Ukraine: Ärger um Euronews

Der auch mit EU-Geldern unterstützte Sender wird verdächtigt, eine Plattform für russische Propaganda zu werden

Euronews gehört derzeit nicht zu den beliebtesten Medien in der Ukraine. Mykola Tochytski, Vertreter der Ukraine in Brüssel, sieht bei dem in Lyon ansässigen TV-Sender "die Gefahr, eine Plattform für (russische) Propaganda in der EU zu werden".

Anlass der harschen Kritik war eine Sendung, die am 23. Januar ausgestrahlt wurde. Gezeigt wurden russische Kinder beim Militärtraining auf der Krim. Dabei, so moniert der Botschafter, sei nicht erwähnt worden, dass Russland die Krim der Ukraine 2014 entrissen und sie annektiert hatte.

Der Botschafter sah "journalistische Standards" gefährdet, da der Sender zeige, wie "eine Armee von Eindringlingen (!) Kinder lehrt (!) wie man mit der Waffe umgeht". Auch störte sich der Ukrainer an der Begeisterung der Kinder, die unkommentiert gezeigt wurde. In dem Beitrag sieht man, wie Kinder lernen, Landminen zu entschärfen, ein Offizier erklärt, dass die Kinder ermutigt werden, später der Armee beizutreten.

Auf die Kritik der Ukraine hin, fügte Euronews die Information über Annexion in der Online-Ausgabe hinzu, aber ließ ansonsten den Beitrag unverändert.

Die ukrainische Internetzeitung "Ukrainska Pravda" weist darauf hin, dass der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris seit Februar 2015 53 Prozent der Anteile des Senders hält. Zuvor hätte er sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Ägypten getroffen. Zudem ist Sawiris "Global Telecom Holding" 2010 vom russischen Mobilfunkkonzern VimpelCom, heute Veon übernommen worden.

In einer Erhebung im Dezember 2016 erklärten 70 Prozent der Euronews-Mitarbeiter, der Leitung der Redaktion nicht zu vertrauen.

Der liberale litauische EU-Abgeordnete Petras Austrevicius erklärte, die "Euro-News-Frage" sei wichtig für die Bekämpfung russischer Fehlinformation. Der Sender wird jährlich mit 25 Millionen aus EU-Geldern unterstützt. Die EU-Kommission hatte Anfang des vergangenen Jahres angekündigt, sich aufgrund mehrerer Skandale "ernsthaft" mit dem Sender zu befassen.

Das Verhältnis zwischen Euronews und der Ukraine gilt schon seit langem als angespannt. Die ukrainische Medienaufsicht entzog dem Sender 2015 die Lizenz, da sie zu wenig Einfluss auf die Inhalte gehabt habe, Euronews warf den ukrainischen Behörden nicht bezahlte Rechnungen vor. Im Mai 2017 schloss der Sender nach sechs Jahren Ausstrahlung die ukrainischsprachige Redaktion. (Jens Mattern)