"Üben Sie den Gebrauch von Werkzeugen aus der Frühsteinzeit!"

Lebensmittel und andere Produkte werden teurer, die Arbeit billiger - das könnte eine gute Nachricht sein, wenn wir den Wechsel mit gestalten

In den 1840er Jahren erlebte Irland eine Hungersnot, die nach allgemeiner Geschichtsschreibung vor allem durch den drastischen Ausfall der Kartoffelernten verursacht wurde. Die Folgen waren verheerend: Wer nicht starb, versuchte auszuwandern. Die Bevölkerung schrumpfte innerhalb weniger Jahre von mehr als 8 Millionen Menschen im Jahre 1840 auf weniger als 7 Millionen im Jahre 1850 und wenig mehr als 4 Millionen beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Aber eines scheint dabei schwer nachvollziehbar: Was würden Sie machen, wenn es ab morgen keine Kartoffeln mehr im Supermarkt gäbe?

Sicherlich nicht verhungern wie die Iren damals. Sie würden vermutlich mehr Reis und Nudeln essen, vielleicht mehr Brot. Sonst würde Ihr Konsum nicht unbedingt tangiert. Und selbst wenn europäische Äcker keine Kartoffeln mehr hergäben, könnte man sie problemlos aus Südamerika importieren, falls die Pest nicht global wäre - dank des globalen freien Handels hätten die Südamerikaner unter Umständen das Nachsehen bei den eigenen Ernten, weil wir mehr zahlen könnten. Sie müssten exportieren, ob sie wollten oder nicht, sofern Großlandbesitzer die Kontrolle über die Ernten haben.

Das war vor knapp 170 Jahren in Irland nicht anders, denn die grüne Insel - damals der kranke Mann Europas - exportierte Lebensmittel während der Hungersnot (nicht ohne Widerstand) weiter an England. Bei früheren Hungersnöten auf der Insel wurden Häfen geschlossen, und der Export blieb im eigenen Land, um das Elend zu lindern. Doch 1844 hatte die irische Bevölkerung die Kontrolle über die eigene Produktion schon verloren.

Der freie Handel sollte Abhilfe schaffen. England hatte 1815 hohe Zölle gegen Getreideimporte, um die relativ teure inländische Produktion zu schützen: die sogenannten "Corn Laws". Als Lösung für die Not Irlands sollten diese Zölle eben abgeschafft werden, denn dann könnte Getreide aus aller Welt importiert werden - statt die irischen Ernten unter der Kontrolle englischer Großlandbesitzer zu nehmen.

Heute schützen sich die NAFTA-Länder und die EU ihre Agrarindustrien auf ähnliche Weise. Man sagt, dass eine irische Kuh heute mehr finanzielle Zuwendung aus EU-Töpfen bekommt als ein Afrikaner südlich der Sahara, und manche Kritiker spotten, die Entwicklungshilfe könne man großflächig runterfahren, wenn die Agrarsubventionen der EU abgeschafft würden.

Die Corn Laws wurden zwar 1846 abgeschafft, damit England von überallher leichter importieren konnte. Wichtig ist, dass der freie Handel damals als neue Lösung vorgeschlagen wurde - die Idee war also progressiv. Man dachte, theoretisch müsste der freie Handel helfen, denn Zölle waren offensichtlich problematisch. Die Zeitschrift The Economist wurde sogar 1843 gegründet, um die Corn Laws anzuprangern. Die allgemeine Einsicht wuchs damals in England, dass die Zölle unzeitgemäß waren. In einem Gedicht von 1833 beschrieb Ebenezer Elliott in seiner politischen Lyriksammlung The Splendid Village: Corn Law Rhymes and Other Poems die Einstellung:

WHAT IS BAD GOVERNMENT?

WHAT is bad government, thou slave,
Whom robbers represent?
What is bad government, thou knave,
Who lov'st bad government?

It is the deadly Will, that takes
What labour ought to keep;
It is the deadly Power, that makes
Bread dear, and labour cheap.

Elliot war Stahlhändler, der sich für die Arbeiter und gegen die Großlandbesitzer einsetzte. Die Zeile "what labour ought to keep" könnte von Karl Marx stammen. Den Vorwurf in der folgenden Zeile, Brot muss billig sein und Löhne hochgehalten werden, könnten heute viele deutsche Politiker (nicht nur Lafontaine) über die Lippen bringen. Aber Lafontaine & Co. würden den freien Handel nicht propagieren, unter anderem, weil man heute - im Gegensatz zu Elliot 1833 - weiß, wie der freie Handel in der Praxis aussieht.

