Ukrainische Marine gibt Hauptquartier auf der Krim auf

Der Verbleib von ukrainischen Soldaten auf der Krim könnte kritisch werden, Klitschko fordert die ukrainische Regierung auf, verantwortlich zu handeln und sie in die Ukraine zu überführen

Aufgrund der Schießereien gestern hatte die ukrainische Regierung den auf der Krim stationierten ukrainischen Soldaten eine Schießerlaubnis erteilt und angeordnet, dass sie in den Stützpunkten bleiben sollen. Die Regierung in Kiew erkennt weder die Regierung der Krim noch das Referendum für die Unabhängigkeit an. Die Krim bleibt für sie ein Teil der Ukraine. Für die Krimregierung sind die Soldaten nach der Unabhängigkeitserklärung aber eine Besatzungsmacht. Sie werden aufgefordert, sich der Krimarmee anzuschließen oder die Krim zu verlassen.

Vizepremier Yarema und Verteidigungsminister Tenjuk sind nach einer Mitteilung der Regierung in Kiew auf dem Weg in die Krim, um die Wogen zu glätten, nachdem eine prorussische Menge - die Rede ist von Tausenden - das Hauptquartier der ukrainischen Marine gestürmt und die russische Flagge gehisst hat. Wie Russia Today berichtete, hatten ukrainische Soldaten eine Kette gebildet, um die Menge abzuhalten. Die Kette zerfiel aber, nachdem Autos auf sie zufuhren. Zunächst war berichtet worden, dass sich die ukrainischen Soldaten verbarrikadiert hätten. Dann scheinen sie zusammen mit Vizeadmiral Sergei Gaiduk, dem Kommandanten der Marine, aber den Stützpunkt verlassen zu haben, nachdem der russische Vizeadmiral Alexander Vitko auf den Stützpunkt gekommen war und mit diesem gesprochen hatte. Gewalt und Verletzte hat es nach Zeugenaussagen keine gegeben.

Gaiduk wurde später angeblich vorübergehend von der Staatsanwaltschaft festgenommen, um ihn zu befragen. Die Rede ist auch davon, dass er versucht haben soll, heimlich den Stützpunkt zu verlassen, dabei sei er festgenommen worden. Nach dem ukrainischen Verteidigungsministerium soll er allerdings von Unbekannten entführt und seitdem verschwunden sein.

Medien wie die Tagesschau hatten berichtet, die Eindringlinge wären "Selbstverteidigungskräfte" gewesen. Die Nachrichtenagentur Rian berichtet von "Demonstranten und der Bürgerwehr", die die Sperren durchbrochen hätten. Die Kiew Post führt einen Sprecher des ukrainischen Militärs auf der Krim an, nach dem es sich um eine Menge von 150 Menschen gehandelt habe, die von einer Frau und einem maskierten Mann geführt wurde. Auf Frauen würden die ukrainischen Soldaten nicht schießen. Die Taktik würde auch bei anderen Stützpunkten angewandt.

Man schicke eine Menge mit Frauen vorneweg, danach kämen dann die Selbstverteidigungskräfte und russische Soldaten. So sei dies auch beim Stützpunkt in Nowoosjornoje gewesen. Mit einem Traktor sei man ins Gelände eingedrungen, dann wären Männer und Frauen gefolgt. Angeblich sollen dann russische Soldaten eingeschritten sein. Auch der Luftwaffenstützpunkt Belbek sei bereits blockiert.

Die Frage ist freilich, wie viele ukrainische Soldaten sich überhaupt noch auf den Stützpunkten aufhalten. Vor zwei Tagen waren Tagesschau-Bilder eines Stützpunktes zu sehen gewesen, der zwar von Selbstverteidigungskräften bewacht wurde, aber offensichtlich bereits verlassen war. Vitali Klitschko schlug nun vor, zwar nicht die Krim aufzugeben, sie aber als "vorübergehend besetztes Territorium" zu betrachten. Die Regierung sollte eine verantwortliche Entscheidung treffen, um das Leben der Soldaten zu schützen, sagte er, nachdem der Verteidigungsminister, der Mitglied der Swoboda-Partei ist, erklärte hatte, die Soldaten würden nicht abgezogen. Nach Klitschko seien sie aber nun gezwungen, vorübergehend die Krim zu verlassen, wenn man sie nicht in Gefahr bringen will. Man müsse schnell die Truppen in die Ukraine bringen und dort unterbringen, ebenso müsse man für Zivilisten vorsorgen, die zwangsweise die Krim verlassen müssten. (Florian Rötzer)

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