Umbrüche, Bremser und Umsteiger

Bild: Yaskawa Motoman

Die Energie- und Klimawochenschau: In der Autobranche kündigt sich das große Beben an, der BDI will weniger Klimaschutz, Norwegen lässt einen Teil des Öls im Boden und zieht zugleich Kapital aus der Kohleindustrie ab

Die Zukunft kommt in Europa an. Ob es aber ihr freundliches oder eher das grimmige Gesicht ist, muss sich noch zeigen. Im slowenischen Kočevje macht das japanische Unternehmen Yaskawa seine erste Robotik-Fabrik auf. Dort sollen Roboter für die Automobilindustrie hergestellt werden, wie der Nachrichtendienst Euractive berichtet. Demnach soll neben dem neuen Werk ein "Europäisches Zentrum für die Entwicklung von Robotern entstehen" und die slowenische Produktion den Markt in Europa, Nahost und Afrika zu 80-Prozent abdecken.

Durch den verstärkten Einsatz von Industrierobotern und die Umstellung auf Elektroantriebe könnten in der hiesigen Automobilindustrie schon bald mehrere 100.000 Arbeitsplätze wegfallen, wie bereits seit einigen Jahren gewarnt wird.

Die Industriegewerkschaft Metall hat daher schon die Forderung nach einer befristeten 28-Stunden-Woche aufgestellt, doch die Durchsetzungschancen sind sicherlich größer, wenn dies mit einer gesamtgesellschaftlichen Vision für den Umbau der Industriegesellschaft verbunden würde. Doch damit tut sich die Gewerkschaft schwer, hat sie sich doch als einst mächtigste Industriegewerkschaft Westeuropas in jahrzehntelangen Abwehrkämpfen an das Ko-Management und die Verteidigung des Bestehenden gewöhnt und längst nur noch die Interessen der Kernbelegschaften im Auge.

Da passt es schon eher in das so lange gepflegte Weltbild, die Bedrohung der Arbeitsplätze einfach auf den Klimaschutz zu schieben, denn da weiß man sich mit den Konzern-Vorständen einig. Nur wird man so leider keine Solidarität aus der Gesellschaft für die nötigen Arbeitszeitverkürzungen und andere Maßnahmen zur Absicherung der Beschäftigten bekommen.

Der Wandel wird jedenfalls kaum aufzuhalten sein, auch wenn einige hiesige Konzerne zwar nicht die weitere Automatisierung und die damit verbundenen Entlassungen, wohl aber den Elektroantrieb noch möglichst lange rauszögern wollen.

BDI als Freund überkommener Technologien

Anderswo wie in Norwegen, Israel, Dänemark, die Niederlande, Schweden und Irland gibt es hingegen schon konkrete Fristen, ab denen keine Verbrennungsmotoren mehr neu zugelassen werden. Auch in China erzwingt derweil die Regierung den technologischen Umbruch und verhilft damit voraussichtlich dem E-Auto auch zum weltweiten Durchbruch. Denn die Volksrepublik ist der mit Abstand weltgrößte Absatzmarkt für PKW und setzt damit die Maßstäbe. Hierzulande ist eigentlich die Frage nur noch, ob sich die Industrie noch lange genug an die alte Technologie klammert, um das Klima ernsthaft weiter zu schädigen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) scheint zu Letzterem fest entschlossen. Während weltweit die Jugend die Geduld verliert und die hiesigen Schüler die Reduktion der deutschen Emissionen auf Null bis 2035 fordert stellt der BDI auf einmal die - unzureichenden - offiziellen Klimaschutzziele in Frage. Die Emissionen bis 2050 um 95 Prozent zu vermindern, sei unrealistisch, hieß es letzte Woche auf einem BDI-Klima-Kongress. Es ginge nicht mit dem Kopf durch die Wand, wird BDI-Chef Dieter Kempf zitiert.

Nachdem das Problem seit über 30-Jahren bekannt ist und der BDI immer wieder durch unverbindliche und nie kontrollierte Selbstverpflichtungen vertröstete, ist das schon eine originelle Sicht auf die Dinge. Was den Umbau der Stromversorgung angeht, kann jedenfalls keine Rede davon sein, dass die Regierungen unter Angela Merkel irgendwas überstürzt hätten.

Solardeckel kritisiert

Vielmehr wurde zunächst der Solarenergie-Ausbau abgewürgt und rund 80.000 Arbeitsplätze im Handwerk und einer noch jungen Industrie damit vernichtet. Nachdem zuletzt endlich wieder deutlich mehr Fotovoltaikanlagen auf die Dächer montiert wurden - rund 3,5 Gigawatt (GW) betrug der Zubau 2018, so viel wie seit 2013 nicht mehr -, droht schon im nächsten Jahr das Aus für die Förderung weiterer Neuanlagen.

Der Grund: Das Erneuerbare-Energien- Gesetz (EEG) sieht ein Bestandsobergrenze von 52 GW vor. 46,9 GW sind nämlich bereits erreicht und die Anlagen sind inzwischen so billig, dass der Ausbau schon im nächsten, spätestens aber im übernächsten Jahr an die 52-GW-Decke stoßen wird. Schon im Februar hatte sich daher ein Verbände-Bündnis gegründet, das gegen den Solar-Deckel mobil macht.

Die Vergütung für Strom aus neuen Solaranlagen beträgt übrigens je nach Anlagengröße und -art inzwischen nur noch 7,68 bis 11,11 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich müsste ein neu zu bauendes Kohlekraftwerk acht Cent oder mehr pro Kilowattstunde für seinen Strom bekommen, um rentabel zu sein. In Großbritannien bietet die Regierung den Bauherren neuer Atomkraftwerke sogar 11 Cent pro Kilowattstunde für 30 Jahre plus Anpassung an die Inflation.

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