Man ahnte damals, dass England als fortgeschrittenste Industrienation der Welt den offenen Kampf mit dem Ausland bestehen würde, aber es gab wenig Erfahrung damit. Die Abschaffung der Corn Laws reichte aber leider nicht, um Irland aus der Krise zu retten, denn das Land war schon zu tief gesunken. Die Iren konnten gegen die Konkurrenz im offenen Kampf zwischen den Nationen nicht bestehen. So ging die Abwanderung gut ein Jahrhundert weiter, bis die EU Irland zum "keltischen Tiger" mit üppigen Subventionen machte - nicht gerade das, was man unter "offenem Wettbewerb" versteht.

Der Economist ist seitdem zum ersten Nachrichtenblatt Englands avanciert und propagiert nach wie vor den Abbau staatlicher Interventionen. Heute argumentieren deutsche Politiker, dass Deutschland auf den Sektor der gut bezahlten Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor und in der Forschung neuer Technologien setzen müsse. Das Brot ist beispielsweise relativ zum verfügbaren Einkommen immer billiger geworden, während deutsche Arbeitnehmer im globalen Wettbewerb zu teuer sind - deshalb die Flucht in konkurrenzlose Sektoren.

Heute gehen Mexikaner auf die Strasse, um gegen Maisexporte zu protestieren; da der Mais zunehmend in den USA zur Ethanolproduktion benötigt wird. Das NAFTA-Mitglied kann sich schlecht schützen, denn die Verträge sind unterschrieben. Die Kanadier haben zwar riesige Gas- und Ölschiefervorräte, können diese aber nicht für sich behalten, wenn der inländische Verbrauch die Produktion übersteigt, denn NAFTA verbietet dies. Allein Privatfirmen entscheiden heute über solche Ressourcen. Die Regierungen vieler Länder haben solche Befugnisse an Privatfirmen abgetreten. Nur manche Länder leisten Widerstand - wie z.B. Bolivien, wo die Menschen auf die Strasse gegen Gasexporte gegangen sind und die Produktion verstaatlicht worden ist.

Anders als 1840 steigen die Preise heute aufgrund des freien Markts - hohe Zölle oder Steuern sind nicht an den aktuellen Preissteigerungen schuld. Vielmehr klettern die Preise in die Höhe, weil die Nachfrage das Angebot im globalen Markt übersteigt. Der freie Handel kann nicht die Lösung sein, wenn Zölle nicht das Problem sind.

Seit einigen Jahren wird das Öl immer teurer, weshalb man die Biomasse zunehmend als Energiequelle sieht. Doch die damit verbundenen Probleme sind unübersehbar. Schon heute steigen die Preise für Weizen weltweit auf Rekordhöhen.

Die globale Produktion von Weizen (oben in Millionen Tonnen) scheint ihren Zenith schon überschritten zu haben, denn sie kann seit 5 Jahren mit der steigenden Nachfrage nicht mehr Schritt halten. Die Folge: Vorräte werden abgebaut, Preise steigen. In den letzten 10 Jahren hat sich der globale Vorrat an Weizen halbiert und entspricht nur noch etwa dem Konsum von 2 Monaten. Wenn alles so weitergeht, lebt die Welt 2017 sozusagen von der Hand in den Mund. Quelle der Daten: USDA

Früher hätte man die Produktion erhöht, aber anscheinend gelingt uns das nicht mehr. In der sogenannten "Grünen Revolution" wurden Unmengen an Dünger und damit an Energie auf die Felder verstreut. Wenn aber die Energie knapp wird, können wir nicht mehr so viel Düngermittel (aus knapper werdendem Erdgas) verwenden, und Traktoren werden teurer im Betrieb. Hinzu kommen die generelle Erosion der Böden und die Dürren, die vor allem Australiens Kornkammer zu schaffen machen - dort hat sich die Weizenproduktion in den letzten vier Jahren mehr als halbiert. In diesem Sinne sagte britische Zeitung The Telegraph neulich:

That means that the "green revolution" of the 1970s and 1980s, which saw yields soar, is over.

