Umfrage: Hohe Impfbereitschaft in Deutschland

Der ARD-DeutschlandTrend ermittelt weit über 80 Prozent, die sich "auf jeden Fall" impfen lassen wollen oder bereits geimpft sind. Warum stockt dann die Impfkampagne, obwohl generell genügend Impfstoff vorhanden ist?

Jetzt hat der ARD-DeutschlandTrend endlich doch danach gefragt, wie es um die Impfbereitschaft im Land steht. Herausgekommen ist, dass eine satte Mehrheit von 83 Prozent die Frage nach ihrer Impfbereitschaft mit "auf jeden Fall/bereits geimpft" beantwortet hat. Vier Prozent antworteten mit "wahrscheinlich".

Würden 87 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ihre Bereitschaft umsetzen und sich zwei Mal impfen lassen, wäre man an einer Größenordnung, die den Ziel-Impfquoten des RKI-Bulletins vom 8. Juli 2021 nahekommt.

Da heißt es zu den notwendigen Impfquoten, "um Covid-19 zu kontrollieren", dass mittels Modellszenarien wie folgt ermittelt wurde: "Die Ergebnisse zeigen, dass unter den getroffenen Annahmen, insb. einer zunehmenden Dominanz der Delta-Variante, die Impfkampagne mit hoher Intensität weitergeführt werden sollte, bis mindestens 85 % der 12 - 59-Jährigen bzw. 90 % der ≥ 60-Jähri-gen vollständig gegen Covid-19 geimpft sind."

Beim RKI sind die Jugendlichen im Alter ab zwölf Jahren mit eingerechnet. Ob diese Altersgruppe an einer Impfkampagne teilnehmen soll, darüber tobt seit Wochen ein Streit, bei dem die Stiko gute Argumente dafür hat, eine generelle Impfkampagne für Kinder im Alter von zwölf, dreizehn Jahren und Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren nicht zu empfehlen. Politiker wie vorneweg der bayerische Ministerpräsident Söder nehmen dies zum Anlass, an der unabhängigen Institution zu sägen und sie mit Druck, Tricks und Finkeleien auszumanövrieren und zu diskreditieren.

Die Zahl der Impfungen geht zurück

Schaut man sich die augenblicklichen Zahlen der Impfkampagne an, so gibt es da noch ein virulenteres Problem. Laut Impfdashboard zeigt sich ein großer Unterschied zu den Impfungen im Juni:

Am 5. August 2021 wurden insgesamt 485.195 Impfdosen verabreicht. Davon führten 404.294 Dosen zu einer vollständigen Impfung. Die bisher meisten Impfungen wurden am 9. Juni 2021 mit insgesamt 1.419.992 Dosen durchgeführt.

Impfdashboard

Der Sieben-Tage-Schnitt bei den Erstimpfungen sei auf 79.997 gefallen, rechnet Olaf Gersemann vor. Das sei das niedrigste Niveau seit dem 21. Februar. Die Übersichtsgrafik auf der Webseite des Impdashboards, die "Verimpfte Dosen" und "Vollständige Impfungen" seit dem 28.12. 2020 bis zum 06.08.2021 anzeigt, bestätigt den Trend: Die Zahl der Impfungen geht zurück, während sich die Impfdosen stauen.

Wie ist das zu erklären, dass weit über 80 Prozent der im Erhebungszeitraum von 02. bis 04. August 2021 repräsentativ ausgesuchten vom ARD-DeutschlandTrend Befragten für eine Impfung sind, die Zahl derer, die geimpft werden, zurückgeht und dies in einer Periode, in der Impfen neben Klimakatastrophen und Olympia-Geschichten täglicher Top-Themen-Dauergast in den Medien ist?

Geben die Befragten am Telefon oder online nur eine erwünschte Meinung wieder, weil das leicht fällt, die Umsetzung dagegen zu aufwendig ist? Weil die Wege zur nächsten Impfmöglichkeit auf dem land zu weit sind? Weil die Impfangebote nicht zur Arbeitszeit passen? Weil gerade Sommerferien sind?

Es gibt deutliche regionale Unterschiede. Wieso funktioniert die Impfkampagne in Bremen (64 Prozent zweifach geimpft) so viel besser als in Sachsen (48 Prozent mit zweifacher Impfung)?

Wenn es nicht am Impfangebot liegt, ist es dann so, dass viele der Befragten eine Meinung wiedergeben, die den wenigsten Ärger macht, zum Beispiel in Form von Nachfragen, gegen die sich auch der Politiker der Freien Wähler, Aiwanger sträubt?

Laut ARD-DeutschlandTrend will sich jeder achte Wahlberechtigte (zwölf Prozent) "wahrscheinlich nicht impfen lassen oder schließt eine Impfung für sich auf jeden Fall aus". Das sind weniger, als man es angesichts der Aufregungen in den Berichten und Diskussionen im Netz denken würde.

Grundsätzlich gegen Impfungen seien acht Prozent der Deutschen, die sich nicht impfen lassen wollen, berichtet die ARD. Zwei Prozent davon geben an, dass sie sich aufgrund einer Vorerkrankung nicht impfen lassen können.

Von denen, die sich wahrscheinlich nicht oder auf keinen Fall impfen lassen wollen, geben 69 Prozent die Sorge vor bislang möglichen unentdeckten gesundheitlichen Folgeschäden als Hauptgrund an. 15 Prozent der Impfabgeneigten geben an, dass sie keine Sorge vor einer Ansteckung mit dem Virus haben.

Tagesschau

(Thomas Pany)