USA haben mit der Produktion kleinerer, U-Boot gestützter Atomwaffen begonnen

Abschuss einer Trident-Rakete. Bild: DoD

Angeblich soll damit durch Abschreckung ein Atomkrieg verhindert werden, aber nach dem letzten Nuclear Posture Review sollen Atomwaffen auch als Reaktion auf nicht-nukleare Angriffe eingesetzt werden können

2018 wurde im letzten Nuclear Posture Review (NPR) des Pentagon, dessen Vorlage US-Präsident Donald Trump 2017 angefordert hatte, eine Doktrin vorgelegt, nach der Atomwaffen leichter eingesetzt werden können, auch als Reaktion gegen "bedeutsame nicht-nukleare Angriffe". So wurden die Szenarien zum Einsatz von Atomwaffen erweitert, zudem sollen nukleare und konventionelle Kriegsführung stärker integriert werden, vor allem aber lag die Forderung nach neuen, kleineren Atomwaffen auf dem Tisch (Im Taumel des Wettrüstens).

Gefordert wurden taktische Atomwaffen mit geringerer Sprengkraft, die auch unterhalb der Atomkriegsschwelle eingesetzt werden können (Pentagon: Geforderte Mini-Nukes nicht als Antwort auf einen Cyberangriff). Allerdings verfügte das Pentagon über taktische B61-Atombomben, wie sie u.a. auch in Deutschland aufgrund der "nuklearen Teilhabe" stationiert sind. Die kleinsten Bomben haben eine Sprengkraft von 0,3 kt, 50 Mal weniger als die Atombomben, die Hiroshima und Nagasaki zerstörten. Kleinere Atomwaffen müssten vorhanden sein, so die Begründung, um Gegner davon abzuschrecken, kleinere Atomwaffen einzusetzen. Das würde das Risiko eines Atomkriegs senken, stellt aber eine Aufrüstung im nuklearen Wettrüsten dar.

Im Vordergrund stand, die Sprengköpfe der Trident-Marschflugkörper, die von U-Booten abgefeuert werden, zu verkleinern, um eine "a low-yield option" zu ermöglichen. Vorgesehen war, die Sprengkraft der neuen W76- und W88-Sprengköpfe, die auf U-Booten eingesetzt werden, von 100 und 455 kt auf 5 kt zu reduzieren. Das war technisch relativ einfach und sollte schnell geschehen, so dass sie noch unter der Präsidentschaft von Trump zur Verfügung stehen.

Als Vorteil wird im NPR angeführt, dass die neuen Sprengköpfe für die U-Boot gestützten ballistischen Trident-Interkontinentalraketen einige Vorteile hätten. Sie würden nicht die Unterstützung einer anderen Regierung verlangen, wie dies bei der nuklearen Teilhabe der Fall ist, allerdings könnten B-2-Bomber für die B61-Atombomben jederzeit auch von den USA starten. Die neuen Bomben würden zudem unterschiedliche Angriffs- und Reaktionsmöglichkeiten eröffnen (Flexibilität) und als Bunkerbrecher dienen.

Nach einer Mitteilung der National Nuclear Security Agency wurde nun mit der Produktion der neuen Sprengköpfe W76-2 begonnen. Bis zum Ende des Haushaltsjahrs 2019 sollen sie bereits an die US-Marine geliefert werden. Offen bleibt, wie viele das sein werden. Gleichzeitig wurde gemeldet, dass die W76-1-Sprengköpfe "modernisiert" wurde, so dass sie jetzt eine Lebenszeit von 60 anstatt von 20 Jahren haben.

Allerdings gibt es auch bei den demokratischen Abgeordneten Widerstand gegen die kleineren Sprengköpfe, die nach ihrer Ansicht das Risiko eines Atomkriegs erhöhen, weil sie eher etwa als Bunkerbrecher eingesetzt werden können, aber auch, weil sie erst einmal als Trident-Rakete ununterscheidbar sind von denen mit einer höheren Sprengkraft. Adam Smith, der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses, sagte, er würde die weitere Finanzierung von W76-2 gerne verhindern. Ende 2018 hatte er bereits eine völlige Überarbeitung des NPR gefordert.

Nach einem eben veröffentlichten Bericht des Congressional Budget Office laufen die Kosten der geplanten Modernisierung der Atomwaffen weiter davon. Bis 2028 würden 494 Milliarden US-Dollar investiert werden müssen, 94 Milliarden mehr als die Schätzung aus dem Jahr 2017, 50 Milliarden jedes Jahr. Mit mehr als 100 Milliarden wird die Produktion der kleineren Sprengköpfe W76-2 veranschlagt. (Florian Rötzer)