Auch Umweltschützer und Verfechter der erneuerbaren Energien machen sich über den Kampf zwischen Energie & Essen Sorgen. In der November-Ausgabe des Greenpeace Magazins wird berichtet, der gestiegene Preis für Weizen würde ein Brötchen nur 1 Cent teurer machen. Laut der Oktoberausgabe der Zeitschrift neue energie macht das 13,1 Cent pro Kilo Brot - statt 7,5 Cent letztes Jahr. Klingt nicht nach viel, aber beide Zeitschriften sind besorgt, denn die Tendenz ist klar: Öl und Essen wird teuer.

Gleichzeitig leiden die westlichen Länder an Arbeitslosigkeit, und selbst die, die Arbeit haben, kämpfen zunehmend gegen Löhne und Gehälter in ärmeren Ländern. Wir steuern also auf eine neue Welt zu, in der Brot teuer und Arbeit billig (= Löhne niedrig) sein werden - die Welt, die Elliot befürchtete. Die Welt hat sich aber seit Elliots Gedicht 1833 geändert.

Stillgelegte Flächen werden bald in der EU nicht mehr subventioniert. "Alles muss raus", lautet die Divise, um die Produktion um ein letztes Quäntchen zu steigern. Zu der gestiegenen Nachfrage nach Mais für Ethanol, wird Biodiesel nun auch in den USA stark ausgebaut, was die Nachfrage nach Sojaöl stark ankurbelt, schreibt "neue energie". Während man in Deutschland auf Rapsöl bei der Biodieselproduktion setzt, decke in den USA das Sojaöl zu 90% diesen Bedarf, und die Preise steigen kontinuierlich. Die Preise für Energiepflanzen könnten also genauso stark steigen wie der Preis für Rohöl, was den lang ersehnten Umstieg vom dreckigen Öl auf die saubere, angeblich erneuerbare Biomasse weniger attraktiv macht.

Der einzige Ausweg: Der Energieverbrauch müsste massiv gesenkt werden. Statt 150 PS müssen wir uns mit 15 zufrieden geben - womit sich die Tempolimit-Debatte erübrigen würde.

Einerseits braucht man dazu den technischen Fortschritt, denn ein Auto mit 15 PS hat kein großer Hersteller im Angebot. Lediglich der Loremo steht als Prototyp auf der Startrampe - und sucht einen geeigneten Motor. Heute setzt man aber bereits auf Hybridmotoren, allerdings in Limousinen und Geländewagen. Das bringt uns nicht viel weiter, auch nicht beim Umstieg auf Biosprit: Wie das Greenpeace Magazin errechnet hat, verschlingt die Ethanoltankfüllung eines SUVs den Jahresbedarf eines Menschen an Mais - nämlich 200 Kilo.

Andererseits braucht man den sozialen Fortschritt: Wir müssen teilen lernen (ich verzichte hier bewusst auf das Wort "verzichten"). Sonst regelt alles der Markt, und bekanntlich befriedigt der Markt nicht Bedürfnisse, sondern Wünsche - und zwar die der Zahlungskräftigsten. Man kann sich leicht eine Welt vorstellen, in der 10% der Deutschen 2050 vorwiegend Biokraftstoff tanken, während die anderen 90% weitgehend ohne Auto auskommen müssen. Beide Gruppen würden dann abends - ebenso leicht vorstellbar - in den Tagesthemen sehen, wie die Menschen in ärmeren Ländern gegen die Politik ihrer Regierung auf die Straße gehen. Es wäre die Rede von steigenden Preisen für Rohstoffe, von Misswirtschaft, von Ernteausfällen aufgrund von Naturkatastrophen usw., aber nicht vom Zusammenhang zwischen unserem Rohstoffverbrauch und deren Nöten.

Richard Heinberg

Das ist jedenfalls das typische Weltuntergangsszenario mancher Die-off-Vertreter. Eine erfrischend positive Perspektive liefert hingegen Richard Heinberg in seinem neuen Buch "Peak Everything". Wie schon Herman Scheer vor Jahren betont Heinberg, dass uns nicht nur beim Öl und auch nicht nur bei allen endlichen Energieträgern ein Peak bevorsteht, sondern bei allen Rohstoffen. Doch im Gegensatz zu Scheer betont der US-Autor von "Powerdown" (in dem er sich übrigens als Anhänger der LIHOP-Theory zu 9/11 bekennt), "The Party's Over" und "The Oil Depletion Protocol" (siehe dazu den Eintrag zu C&C in der Wochenschau sowie ein Interview), dass man der ganzen Problematik eine positive Seite abgewinnen muss, sonst schalten die Menschen ab:

People will not willingly accept the new message of "less, slower, and smaller," unless they have new goals toward which to aspire.

