USA wollen auch in der Arktis militärisch präsent sein

US-Zerstörer Oscar Austin in der Arktis. Bild: US Navy

Nachdem Russland seine Stützpunkte ausgebaut hat, soll nun das US-Militär auch mit einer arktischen Strategie und einem strategischen Hafen oder mehreren die amerikanischen Interessen demonstrieren

Russland ist besonders sensibel. Kein anderes Land hat eine so lange Küste an der Arktis - und damit eine offene Grenze in Zeiten der Klimaerwärmung. Dazu kommt, dass das auftauende Eis nicht nur die ganzjährige Passage für den zivilen und militärischen Schiffsverkehr im Norden eröffnet, sondern auch die Ausbeutung der gewaltigen Ressourcen des arktischen Meers. Russland hat frühzeitig, und auch noch während des Konflikts mit der Nato in der Ukraine und überhaupt im Osten, seine Stützpunkte in der Arktis ausgebaut und seine Ansprüche damit wehrhaft angemeldet.

Es hat lange gebraucht, bis die USA und die Nato auf das russische Vorpreschen reagiert haben. Letztes Jahr wurde auf der bislang größten Nato-Übung Trident Juncture, die vor allem in Norwegen stattfand, auch ein Einsatz in der Arktis und natürlich gegen Russland dort geübt (Geht es bei der Nato-Übung Trident Juncture um die Arktis?, siehe auch: Norwegen, Russland und ein Spion, der sich erwischen ließ). Vizeadmiral Lisa Franchetti, Kommandeurin der 6th Fleet und der Naval Striking and Support Forces NATO, war bei Trident Juncture dabei und sagte, man habe dabei gelernt, "am Ende der Logistikkette" in der Arktis zu arbeiten. Man habe viel erfahren dabei. Darum ging es wohl auch, weil man seit den frühen 1990er Jahren dort nicht mehr im Einsatz gewesen sei.

Die Anrainerstaaten USA. Kanada, Island, die EU mit Dänemark, Schweden und Finnland, Norwegen und Russland mit der längsten Küste, die sich über 11000 km erstreckt, streiten sich über ihre Anteile und Rechte. Vor allem geht es dabei um den 1800 km langen und bis zu 200 km breiten Lomonossow-Rücken. Russland hatte hier seine Ansprüche auf den gesamten Rücken, den es als Erweiterung des russischen Kontinentalschelfs sieht, in einer symbolischen Aktion 2007 geltend gemacht, als mit ferngesteuerten U-Booten die russische Flagge in einer Tiefe von 4200 Metern gesetzt wurde. Aber Russland beansprucht auch den Mendelejew-Rücken für sich.

Der Kampf um die Arktis, ihre Ressourcen und geopolitischen sowie militärischen Vorteile, könnte zu einem der wichtigsten und gefährlichsten Konflikte werden. Mit dem Ukraine-Konflikt, der Eingliederung der Krim und dem Krieg in der Ostukraine haben sich hier die geopolitischen und militärischen Interessen von USA/Nato und Russland gezeigt, was zu einer Aufrüstung in den östlichen Nato-Staaten führte. Möglicherweise hat der Ukraine-Konflikt aber verdeckt, dass Russland ungebremst seine auch militärische Präsenz in der Arktis weiter ausbaute. Die arktische Küste ist eine lange, ungeschützte Flanke, die kontrolliert werden soll, dazu geht es um die Sicherung der Seewege und der gigantischen Ressourcen an Öl und Gas, Metallen und Mineralien (Es geht nicht um die Ukraine, sondern um die Arktis).

Russische U-Boote in der Arktis. Bild: mil.ru

Im April 2014 hatte Putin im Schlagschatten des Ukraine-Konflikts erklärt, dass die von Russland beanspruchten Gebiete in der Arktis eine überragende strategische Bedeutung für die nationale Sicherheit hätten: militärisch, politisch, wirtschaftlich, technisch sowie für die Umwelt und die Ressourcen. Er kündigte er den Ausbau der militärischen Infrastruktur und der Militärpräsenz an (Russland baut massiv die Militärpräsenz in der Arktis aus).

Militärische Präsenz, um diese Region "friedlich und konfliktfrei" zu halten

Nach dem Willen von amerikanischen Senatoren soll nun auch die USA ihre militärische Präsenz in der Arktis deutlicher machen. So hat der Senatsausschuss für die Streitkräfte einen Zusatz in dem gerade verhandelten Haushaltsgesetz für das Pentagon (NDAA) in Höhe von 750 Milliarden US-Dollar eingefügt, nach dem ein strategischer Militärhafen in der Arktis gebaut werden soll (Department of Defense Strategic Arctic Ports). Als Problem wird auch gesehen, dass die USA bislang nur einen funktionsfähigen Eisbrecher besitzen, während Russland Dutzende hat.

Die U.S. Coast Guard und die U.S. Navy haben im April einen Auftrag über 750 Millionen US-Dollar für die Entwicklung und den schnellen Bau eines neuen Eisbrechers vergeben. Geplant sind mindestens zwei weitere, was die Investitionen, sofern der Kongress dies befüwortet, auf 1,9 Milliarden US-Dollar anwachsen ließe. Im Mai hatte Sicherheitsberater John Bolton mit Verweis auf den neuen Eisbrecher angekündigt, dass die Vorherrschaft der USA in der Arktis wiederhergestellt werden müsse, um den Einfluss von Russland, aber auch von China zurückzudrängen. Russland hat zuletzt im Mai den Eisbrecher "Ural" mit Nuklearantrieb zu Wasser gelassen.

Der republikanische Senator Dan Sullivan begründete das Ziel, einen strategischen Hafen oder auch mehrere in der Arktis zu bauen damit, dass dies zeige, dass die USA eine arktische Nation sind und zunehmendes Interesse haben an "diesem Bereich der Welt, der zu einem strategischen Engpass der Konkurrenz zwischen den Großmächten wurde". Die USA müssten hier militärisch präsent sein, um diese Region "friedlich und konfliktfrei" zu halten. Entwickelt werden müsste eine "arktische Strategie", im Pentagon soll die Stelle eines Stellvertretenden Staatssekretärs dafür geschaffen werden.