Ukrainische Passagiermaschine: Iran räumt Abschuss ein

Bild: Hossein Mersadi/Fars News/CC BY-SA-4.0

Laut der Erklärung des iranischen Generalstabs erfolgte er in einer kritischen Situation "unabsichtlich, aufgrund eines menschlichen Fehlers"

Die Beweislage, die bislang an die Öffentlichkeit geriet, war dünn, man sprach von Rätselraten; die Spekulationen darüber, ob ein Abschuss zum Absturz der ukrainischen Passagiermaschine führte, waren wie so häufig von politischen Positionen in der Konfrontation zwischen den USA und Iran geprägt. Möglich wäre auch gewesen, dass sich die Aufklärung endlos hinzieht, weil die Informationen politisch stark gewichtet werden.

Dann erfolgte heute Morgen das überraschende Eingeständnis. Der iranische Generalstab räumte in einer offiziellen Stellungnahme ein, dass das Flugzeug "unabsichtlich, aufgrund eines menschlichen Fehlers" zum Ziel der iranischen Luftabwehr wurde. Dem folgten Erklärungen des iranischen Präsidenten Rouhani und des iranischen Außenministers Zarif.

Präsident Rouhani schreibt am Samstagmorgen in einer ersten offiziellen Reaktion, adressiert an die iranischen Bürger, von einem "katastrophalen Fehler" und einem "schmerzhaften Unfall", den man nicht einfach übergehen könne, der Konsequenzen für die Verantwortlichen haben werde, von dem er mit "höchstem Bedauern und Kummer" einige Stunden zuvor von dem Generalstab erfahren habe.

Außenminister Zarif twitterte von einem "traurigen Tag" und stellte in seiner Kurzmitteilung auf Twitter, das bekanntermaßen viel Erregung aufrühren kann, die (Mit-)Verantwortung der USA heraus. Er schreibt von einer "vorläufigen Folgerungen" einer internen Untersuchung der Streitkräfte und:

Menschlicher Irrtum zu einer Zeit der Krise, die von US-amerikanischem Abenteurertum verursacht wurde, führte zur Katastrophe.

Javad Zarif

In der Stellungnahme des iranischen Generalstabs wird der Abschuss der Boeing 737 der Ukrainischen Fluggesellschaft (Flugnummer 752) mit einer "empfindlichen und kritischen Situation" erklärt. Man habe Stunden nach dem iranischen Raketenangriff auf US-Militärbasen im Irak (in der Nacht auf vergangenen Mittwoch) beobachtet, dass "Kriegsflugzeuge, die zu den terroristischen amerikanischen Streitkräften gehören, häufiger im Luftraum, die den Iran umgibt, gesehen wurden".

Berichte hätten darüber informiert, dass sich manche Zielen annäherten, die zur iranischen Verteidigung gehören. Zahlreiche Ereignisse auf den Radarbildschirmen hätten zu höheren Wachsamkeit der iranischen Verteidigungseinheiten aufgefordert.

In dieser empfindlichen und kritischen Situation bewegte sich der Flug 752 der Ukraine Airlines, der vom Imam Khomeini International Airport gestartet war, sehr nahe an einen sensiblen militärischen Ort heran, der den IRGC (Revolutionsgraden) gehört, als er eine Schleife flog. Die Höhe und die Richtung dieser Flugbewegung ähneltem einem feindlichen Ziel, daher wurde auf das Flugzeug unabsichtlich aufgrund eines menschlichen Fehlers gezielt.

Iranischer Generalstab

Das Bedauern des Generalstabs gilt dem "Märtyrertod von iranischen Staatsbürgern zusammen mit Angehörigen auswärtiger Nationen". Auch Außenminister Zarif drückte "unser tiefes Bedauern, unsere Entschuldigung und unser Beileid für unsere Leute, den Familien der Opfer und anderen Nationen, die davon betroffen sind" aus.

Diese Erklärungen haben, da die Staatsbürger anderer Nationen erst wie im Nachhinein erwähnt werden, möglicherweise Potenzial für eine weitere Erregungswelle, finden aber ihren Grund darin, dass 147 Passagiere unter den 179(!) Opfern (die Opferzahl wird in anderen Berichten mit 176 angegeben) wird eine iranische Staatsbürgerschaft (auch als Teil einer Doppelbürgerschaft) besaßen.

Gestern hieß es, dass eine ukrainische und eine kanadische Delegation, heute nach Teheran kommen werden, um an den Untersuchung der Ursachen des Unglücks teilzunehmen. Einer etwaigen peinlichen Situation ist der iranische Generalstab mit seiner Erklärung nun zuvorgekommen. (Thomas Pany)