Auch Heinberg glaubt wie viele Amerikaner (und nicht wenige Deutsche), dass die Wissenschaftler gefragt sind, doch bei ihm sind es nicht etwa die Ingenieure, die uns mit neuer Technik retten sollen, sondern Archäologen und Soziologen/Ökologen, die uns zeigen können, wie wir ohne Technik auskommen. Erstere können uns zeigen, wie die Menschen früher ohne all den Neuzeitkram vom Discounter ausgekommen sind, während Letztere uns helfen können, Nachbarschaften, Gemeinschaften und Gesellschaften aufzubauen, wo diese ausgestorben sind (liebe Leser, Sie sind nicht damit gemeint, denn Sie kennen ja ihre Nachbarn und helfen sich oft gegenseitig…).

Manche Vorschläge Heinbergs sind Kabarettreif:

Learn practical skills, including the manufacture and use of Paleolithic tools.

Doch Heinberg fährt bierernst fort und nennt gleich danach ein paar Ziele:

Learn to understand and repair… existing tools… that are still likely to be useful when there is no gasoline or electricity. Preserve what is beautiful, sane, and intelligent. That includes scientific and cultural knowledge, and examples of human achievement in the arts.

In dieser neuen Welt werden wir keine globale Logistik mehr für das Verschiffen von Gemüse und Fleisch zwischen Kontinenten brauchen. Vielmehr wird alles lokal angebaut - vieles im eigenen Garten. Jeder wird also immer mehr selbst zum Gärtner, und die heutige Arbeitsaufteilung wird langsam abnehmen. Man wird ein bisschen von allem selbst können. Handwerker und Bauern werden gut dastehen: Es ist nicht lange her, dass deutsche Schuhmacher Nägel gerade geklopft haben, statt sie wegzuwerfen und neue zu kaufen. Welcher Leser dieser Zeilen hat schon einen Nagel gerade geklopft? Wer dagegen im Beruf Sicherheitslücken auf Serversystemen patcht, muss dagegen hoffen, dass die Stromnetze halten - und am besten selbst dazu beitragen, dass der Strom reicht, indem Serverparks deutlich sparsamer werden.

Es sind also durchaus Innovationen gefragt, und zwar auf allen Ebenen. Ein echter Fortschritt könnte z.B. in der Kultur kommen, wie Heinberg (selbst Geiger) meint. Einen schleichenden Trend gab es in den USA zwischen den letzten Generationen. Nicht selten liest man, dass ein in den 50ern oder 60ern geborener Musiker sein erstes Instrument von einem etablierten Musiker bekam. So erhielt der Vibraphonist Roy Ayers seine ersten Schläger von Lionel Hampton, Wynton Marsalis seine erste Trompete von Al Hirt usw. Doch wer seit 1970ern auf die Welt kam, lernte eher Radio spielen und wurde vielleicht später DJ. Schwarze Viertel in den USA brachten in letzter Zeit entsprechend weniger Jazz als Rap und Hip-Hop hervor - eine Musik, die ohne Strom nicht auskommt, nicht an die Tradition anknüpft und weniger Talent erfordert.

In den letzten Jahrzehnten sind wir im Westen gewissermaßen dazu übergegangen, die Kultur zu archivieren, anstatt sie zu verinnerlichen und zu leben. Wir spielen auf Feten Platten, CDs, MP3s, aber keine Instrumente spontan mit Freunden, weil jeder was drauf hat. Unsere Kinder bekommen zu Weihnachten iPods statt Instrumente. Wenn wir aber nicht mehr tagsüber bei der Arbeit vorm Bildschirm sitzen und abends noch mal an PC-Spielen und Videos, könnten wir die Welt vor der eigenen Tür kennenlernen, und wir könnten uns nützliche Fähigkeiten aneignen, um anderen zu helfen, durch den Alltag zu kommen - anstatt dies einem anonymen Sozialstaat zu überlassen, in dem der eigene Beitrag sich auf das Beitragzahlen begrenzt. So was heißt bei Heinberg "community".

Wenn aber die Rohstoffe knapp werden, kommt nicht erst das Fressen und dann die Moral? Nicht unbedingt, wie Heinberg eindrucksvoll anhand eines historischen Beispiels erläutert: Kuba in der sogenannten "Sonderperiode in Friedenszeiten".

