Ukraine weist BND-Version zum Abschuss von MH17 zurück

Nach dem ukrainischen Verteidigungsministerium hätten die Separatisten kein Buk-Raketensystem erbeutet

Beginnend mit dem Spiegel machte die Nachricht die Runde, dass BND-Präsident Gerhard Schindler den Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums am 8. Oktober die Gründe dargelegt habe, warum die deutschen Geheimdienstler davon ausgehen, dass MH17 vermutlich von Separatisten abgeschossen wurde. Nach einer Auswertung von Satellitenbildern und Fotos hätten dies vermutlich prorussische Separatisten mit einem zuvor von den ukrainischen Streitkräften erbeuteten Luftabwehrraketensystem Buk getan. Allerdings seien nicht nur russische Darstellungen, sondern auch ukrainische Fotos gefälscht.

Buk-M1-Start- und Transportfahrzeug. Bild: Ajvol/gemeinfrei

Hans Leyendecker berichtet in der Süddeutschen etwas genauer. Es gebe "erhebliche Meinungsdifferenzen" über den Abschuss von MH17 bei den verschiedenen Geheimdiensten. Die amerikanischen und ukrainischen Geheimdienste würden die Version vorziehen, dass Russland das Buk-1M-System den Separatisten bereitgestellt habe. Das hätte den "Vorteil", dass Russland direkt verantwortlich gemacht werden könnte (MH17: Wo bleiben die Beweise der Geheimdienste?).

Der BND gehe hingegen wie andere Geheimdienste davon aus, dass Separatisten das Luftabwehrraketensystem erbeutet und dann vermutlich versehentlich die Passagiermaschine abgeschossen hätten. Für die russische Version, dass die Maschine von einem ukrainischen Kampfflugzeug zum Absturz gebracht wurde, gebe es keine Indizien. Schindler habe aber dem Gremium klar gemacht, dass es keine Beweise für eine Version gebe, so dass die Annahme, die Separatisten seien verantwortlich, nur die wahrscheinlichste sei. Dass die Separatisten einige Tage vor dem Abschuss ein Fahrzeug mit dem Buk-System erbeutet haben, gehe aus Fotos hervor. Da eigentlich eine Buk-M1-Batterie aus mindestens drei Fahrzeugen bestehe - neben dem angeblich erbeuteten Start- und Transportfahrzeug ein Kommando- und ein Radarfahrzeug - sei es "ein schrecklicher Zufall", dass die Maschine getroffen worden sei, so Schindler.

Die BND-Version käme Moskau nicht ganz ungelegen. So meinte Alexey Pushkov, der Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Auswärtige Angelegenheit, dass dann Russland nichts damit zu tun habe. Der Separatistenführer Andrej Purgin erklärte Interfax, dass sie nicht die Experten hätten, die überhaupt ein so kompliziertes System wie das Buk-M1 bedienen können. Mit dem BND könnte man dann sagen, dass die Separatisten es dennoch irgendwie geschafft haben können, eine Rakete loszuschießen, die dann zufällig MH17 getroffen hat. Das wäre dann doch ein großer Zufall, auch wenn dieser notwendig wäre, weil ohne geschultes Personal - und ohne Vorwissen der Flugroute - das Flugzeug von ungeschultem Personal innerhalb kürzester Zeit angepeilt und die Rakete abgeschossen werden müsste.

Der BND stieß allerdings gleich auf Widerstand. Nicht nur von den Separatisten, sondern auch seitens der ukrainischen Regierung. Das Verteidigungsministerium weist strikt die Behauptung zurück, die Separatisten hätten ein Buk-System erbeutet. "Offiziell" heißt es, dass diese Behauptung nicht der Wahrheit entspreche. Die Einheit, die in der Region stationiert war, sei bereits am 29. Juni mit dem Buk-System abgezogen worden, bevor die Separatisten kamen, die nur alte und unbrauchbare Fahrzeuge gefunden hätten. Schon am 18. Juli, einen Tag nach dem Absturz der MH17, hatte der ukrainische Generalstaatsanwalt erklärt, die Separatisten hätten keine Buk- und S-300-Raketensysteme erbeutet (Hat Rebellenführer Besitz von Buk-Flugabwehr bestätigt?).

Die russische Luftfahrtbehörde hat den BND aufgefordert, seine Belege offen zu legen. Russland habe mehrmals dazu aufgefordert, die Daten dem Untersuchungsteam zu übergeben. Russland habe dies getan. Der Leiter der Behörde, Alexander Neradko, gab der Ukraine die Schuld: "Die Katastrophe ereignete sich im Himmel über der Ukraine. Die Ukraine ist voll und ganz dafür verantwortlich, was sich in ihrem Luftraum tut." Allerdings hat der BND das Gremium in einer Geheimsitzung informiert, deren Inhalt, wie rudimentär auch immer, geleakt wurde. Allerdings ist die Bereitschaft der Militärs und Geheimdienste, ihre Daten zur Aufklärung offenzulegen, auf allen Seiten praktisch nicht vorhanden. Nach dem BND zumindest hätten sowohl Russland als auch die Ukraine manipulierte Daten vorgelegt.

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