutzmacht Syriens ist. Profitieren dürften zumindest zunächst die Dschihadisten. Trump hatte angekündigt, stärker gegen den IS und radikale Islamisten vorzugehen.

Ergänzung:

Putin halte den Angriff für einen "völkerrechtswidrigen Akt der Agression gegen einen souveränen Staat", so der Sprecher des Präsidenten Dmitri Peskow. Syrien verfüge über keinerlei Chemiewaffen, da alle Bestände gemäß der Vereinbarung mit der OPCW vernichtet seien. Washington verschlechtere mit dem Schritt die ohnehin schlechten Beziehungen zwischen den USA und Russland "substantiell".

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