USA streichen Kuba von der Terrorliste

Mit der Kuba-Krise eskalierte 1962 der Kalte Krieg, jetzt könnten sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern normalisieren

Nach 33 Jahren haben die USA Kuba von ihrer Terrorliste gestrichen. Diese Handlung ist Ausdruck der Annäherung zwischen Washington und Havanna, die seit Ende des vergangenen Jahres im Gange ist und zu einer Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten führen soll. Präsident Obama hatte diese neue Initiative bereits auf dem Amerika-Gipfel in Panama-City angekündigt. Was immer man von dieser seltsamen Terrorliste halten mag, auf der noch die Syrien, Iran und Sudan stehen, dem US-Präsidenten scheint es ernst mit seiner Absicht.

Am 17. April 1961 scheiterte Washington mit dem Versuch, die sozialistische Revolution, die Fidel Castro drei Jahre zuvor aufgerufen hatte, durch eine von der CIA geplanten, aber dilettantisch durchgeführten Invasion zu beseitigen. Die Landung von 1400 Exilkubanern an der Schweinebucht endete in einem Fiasko und einer Demütigung Washingtons. Die gescheiterten Konterrevolutionäre hatten damals nicht die geringste Chance eines Erfolges.

Die CIA hatte diese nach einem Training in Nicaragua lediglich mit leichten Waffen ausgestattet die Unterstützung durch die US Air Force, die zunächst zugesagt war, wurde dann von Präsident Kennedy im letzten Moment zurückgenommen. Bei den in Miami ansässigen Gegnern Castros, die dort vor der Revolution Zuflucht gefunden hatten, schlug dem Präsidenten der USA Hass und Abneigung entgegen. Die Gerüchte wollten nie verstummen, wonach der tödliche Anschlag von Dallas, für den man verzweifelt Lee Harvey Oswald als Einzeltäter verantwortlich zu machen versuchte, von Geheimbünden verbitterter Exilkubaner, in Kooperation mit Elementen der CIA, ausgeführt wurde. Im Oktober 1962, als die beiden Supermächte nach der Stationierung sowjetischer Raketen auf der Zuckerinsel am Rande eines Atomkrieges standen, eskalierte der Kalte Krieg. Es war den Überlebensinstinkten von Nikita Chruschtwow und John F. Kennedy zu verdanken, dass es bei dem damaligen Konflikt nicht zu einer nuklearen Apokalypse kam.

Während es der CIA und den von ihr finanzierten Contra-Gruppen immer wieder gelungen war, in der Hemisphäre der USA, in deren geographischem Hinterhof, wie man früher in Washington sagte, ob in Guatemala, El Salvador, Nicaragua, Kolumbien, Uruguay oder Chile, eine radikalsozialistische Transformation zu ersticken, gelang es, nicht eine kubanische Massenbewegung gegen Fidel Castro zu initiieren oder gar den Maximo Lider durch vergiftete Zigarren oder andere Maßnahmen ins Jenseits zu befördern.

Trotz aller Fehlentscheidungen und Rückschläge verfügt Fidel weiterhin über ein gewaltiges Prestige bei den Kubanern, wenn auch von der Revolutions-Euphorie früherer Tage nichts mehr zu spüren ist. Auch wenn er im Februar 2009, nach 50jähriger uneingeschränkter Alleinherrschaft, seinem Bruder Raoul die Macht übergab, behält Fidel aber doch noch die Fäden der Macht in der Hand. Raoul, fünf Jahre jünger als Fidel, besitzt nicht das Charisma seines Bruders und genießt auch nicht die Zuneigung, die viele Kubaner noch immer für diesen empfinden. Dafür ist seine Amtsführung von einem höheren Maß an Pragmatismus geprägt, und weniger von ideologischen Dogmen.

Elf amerikanische Präsidenten hat Fidel Castro im vergangenem halben Jahrhundert überlebt, aber seit dem letzten Machtwechsel im Weißen Haus ahnte dieser politische Machtmensch wohl, dass sich in dem übermächtigen Nachbarland mit dem Amtsantritt Obamas ein politischer Machtwechsel vollzogen hatte, welcher für die Stabilität seines maroden Regimes gefährlich werden könnte.

Es war ja auch viel leichter, gegen einen Präsidenten vom Schlage George W. Bush Front zu machen, der selbst bei seinen eigenen Landsleuten in Verruf gekommen war, als gegenüber Obama, dem die ganze Welt zu Füßen lag und der sehr viel schneller, als man in Havanna erwartete, auch gegenüber Kuba eine großzügige Kursänderung andeutete und offenbar auf die überflüssigen Blockademethoden verzichten wollte. Eine solche Lockerung und Öffnung - das spürte der gealterte Revolutionär Fidel instinktiv - würde sich für die Selbstbehauptung des von ihm errichten Zwangsregimes weit negativer auswirken als die ermüdenden Wirtschaftsschikanen, in die sich die Neokonservativen verrannt hatten.

Sollten sich die Reisebeschränkungen lockern, könnte sich die paradoxe Zuneigung vieler Kubaner- für den Lebensstil der "Yankees", man denke nur an die Leidenschaft für das Baseball-Spiel, neu entflammen. Die Attraktivität und Verführungskraft der nordamerikanischen Konsumgesellschaft, gerade angesichts der kubanischen Mangelökonomie, würde ein Übriges tun. Andererseits ist die Frage erlaubt, ob die latente Bewunderung des "American way of Life" nicht kompensiert wird durch eine unaufhaltsame Kubanisierung und Hispanisierung Floridas, die durch die großen karibischen und mittelamerikanischen Migrantenkolonien dort bereits weit vorangeschritten ist und im Falle einer Grenzöffnung neue Dimensionen erreichen würde.

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