Umfrage: AfD überholt die SPD

Die Sozialdemokraten sind nach der aktuellen INSA-Umfrage in der Abwärtsfalle gefangen

Es scheint alles nicht zu nützen, was derzeit die Union und die SPD an Rochaden personell unternehmen, um ihr Image zu retten. Einen Tiefschlag hat den ehemaligen Volksparteien zuletzt versetzt, als bekannt wurde, dass bei den Koalitionsverhandlungen ein ganzer Tag lang nicht über Inhalte, sondern nur über Posten gesprochen wurde. Im Hintergrund dürfte wohl auch stehen, dass viele Menschen zunehmend kritisch den Berufspolitikern gegenüberstehen und letztlich keine Groko, so klein sie auch sein mag, mehr wollen.

Seit den Koalitionsverhandlungen jedenfalls geht es mit SPD bergab. In der aktuellen INSA-Umfrage für die Bildzeitung kracht die SPD noch einmal und überlässt der AfD den Platz 2 hinter der Union. In einer Woche muss sie einen Verlust von einem Punkt einstreichen und kommt bei der Sonntagsfrage auf gerade noch 15,5 Prozent.

Die Union kann wieder ein bisschen Luft schnappen und steigt um 2,5 Punkte wieder auf 32 Prozent. Damit würde es jedenfalls keine Mehrheit mehr für Union und SPD geben. Die Unruhe in der CDU und CSU scheint die Menschen nicht so zu nerven wie die in der SPD, die in einer Abwärtsfalle gefangen zu sein scheint.

Nahles und Scholz überzeugen nicht, schließlich gehören sie der alten Mannschaft an - und legen sich wahrscheinlich zu stark für die Groko ins Zeug, was nach Machterhalt und Angst vor Neuwahlen wahrscheinlich nicht nur aussieht. Der Absturz droht nicht, weil die SPD-Führungsriege ein Ikarus-Wagnis eingeht, sondern ganz im Gegenteil, weil sie eine grundlegende Veränderung über einige kleinere Rochaden hinaus wie der Teufel das Weihwasser fürchtet.

Offenbar setzen, auch wenn man von der AfD wenig aus dem Bundestag hört, noch mehr Menschen auf die AfD, vielleicht auch nur, weil sie sich Alternative nennt. Ob von enttäuschten SPD-Wählern oder nicht, jedenfalls legt die AfD noch um einen Punkt zu und wird mit 16 Prozent knapp zur zweitstärksten Partei.

Das ist deutlich mehr als bei den Ergebnissen anderer Umfragen, wo die AfD eher bei 14 Prozent liegt, während dort die SPD noch etwas besser abschneidet. Klar ist jedoch, dass die AfD - wie die Grünen - nach den Wahlen, wo sie 12,6 Prozent erreichte, zulegen konnten. Das Umfrageergebnis wird als "historischer Erfolg" von der Partei gefeiert: "Wir sind damit nun auch offiziell Volkspartei!"

Die Grünen können sich auf 13 Prozent halten, die Linke schwächelt und erzielt nur noch 11 Prozent, die FDP steigt mit dem Verlust von 1,5 Punkten weiter auf 9 Prozent ab. Der Versuch von Lindner, die Partei zu einer Alternative zu machen, ist damit jetzt erst einmal gescheitert. Das dürfte sich auch nicht groß in nächster Zukunft ändern, denn weder personell noch inhaltlich kommt Neues. (Florian Rötzer)

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