Überdüngt und vergiftet - Mülldeponie Ozean

Atlantik. Foto: Tiago Fioreze / CC BY-SA 3.0

Die Anreicherung mit Phosphat und Nitraten bringt das Ökosystem aus dem Gleichgewicht

Das meiste von dem, was an Land an Schad- und Nährstoffen freigesetzt wird, landet früher oder später im Meer. Da sind nicht nur die Rückstände von Düngemitteln. Es sind auch anorganische und organische Stickstoff- und Phosphatverbindungen aus Klärwerken, kommunalen, häuslichen und industriellen Abwässern aus der Zellstoff-, Chemie- und Lebensmittelindustrie und Aquakultur-Anlagen sowie Emissionen und Abwässer aus dem Straßenverkehr, aber auch aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe. Ein geringer Teil wie etwa die Abgase aus der Schifffahrt wird direkt im Meer freigesetzt.

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Seit Jahren beobachten Forscher wachsende Stickstoffeinträge in die Küstengewässer des Atlantiks, in die Nord- und Ostsee und im Mittelmeer. Der offene Ozean nimmt Stickstoff vor allem aus der Luft auf. Besonders der Nordpazifik leidet unter dieser Belastung. Die Stickoxide werden aus den Industriezentren nicht nur ins Inland, sondern auch übers offene Meer geweht und zusätzlich aus der Landwirtschaft emittiert.

So untersuchte ein koreanisches Forscherteam die Einträge von Stickstoff und Phosphor in verschiedenen Ozeanen. Die Auswertung einer Analyse von tausenden Wasserproben ergab, dass der Eintrag von Stickstoff innerhalb der letzten 40 Jahre massiv angestiegen ist. Mit absehbaren Folgen: Zu viel Stickstoff und Phosphor im Meer führt zu vermehrtem Algenwachstum.

Die Pflanzen sinken in tiefere Zonen herab und werden abgebaut, wobei die zersetzenden Bakterien den Sauerstoff im Wasser verbrauchen. In der Folge entstehen große sauerstoffarme Todeszonen am Meeresboden. Erschreckend, wenn auch nicht verwunderlich, ist die Erkenntnis, dass etwa ein Drittel des im Meer aufgenommenen Stickstoffs der Mensch zu verantworten hat.

Der Ozeanograph Kitack Lee sagt anhand von Hochrechnungen weiter steigende Stickstoffeinträge bis zum Jahr 2050 voraus. Auf Grund dessen werde sich das Nitrat-Phosphor-Verhältnis im Pazifik verschieben. Dies verändert die Zusammensetzung des Phytoplankton - und langfristig die Gesamtstruktur des Ökosystems. Neueren Untersuchungen zu Folge leiden der nordamerikanische Atlantik, die Ostsee und der Mittelmeerraum in zunehmendem Maße unter Stickstoffmengen, die über Atmosphäre und Flüsse eingelagert werden.

Phosphor ist die Grundlage für alles Leben auf der Erde. Es ist lebenswichtiges Element, essenzieller Nährstoff für alle Lebewesen und unabdingbar für das Wachstum der Pflanzen. So ist Phosphat unter anderem Bestandteil der DNA. In der Natur geht Phosphat in organischer und anorganischer Form alle möglichen Verbindungen ein.

Jährlich werden auf der Welt rund 160 Millionen Tonnen Phosphat abgebaut. Bei gleich bleibendem Verbrauch würden die Vorräte noch etwa 100 Jahre reichen. Doch der Bedarf an Phosphor wächst mit der Nahrungsmittelproduktion. Weil die Aufbereitung immer aufwendiger wird, befürchten Experten, könnte Phosphatdünger schon in rund 20 Jahren knapp werden. Aber auch die Industrie verbraucht Phosphor - zum Beispiel bei der Herstellung von Batterien.

Längst ist man auf der Suche nach den letzten Phosphat-Vorkommen - auch in entlegenen Winkeln der Welt. So fanden australische Vertreter der Düngemittel-Industrie Phosphat auf dem pazifischen Atoll Makatea. Bereits in den 1950er bis 1960er Jahren wurde hier Phosphat abgebaut - ein Drittel der einst unberührten Insel wurde zerstört und vergiftet. Die meisten Bewohner verließen ihre Heimat.

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Nachdem der Abbau gestoppt worden war, hat sich die Insel innerhalb von fünfzig Jahren nicht nur erholt, sondern zu einem wahren Naturparadies entwickelt. Nun drohen erneut Raubbau und Zerstörung. Diesmal wollen die Bewohner nicht tatenlos zusehen. In einer Online-Petition richten sie ihren Protest an die Umweltministerin und den Präsidenten von Französisch-Polynesien.

Dabei gibt es längst Verfahren zur Rückgewinnung des kostbaren Rohstoffs. So kann durch Verbrennen von Klärschlämmen Phosphat aus der Asche wieder gewonnen werden. Mit Hilfe moderner Technologie wird Phosphor aus Klärschlämmen ausgefiltert und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht.

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