Kuba ist für Heinberg kein Vorbild. Er sagt nicht, dass dort alles besser ist, sondern er beschreibt, wie die Kubaner sich anders aufgestellt haben, um mit weniger klar zu kommen, nachdem die billige Ölversorgung aus der Sowjetunion ausblieb: "The result was survival", stellt Heinberg nüchtern fest. Immerhin kam es dort zu keiner Hungersnot wie 1845-50 in Irland. Zwar wurden viele Maßnahmen von einem diktatorischen Staat erzwungen, der selbst überleben wollte, aber trotzdem lohnt sich ein Blick hinter die Kulisse. Vielleicht können wir was von Kuba lernen?

Die Kubaner legten Privatgärten an, wo das ging, und die Agrarwirtschaft stieg auf Bio um. Mehr Menschen arbeiteten dadurch in der Landwirtschaft - schätzungsweise gut 25% heute im Vergleich zu 1-3% in Nordamerika und Europa. Allerdings verdienen diese Bauern vergleichbare Gehälter wie Ärzte. Dabei hat Kuba eine imposante Medizinwirtschaft auf der Basis von Homöopathie und exportiert Ärzte in viele Entwicklungsländer. Man stieg außerdem auf eine fleischarme Diät um, die auch noch wenig Reis und Weizen kennt, da diese intensiv bewirtschaftet werden müssen - keine angenehme Sache, denn die Kubaner nahmen im Schnitt fast 10 Kilo ab. Dabei waren sie vorher nicht unbedingt übergewichtig. Schließlich nahm der Individualverkehr zugunsten von öffentlichen Verkehrsmitteln ab. Und vor allem hat die Gesellschaft zusammengearbeitet - man hat geteilt und sich gegenseitig geholfen.

Wenn wir es richtig anstellen, können wir also friedlich mit weniger Konsum auskommen und trotzdem das Leben in vollen Zügen genießen. Auch kulturell muss sich Kuba nicht verstecken. Es gäbe viele Vorzüge: Man nimmt ab, isst gesünder, lernt seine Mitmenschen kennen und macht die Musik selbst auf Feten, statt sie aus der Retorte zu bekommen. Alle hätten Arbeit und das Gefühl, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Und statt alleine am PC zu spielen, sitzen wir mit anderen zusammen und spielen Domino.

Wenn die Landwirtschaft wieder arbeitsintensiv wird, stellt sich zwar das Problem mit der Arbeitslosigkeit so nicht mehr, aber dann muss man Wege finden, um Arbeitssuchende auf die Felder zu locken. Bisher darf man in Deutschland als Studierter erstmal Arbeitslosengeld beziehen, ohne aufs Feld zu müssen. Dafür kommen Saisonarbeiter aus Osteuropa. Wenn das Teilen der verbleibenden Ressourcen global gerecht klappen soll, wie kann dies auch global demokratisch geschehen? Bisher klappt die Demokratie am besten im kleinen Maßstab. Global herrscht die blanke Macht. Alles deutet darauf hin, dass Europa seine sozialen Errungenschaften verteidigen würde - auch im Kampf um Ressourcen.

Und wenn wir den globalen Umstieg auf weniger Rohstoffverbrauch dumm anstellen? Nehmen wir an, wir behalten in Europa unseren Lebensstandard in etwa bei. Bestenfalls schützen wir uns dann selbst auf Kosten anderer. Dann behält eben jeder Nordeuropäer seinen jährlichen Urlaubsflug nach Spanien, der anonyme Sozialstaat und die Rente bleiben sicher, und es gibt kein Tempolimit auf der Autobahn. Dafür fahren wir mit einem Hybrid, und zwar mit Biosprit aus Sonstwoher. Man kriegt es halt von der Zapfsäule, aber man sieht ja abends im Fernsehen, wie korrupt diese produzierenden Länder sind.

Vielleicht steuern wir dann langsam auf eine Spaltung der Spezies homo sapiens sapiens zu: Auf der einen Seite die 2 Meter großen, wohl ernährten Europäer mit geraden, weißen Zähnen, einer schönen Figur trotz Mangel an Bewegung dank Fettabsaugung, und glatter Haut bis ins hohe Alter dank Botox; auf der anderen Seite die 1,4 Meter große Restmenschheit, die die eigenen Rohstoffe an die hohen Menschen liefert und deren Müll verwertet.

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