USA haben neue Atombombe B61-12 getestet

Test der neuen Atombombe. Bild: NNSA

Mit der taktischen bunkerbrechenden Atombombe sollen Ziele genauer und mit weniger Sprengkraft zerstört werden, was die Einsatzschwelle senkt

Während der erste Abwurf der "Mutter aller Bomben" in der Nähe der Tora-Bora-Höhlen die Aufmerksamkeit auf sich zog (US-Militär wirft stärkste nicht-nukleare Bombe auf Ziel in Afghanistan ab), hat das Pentagon vor einem Monat eine weitere "Premiere" durchgeführt. Am 14. März (nicht wie hier zunächst geschrieben wurde, am 14. April) fand ein Flugtest der in Entwicklung befindlichen bunkerbrechenden Atombombe B61-12 statt, wie erst am Donnerstag berichtet wurde.

Ungewiss ist, welche Folgen der Abwurf der MOAB (GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast) wirklich hatte. Das Pentagon meldet natürlich Erfolg. Es seien keine Zivilisten getötet worden - es soll sowieso nur noch eine Familie in dem Tal gelebt haben -, aber angeblich sollen 36 IS-Kämpfer getötet worden sein, teilte das afghanische Militär mit. Andere sprechen von mehr als 80. Die Bombe wurde während einer Offensive gegen den IS in dem Achin-Gebiet in Nangarhar in der Nähe der pakistanischen Grenze abgeworfen.

Es dürfte sich vor allem um eine Demonstration gehandelt haben, vielleicht auch mit Blick auf Nordkorea oder den Iran, um zu zeigen, dass auch unterirdische Ziele angegriffen und zerstört werden können. Für Donald Trump war es wieder einmal eine "sehr erfolgreiche Aktion". Ein Sprecher des CentCom sagte der Zeitung The Hill: "We mean business. President Trump said prior that once he gets in he's going to kick the S-H-I-T out of the enemy. That was his promise and that’s exactly what we’re doing."

Es wird also mal draufgehauen, auch um sich von dem eher vorsichtigen Vorgehen von Vorgänger Obama zu unterscheiden, der eher auf Drohnen und verdeckte Operationen setzte. Unter Trump darf das Militär wie schon unter Bush/Cheney wieder die Handschuhe ausziehen.

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Testabwurf 2015. Bild: NNSA

Aufwärts geht es auch mit der "Modernisierung" der Atomwaffen. Die National Nuclear Security Administration (NNSA) des Energieministeriums, das für die Atomwaffen zuständig ist, hat am 14. März einen ersten qualifizierenden Flugtest für die B61-12-Atombombe in Nevada durchgeführt. Die NNSA berichtete erst am Donnerstag davon, was wohl auch einen Fingerzeig bedeuten soll. 2015 waren die ersten Tests durchgeführt worden, das Konzept geht auf die Zeit der Präsidentschaft von George W. Bush zurück (Mini-Nukes gegen Schurkenstaaten).

Die kleine, 3,7 m lange ballistische oder gelenkte Atombombe, die als taktische Waffe gilt und unterhalb der Schwelle eines Atomkriegs eingesetzt werden kann, wurde von einer F-16 abgeworfen. Dabei sei es um die Bewertung der "nicht-nuklearen Funktionen" der Bombe und die Möglichkeit gegangen, dass das Flugzeug die Bombe abwerfen kann. Vermutlich werden Atombomben dieser Art auch auf den Luftwaffenstützpunkt in Büchel gebracht, um die alten B-61 zu ersetzen (80 Mal Hiroshima in der Eifel).

Es werden weitere Tests folgen, um die Einsatzfähigkeit der Bombe zu gewährleisten, die genauer als die Vorläufer sein und trotz geringerer Sprengkraft mehrere Meter in den Boden eindringen soll, weswegen sie auch als "Mini-Nuke" gilt (Es gibt keine harmlosen Mini-Nukes). Der "realistische Test" demonstriere, so Brigadegeneral Michael Lutton vom NNSA, "die anhaltende Sorge der Nation für unsere nationale Sicherheit und die unserer Alliierten und Partner". Ab 2020 soll die erste Produktion der neuen Atombomben abgeschlossen sein. Der Spaß wird den amerikanischen Bürger um die 9 Milliarden US-Dollar kosten, wie letztes Jahr geschätzt wurde.

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